Wunschtraum

Ach könnte ich auf Kranichs sanften Schwingen
dort in den hohen Lüften fliegen, gleiten,
und unberührt von Sorgen, Alltagsdingen
die Blicke offen in die Weite leiten!

Nicht Zäune, Mauern, noch ein Hag von Dornen
mich könnten hindern frei im Licht zu sein.
Ich zöge freudig fort, das Garn der Nornen,
es würde mich nicht weben irdisch ein.

Jedoch mein Wünschen bleibt nur bloßes Sehnen.
Der Boden hält mich, hier verwurzelt, fest;
ich gleiche wohl dem Baum, an dem ich lehne,
wenn Winde streifen Wipfel und Geäst.

Doch in Gedanken reis‘ ich in die Ferne,
und meine Phantasie erreicht die Sterne.

© Foto u. Ingrid Herta Drewing,

Gipfelglück

Unter dem Himmel, der grau blieb, verborgen,
suchst du hier hoffend den Weg hin zum Licht,
trägst deine Bürde alltäglicher Sorgen
und buchstabierst oft auch mühsam Verzicht.

So viele Wege fast nutzlos beschritten,
wagst du dann dennoch den Aufstieg am Berg.
Stehst auf dem Gipfel und was du erlitten,
schwindet, die Welt unten klein wie ein Zwerg.

Über den Wolken der Blick in die Weite,
fern aller Nebel verschwommener Schau,
fühlst du des Augenblicks glücklich Geleite;
über dem Gipfel strahlt Sonne im Blau.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2019

Meer

Noch einmal diesen Sommer fühlen, spüren
der Sonne heiße Hände auf der Haut,
dies Sehnen, jenen Meerblick zu erküren,
wo Wind und Wogen wilde Tänze führen,
die Weite bis zum Horizont erschaut!

Dort, wo sich endlos scheint der Strand zu ziehen,
und Ebbe nach der Flut die Muscheln sät,
die Möwen kreischend aus der Gischt entfliehen,
mit zappelnd Silberschätzen nach dem Mühen.
Der Aufwind Drachen steigen lässt und bläht.

Bei leichter Brise alle Segel hissen,
sanft durch die Wellen gleiten mit dem Boot,
der Insel Bucht erreichen und auch wissen,
dass dort im Hafen nicht nur leck’rer Bissen
lädt zum Verweilen ein im Abendrot.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing,

In der Fremde

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Zurückgeworfen
auf den brüchigen Stufen
kletterst du weiter,
suchst noch immer deinen Weg,
ein Nomade ohne Pferd.

Der Steppe Weite
unter den blauen Himmeln
hast du verloren,
und in den Hochhausschluchten
welken die Tage dahin.

Du träumst von Rückkehr,
der roten Abendsonne
dort am Horizont
und bestaunst den Löwenzahn,
dessen Kraft den Asphalt bricht.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Blick von der Burg

Mittelrheintal_n (1)

Aus hoher Warte schauen
weit in die grüne Welt
an diesem Tag,dem blauen,
der mir mit Lüften lauen
im Sonnenglanz gefällt.

Wie Spielzeug mir erscheinen
die Häuser, Autos, klein
auf Straßen, Linien, feinen,
die sich im Fernen einen;
ein Silberband der Rhein.

Kein Schiff scheint jetzt zu fahren,
sie liegen dort fast still.
Die Aussicht mag bewahren,
was Illusion im Klaren
als Augenschein erfüll.

So seien mir auch Sorgen
nur minimal bekannt!
An diesem Sommermorgen
fühl ich mich hier geborgen
und schaue weit ins Land.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Urlaubswunsch

Groet, Strand bei Ebbe,2014

Noch einmal diesen Sommer fühlen, spüren
der Sonne heiße Hände auf der Haut,
dies Sehnen, jenen Meerblick zu erküren,
wo Wind und Wogen wilde Tänze führen,
die Weite bis zum Horizont erschaut!

Dort, wo sich endlos scheint der Strand zu ziehen,
und Ebbe nach der Flut die Muscheln sät,
die Möwen flugs des Wassers Gischt entfliehen,
nachdem erfolgreich sie gefischt mit Mühen;
auch Aufwind Drachen steigen lässt und bläht.

Bei leichter Brise alle Segel hissen,
sanft durch die Wellen gleiten mit dem Boot,
der Insel Bucht erreichen und auch wissen,
dass dort im Hafen nicht nur leckrer Bissen
lädt zum Verweilen ein im Abendrot.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing,2017

Mongole

Ich trage den blauen Himmel in mir,
die Weite, dies Steppenlied
des Windes, der in Gräsern spielt
und wirbelnd in den Mähnen wühlt.

Die Pferdeherde, die leichthin zieht
beglückt mein Nomadengemüt.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Winterlandschaft

Wiesbaden, Nerotal,10.01.2017DSCN8198
Des Morgens winterblasse Sonne
schlägt müde ihre Augen auf.
Ihr Licht, im Wolkendunst zerronnen,
bestimmt nur matt des Tages Lauf.

Es ist so still das Land, die Weite,
sie dehnt sich aus, es liegt der Schnee,
ein weißes Tuch, sanft ausgebreitet,
verwischt die Grenzen,Land und See.

Und auf der Eiche thront ein Rabe,
im schwarzen Frack ein Farbkontrast,
sitzt schweigend dort, als ob er habe
sich längst befreit von aller Last.

© Foto und Text / Ingrid Herta Drewing,2017

Wintermorgen

Der Morgen zeigt ein klar Gesicht,
die Nebel sind verschwunden.
Der Himmel blau, im Sonnenlicht
versöhnlich nun der Winter spricht,
vorbei die grauen Stunden!

Da strahlt es hell, das weiße Feld,
die Landschaft prangt im Glanze.
So traulich schön liegt still die Welt.
Nur ab und zu Schnee rieselnd fällt
von Bäumen; Vögel tanzen.

© Ingrid Herta Drewing

Flügge

Kleiner Vogel, lupfst die Schwingen,
fliegst hinaus, dein Leben
will sich neu verweben,
wirst nun in der Ferne singen.

Gottes Segen dich begleite,
dass in sichrer Hut
ganz viel Glück dir gut
deinen neuen Weg bereite!

Und von hellen, grünen Zweigen
wirst du dich erheben,
froh in Lüften schweben,
dank der Tatkraft, die dir eigen.

Ich werd‘ weilen, auf dich warten,
bis du kehrst zurück.
Wenn ich dich erblick‘,
werden Rosen blüh’n im Garten.

© Ingrid Herta Drewing,2015