Selbstzweifel

Wir zürnen uns, sind uns gar selber Feind,
verwerfen unser Ich, sein falsches Lallen,
das Schuld uns zeigt, anstatt, nun klar vereint,
zu finden, spiegeln unser Wohlgefallen-

So nimm dies kleine Ich in deinen Blick,
lass auch bei ihm ein wenig Nachsicht walten,
trägt es doch auch die Träume dir zurück,
versucht, sich selbst am Tage zu gestalten!

© Ingrid Herta Drewing, 2018

Zum Jahresende

Version 2

Des Jahres Tage sind gezählt.
Der Blick zurück lässt Wünsche offen,
gebiert zugleich das stille Hoffen,
dass Glück im neuen Jahr uns wähl’.

Prognosen gibt es, im Orakel,
da findet mancher seine Sicht.
Noch ahnt er nichts von dem Debakel,
das ihn alsbald nimmt in die Pflicht.

Silvesterträume in den Lüften;
der Lärm den Dämon dräng’ zurück!
Jedoch in unsren engen Klüften,
wir weben mit an dem Geschick.

So vieles, was wir tun, entscheiden,
ist wichtig, zeigt des Lebens Weg.
Die Gier, den Hass gilt ’s zu vermeiden,

die Liebe sei uns Brücke, Steg!
Dann wird vielleicht das nächste Jahr
auch für uns Menschen wunderbar.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Unernst

Ernst stieg gar so gern auf Bäume,
wohin sonst nur Vögel fliegen,
und verlor sich dort in Träume,
blieb oft stundenlang dort liegen.

In Marokko als Tourist
kam sein Spielchen zum Erliegen.
Denn es saßen, welch ein Mist,
in den Bäumen schon die Ziegen.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Endlich

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In jedem zarten Beginnen
wohnt das Ende; die Zeit
zähmt jeden Flug, und dein Sinnen,
dem träumend doch zu entrinnen,
spannt nur die Flügel weit.

Im Lichte der Illusionen
siehst du den hellen Schein,
würdest gern Himmel bewohnen,
die Kraft der Schwere entthronen
in deinem kleinen Sein.

Die Phantasie leiht dir Schwingen,
schildert den fremden Stern.
Dein irdisch’ Los, alle Dinge,
die dir im Tagwerk misslingen,
erscheinen nichtig, dir fern.

Doch auch dieses kühne Sinnen
kennt das Ende; die Zeit
zähmt jeden Flug, kein Entrinnen,
kannst du auf Dauer gewinnen,
spannst nur die Flügel weit.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing

Winter

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Am Berg, im Tal, an Busch und Baum
zeigt nun der Winter seine Spuren.
Alles versinkt in weißem Traum,
es scheint, als schwiegen alle Uhren.

So zeitlos still ruht nun das Land,
sanft hat der Schnee es zugedeckt.
Mir ist, als habe eine Hand
sich, alles segnend, ausgestreckt.

Und wiege nun die Welt in Träumen
in diesem weichen Sternenbett,
bis sie in Frühlings hellen Räumen
ein fröhliches Erwachen hätt’.

© Foto und Text /Ingrid Herta Drewing

Unwirtliche Herbsttage

Der Nebel dicht verhüllt das Licht
der alten Stadtlaterne.
Kein Himmel, keine Sterne
versprechen hier die klare Sicht.
Kein Blick erreicht die Ferne.

Des Herbtes Pracht, so schön erwacht,
das Blattgold in den Bäumen,
hell in Oktobers Räumen,
nun Nebels Macht zunichte macht,
lässt’s nur in unsren Träumen.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Alte Bäume

Es tragen die alten Bäume
in ihrem zerfurchten Gesicht
vergangener Zeiten Träume
von weiten, hellen Räumen
und Tagen in goldenem Licht.

Der flirrenden Sommer Grünen,
das Herbstrot, dies’ Flammenmeer,
der Schnee auf Winterbühnen,
berauschendes Frühlingssühnen
dort irrlichtern noch umher.

Und manchmal hörst du es raunen,
dann flüstern die Wipfel leise:
“Vergiss deine Hast, die Launen,
erlerne wieder das Staunen,
wir werden den Weg dir weisen!“

© Ingrid Herta Drewing

Schlaflos

Und schlaflos liegst du da zur Nacht,
denn unaufhörlich die Gedanken
bestürmen dich, und ihre Macht
verhindert, dass sich Träume sacht
in Morpheus Armen um dich ranken.

Erheb‘ dich, mach‘ die Nacht zum Tag,
befreie dich von den Chimären,
die dich bedrängen Frag‘ um Frag‘,
beginn‘ zu schreiben; fern der Plag‘
lass‘ leichthin Worte nun gewähren!

Sie finden sich in Vers und Reim,
verweben Bilder mit dem Klang,
als sei erwacht ein grüner Keim,
dich führend in ein neu‘ Daheim,
und Leben singt den Lobgesang.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Herbst-Gedanken am See

Den goldenen Herbst-Bäumen gleich
trägst du die farbigen Träume,
gefangen im Nebelreich,
im fahlen Morgen,noch bleich,
als Sonnenlied in die Räume.

So treu wie als Paar die Schwäne,
vereint in des Lebens Zeiten,
sei Freiheit Friedens Domäne,
und Recht begleite die Pläne,
die uns auf Erden leiten!

Es achte Einer den Andern,
und sei auch zu helfen bereit,
anstatt im Hass zu salbandern,
im Ego-Trip nur zu wandern,
verfangen in Ängsten und Neid!

© Ingrid Herta Drewing,2015

Abendrot im Frühherbst

Im Widerschein der Abendsonne,
die rot am Horizont verglüht,
erstrahlt der Blätter bunte Wonne.
In Busch und Baum ein Leuchten blüht,
als wolle hier in sanftem Schwingen
Spätsommer noch zum Abschied singen
ein Lied den Herbst bereiten Bäumen.

Auch du sinkst da in tiefes Träumen
und sinnst, was dir der Herbst wohl bringt,
der morgens schon in freien Räumen
den Tag in graue Nebel zwingt.
Und dennoch zeigen dir jetzt Farben
des Abendrots, du musst nicht darben,
die Augenweide nicht versäumen.

© Ingrid Herta Drewing,2015