Jahreswende

Heut schreibt sich Winter grau in den Kalender;
das Jahr, am Ende, tröpfelt so dahin.
Zart keimt die Hoffnung, dass sich etwas ändre,
das neue Jahr auch bringe Neubeginn.

Als sei das Neue an der Zeitenschranke,
die an Silvester sich zum Starte hebt,
mehr als ein Zeitraum, Intervallgedanke.
Es träumt der Mensch davon, so lang er lebt.

So zweigesichtig Janus um sich blickt,
wir sind es doch, die sinnend hier beginnen.
Ein jeder Tag wird neu von uns gestrickt
aus jenem Faden, den die Nornen spinnen.

Es wird nur Neues, Gutes alsdann geben,
wenn wir bewusst gestalten unser Leben.

© Foto und Text / Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Wilhelmstraße

Dezemberfrühling

Das Jahr ist alt geworden
und wartet auf sein Ende
in Kälte aus dem Norden.
Doch heut zur Sonnenwende
erscheint ’s, als ob es fände
nun hin zum Neubeginn.

Nicht nur die Tannen grünen,
geschmückt im Weihnachtsglanz,
auch auf den Wiesenbühnen
der Gänseblümchen Tanz
lässt da vergessen ganz,
wie Tage gehen hin.

Dezember zeigt sich milde,
kein Winter ist in Sicht.
In Frühlings zartem Bilde
beginnt ein wachsend Licht,
das uns ins Dunkel flicht
des Lebens Hoffnungssinn.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing

Ende September

Als wollten sie noch lang im Sommer träumen,
obwohl es herbstet in Septembers Räumen,
so strahlen seidig golden Birken, Linden.
Im Park, befreit vom Nebelkleid, die Bäume
sich mittags hell im Sonnenlichte finden.

Natur mag hier der Landschaft Bild ergänzen,
ein farbig Blätterspiel darf licht erglänzen;
da prangen Busch und Baum noch reich belaubt,
und milde Lüfte uns den Tag kredenzen,
bevor der Spätherbst seine Schönheit raubt.

Jüngst flogen Vogelscharen in den Süden,
sie flohen wohl vor Tagen, regenmüden.
Ich sah sie ziehen, hört‘ ihr Rufen, Schreien.
Ein Abschiedslied, so schien es mir hienieden,
und dennoch auch auf Neubeginn ein Freuen.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Nerotal

Abschiedsgeschenk

Herbstsee,2014

Es malt der Herbst so farbentrunken
und wirkt dies opulente Bild
des Lebens, das nach grauem Unken
des Nebels, dessen Kraft gesunken,
im Sonnenlicht den Tag erfüllt.

Dies Spiel der Farben, Augenweide,
ein himmlisch‘ Blau blickt aus dem See,
und kräuselt Wind ihn, blinkt Geschmeide,
dort wo sonst übers Haar der Weide
den Schleier wirft die Nebelfee.

Ich schau beglückt, berauscht von Tönen
der Farben, deren warme Glut
Vergänglichkeit scheint zu verhöhnen,
hell leuchtend hier mit allem Schönen,
was die Natur verschenkt so gut.

Da liegt im Abschied schon Beginnen,
die Wiederkehr, und sei’s noch weit,
wird doch in Frühlings zartem Sinnen
erneut das Leben licht gewinnen,
und Winter weicht der neuen Zeit.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Europa, quo vadis ?

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Gemeinsam wollten wir dem Frieden dienen
und wähnten Wahn und Wüten seien weit,
zum Aufbruch rief uns eine neue Zeit.
Nationalismus, nicht mehr seine Schienen,
wir glaubten uns belehrt, vom Joch befreit.

Doch überall nun in Europas Landen
verspricht dem Volk, das sehr vergesslich ist,
das Heil erfolgreich der Nationalist,
obwohl wir es schon damals so nicht fanden,
weil es sich nur in Elend, Leid bemisst.

Was uns unmöglich schien, dem Krieg entronnen,
dass in den Bundestag auch Einzug hält
und als Protest manch Wählern noch gefällt,
die Stimme, deren Hass damals begonnen
in Not und Tod zu führen unsre Welt.

Wir müssen jene Sümpfe trocken legen,
den Menschen helfen, denen wenig bleibt,
damit nicht Furcht sie in die Arme treibt
den Rattenfängern, die die Lunten legen,
dieweil Herr Biedermann im Stübchen schreibt.

So lasst uns dennoch Apfelbäumchen pflanzen,
auch wenn der Sturm durch unsern Garten fegt!
Es wird jetzt wichtig, dass man auch hier hegt
das Hoffnungsgrün, wenn Schreckgestalten stanzen
ihr Schneidewerkzeug, das Zerstörung pflegt!

© Ingrid Herta Drewing,2017

Herbst

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Als wollten sie noch lang im Sommer träumen,
obwohl es herbstet in Septembers Räumen,
so strahlen seidig golden Birken, Linden.
Im Park, befreit vom Nebelkleid, die Bäume
sich mittags hell im Sonnenlichte finden.

Die Landschaft lässt Natur ihr Bild ergänzen;
ein farbig Blätterspiel darf jetzt erglänzen,
da prangen Busch und Baum noch reich belaubt,
und milde Lüfte uns den Tag kredenzen,
bevor der Spätherbst seine Schönheit raubt.

Jüngst flogen Vogelscharen in den Süden,
nicht länger hielt es sie im Regenmüden.
Ich sah sie ziehen, hört‘ ihr Rufen, Schreien.
Ein Abschiedslied, so schien es mir hienieden,
und dennoch auch auf Neubeginn ein Freuen.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Frühlingshoffnung

Blauregenhaus,Taunusstraße_o

Geschenke aus des Frühlings Händen
beglücken uns nun reich vor Ort.
Es duftet, blüht; an allen Enden
will sich das Grau ins Grüne wenden,
und Hoffnung heißt das Zauberwort.

Was uns noch arg bedrückt, wird weichen.
Wir sehen Himmels klares Blau.
Der Sonne Strahlen setzen Zeichen;
ein Neubeginn darf jetzt erreichen,
dass wir entgehen dunkler Schau.

So wächst die Zuversicht, dies‘ Leben,
das hier im Werden die Natur
vielfältig schön ins Licht mag heben,
vermag uns Freude, Kraft zu geben,
zu folgen seiner sanften Spur.

© Foto u.Text /Ingrid Herta Drewing
Wiesbaden

Zu Nicos Geburtstag

Heute wirst Du sechzehn Jahre,
Nico, Enkelsohn; die Welt
schenk‘ Dir vieles Wunderbare,
Gute, Schöne, alles Klare,
was sie auch bereit hier hält!

Wege wirst Du neu beschreiten,
sei es weit weg von Zuhaus‘,
Liebe wird Dich doch begleiten,
Deiner Eltern sorgend Leiten
lässt Dich aus dem Blick nicht aus.

Gott geb‘ Kraft Dir, dass Dein Streben
auf die rechten Ziele fällt!
Hoffnung sei Dir stets gegeben,
dass in Deinem jungen Leben
Freude Dich in Atem hält!

© Ingrid Herta Drewing,2017

Der verworfene Pantoffel

Ein Pantoffel lag allein
auf dem Hof im Mondenschein,
wusste gar nicht, wie ihm war.
Alles schien so sonderbar,
seit sein Träger vehement
sich abrupt von ihm getrennt,
weil betrunken der beschloss,
dass ’nen Ball ins Tor er schoss.

Auch fehlt‘ ihm sein Gegenstück,
sah er doch im Paar sein Glück,
war doch kein Pantoffeltierchen,
das im Heuaufguss leicht schwebt,
hasste es, wenn von der Bierchen
Schaum sein schöner Pelz verklebt.
Weich wie er,vom Lamm das Fell,
war für Wärme er zur Stell.

Wie ’s im Leben oft so geht,
ist das Jammern obsolet.
Während er noch so sinnierte,
sich sein Dasein neu justierte.
Eine schlaue Ratte, trächtig,
auf dem Beutezug hier nächtig,
nahm ihn mit. Man kennt den Rest:
Er war bald der Jungen Nest.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Sommermorgen

Im Himmelblau der Segler Schau,
die hoch in Lüften schweben!
Ein Sommermorgen, mild und lau,
mag meine Stimmung heben.

Lavendels Duft erfüllt die Luft,
betört mich, weckt die Sinne.
Es schwindet Trübsal, Schmerz verpufft.
Nun heißt es:Neu beginne!

Das kleine Glück, ein Augenblick
des Schauens, Innehalten,
bringt mir Geschick und Kraft zurück,
mein Leben zu gestalten.

© Ingrid Herta Drewing