Loki in Midgard

Als treibe Loki hier in Yggdrasil
noch immerzu sein listig‘ Täuschungs-Spiel
wie einstmals, als er Hödur, einen Blinden,
heimtückisch tat in einen Mord einbinden,
ihm einen Mistelpfeil als Waffe übergab,
wodurch der Bruder, Lichtgott Balder, starb.
Jetzt, scheint es, Midgard wird zu Lokis Ziel.

Da lenkt er Menschen, die, wie er verschlagen,
sich an das irdisch Schöne, Gute wagen,
den Lebenraum, Tier, Pflanze wüst zerstören,
als würd‘ ihnen die ganze Welt gehören.
Sie scheuen Klima-Tod nicht, Welten-Brand,
vertreiben Mensch und Tier von ihrem Land.
Die Wälder brennen, Ruß verhindert’s Tagen.

Auch Lokis Tochter, Totengöttin Hel,
und Fenriswolf, sein Sohn, sind hier recht schnell.
Sie warten wohl mit ihm auf Midgards Ende.
Doch Nornen dort am Urd-Quell sind behände
dabei, das Werden weiterhin zu wahren,
auf dass auch noch in vielen tausend Jahren
in Yggdrasil das Leben sei zur Stell.

© Ingrid Herta Drewing,30.08.19

Nostalgisch

Den Platz am Fluss,
wo sommers unter Weiden
wir Schatten fanden
vor der Sonne Glut,
nur wir ihn kannten,
so geheim und gut.
Man konnte ungesehen
sich entkleiden;
welch ein Genuss
das Bad in kühler Flut!

War jüngst vor Ort,
fand nicht mehr unsre Bäume.
Die kleine Wiese,
asphaltiert und kahl;
kein sanftes Fließen,
betoniert und fahl
die Böschung dort.
Nur noch in meinen Träumen
bleibt dieser Jugend Hort:
Es war einmal.

© Ingrid Herta Drewing