Zeitreise

Zeitreisen sind, das stellt‘ man fest,
doch überaus gefährlich.
Wenn man sich darauf mal einlässt,
wird vieles unentbehrlich.

Denn manches wird so sehr vermisst,
weil man daran gewöhnt,
dass die Natur uns Labsal ist,
uns hier den Tag verschönt.

Der Wünsche drei, gewährt im Traum
von einer guten Fee,
die wurden wahr, sie glaubt es kaum,
fand wieder sich am See.

Die Schotten sprechen ja von Loch,
dort sollte Nessi sein.
Ein Saurier aus dem Wasser kroch,
und sie war ganz allein.

Das riesengroße, wilde Tier,
viel höher als ein Haus,
stand tatsächlich ganz nah vor ihr,
da nahm sie schnell Reißaus .

Sie rief die Fee und wünscht‘ sich weg,
sagt‘: „ Bitte, hol mich raus!
Bring mich zurück zum Heimatfleck,
2090 steig ich aus!“

Das war wohl mit Bedacht gewählt,
denn im realen Leben
war’n ihre Tage schon gezählt,
sie würd ’s da nicht mehr geben.

Sie fand sich im Museum wieder,
sah Schüler vor Vitrinen,
in welchen man Modelle sah
von Bäumen Sonn‘ beschienen.

Sie fragten, was das Grüne sei,
das hinterm Glas zu sehen.
Ihr Lehrer, der dort stand dabei,
gab ihnen zu verstehen:

„ Das nennt man Wald“, erklärte er,
„den hat es früher mal gegeben,
bevor der Klimawandel sehr
veränderte hier alles Leben.

Man wohnte damals nicht wie heut
in Höhlen tief verborgen.
Das Sonnenlicht ward nicht gescheut;
es gab kaum Hitze-Sorgen.

Mein Großvater hat mir erzählt,
wie er als Kind dort spielte,
die hohen Bäume ausgewählt,
sich wohl im Schatten fühlte.

Die Luft sei dort so mild und rein
und wohltuend gewesen,
man konnte dort so glücklich sein,
von Sorgen, Gram genesen.“

„Warum gibt es den Wald nicht mehr,
wer hat ihn denn zerstört?“
fragte ein Schüler, atmend schwer,
es schien, er war empört.

„Die Menschen haben das getan,
zu sorglos war ihr Ruh’n,
obwohl sie Wälder brennen sah’n,
war nachlässig ihr Tun.

Die Temp’ratur stieg weltweit an,
die Trockenheit nahm zu,
Unwetter traten auf den Plan,
das Klima kippt‘ im Nu.“

„Ist das der Grund, warum wir nun
in tiefen Höhlen leben?
Kann man denn wirklich gar nichts tun,
den Wald zurückzugeben?“

Sie sah den Lehrer ratlos dort,
drum bat sie schnell die Fee,
dass sie sie bringe heim sofort,
zu ihrer Zeit sie steh‘.

Sie traf dort froh auf Wald und Feld
und war sich sehr bewusst,
jetzt konnt‘ man retten noch die Welt,
verhindern den Verlust.

Sie könnte sich zusammentun
mit Menschen gleich gesinnt,
kein Klimamuffel sollte ruh’n,
sich ändern ganz geschwind.

Damit auch noch in ferner Zeit
es Wälder, Pflanzen, Tiere gebe,
und die Natur noch halt‘ bereit
den Menschen hier ein gutes Leben.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Loki in Midgard

Als treibe Loki hier in Yggdrasil
noch immerzu sein listig‘ Täuschungs-Spiel
wie einstmals, als er Hödur, einen Blinden,
heimtückisch tat in einen Mord einbinden,
ihm einen Mistelpfeil als Waffe übergab,
wodurch der Bruder, Lichtgott Balder, starb.
Jetzt, scheint es, Midgard wird zu Lokis Ziel.

Da lenkt er Menschen, die, wie er verschlagen,
sich an das irdisch Schöne, Gute wagen,
den Lebenraum, Tier, Pflanze wüst zerstören,
als würd‘ ihnen die ganze Welt gehören.
Sie scheuen Klima-Tod nicht, Welten-Brand,
vertreiben Mensch und Tier von ihrem Land.
Die Wälder brennen, Ruß verhindert’s Tagen.

Auch Lokis Tochter, Totengöttin Hel,
und Fenriswolf, sein Sohn, sind hier recht schnell.
Sie warten wohl mit ihm auf Midgards Ende.
Doch Nornen dort am Urd-Quell sind behände
dabei, das Werden weiterhin zu wahren,
auf dass auch noch in vielen tausend Jahren
in Yggdrasil das Leben sei zur Stell.

© Ingrid Herta Drewing,30.08.19

Morgenappell

Ein goldner Sommermorgen,
der in mein Fenster schaut,
weckt mich, die noch geborgen
hier ruht in Träumen traut.

Sagt: „ Los, beweg die Glieder,
spazier‘ in Wald und Feld,
ein heller Tag wird wieder
geschenkt der kleinen Welt.!

Noch darfst du sie erleben
die Schönheit der Natur,
bevor ein ungut Streben
zerstört die grüne Spur!

Die Regenwälder brennen,
der Permafrost, er taut;
das Klima, das wir kennen,
wird schädlich umgebaut.

Zu lange heiß und trocken
wurd ’s auch in unserm Land,
dieweil Hochwasser-Schocken
und Sturm die andern fand.

Da musst du überlegen,
wie du als „kleiner Wicht“
kannst helfen, das zu hegen,
was Leben hier verspricht.

Damit auch Kindeskindern
die Erde Heimat sei,
gilt ’s jetzt noch, zu verhindern
dies schadend‘ Einerlei!“

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing,26.08.19

Seltsames

Die Kehrmaschine am Morgen

Laut ratscht durch unsre Straßen
so ’ne Maschin‘, sie kehrt
ganz eifrig über Maßen
den Dreck weg, unbeschwert.

Doch parken auch zwei Reihen
von Autos, dicht am Rand,
die dort dann flugs verleihen
Versteck dem Staub und Tand.

Plastik-Verpackungen

In manchen Läden, seh ich’s, stutz,
da liegt in dünnen Plastikhüllen
so manche Frucht verpackt , ein Schutz,
den ihre Schalen schon erfüllen.

Auf dass es sei auch recht bequem,
reicht man in Plastik-Klarsicht Stücke
an Obst, zerkleinert, angenehm.
Da fand wohl wer im Markt die Lücke.

Ignoranz

Schreck Schlau, der fuhr nach Lima,
ins Andenland Peru,
fand angenehm das Klima
und schloss daraus im Nu:

Das Wort vom Klimawandel
sei gar nicht angebracht,
das hätten sich als Handel
die Grünen ausgedacht.

© Ingrid Herta Drewing, 20.05.19

Appell zur Umkehr und Kommentar

Da lebst du, Mensch, auf dieser schönen Erde,
die dich ernährt, dir Lebensraum gewährt,
und führst dich auf gar furchtbar, eine Herde
von wilden Stieren rast nicht so gestört.

Vergiftest Böden, Flüsse; auch dein Leben
bedrohst du, wenn du achtlos beutest aus,
anstatt zu wahren, pflegen, was gegeben,
das Fundament, auf welchem steht dein Haus.

Vernichtest deine Art, scheinst nichts zu spüren.
Die Tiere, Pflanzen hast du dezimiert.
Wo die Natur noch grünt, wird Asphaltieren,
Zersiedeln gnadenlos doch durchgeführt.

Und alles nur, weil du in deiner Gier
wie toll, so maßlos lebst auf dem Planeten,
der doch im All als zarte, blaue Zier
einmalig, unersetzbar, klar sei’s jedem!

Wach endlich auf aus deinem Wachstumswahn!
Lass die Vernunft anstatt der Triebe walten;
nachhaltig kultivieren, wähl die Bahn,
die hier das Leben dauerhaft kann halten!

Gewiss solch klagender Appell,
in den ich mich beziehe ein,
bewegt zum Bessern nichts so schnell.

Vielleicht mag’s dennoch Anstoß sein,
dass wir als Menschen hier auf Erden
bedenken, was wir ändern werden,
weil wir, ob Mann, Frau oder Kind
doch darauf angewiesen sind,
dass es noch zukünftig kann geben
auf dieser Welt für uns ein Leben.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

In de Bütt

Ihr Leit, ich komm heut nit als Bersch
aach nit als Monster oder Zwersch,
aach nit als so en Baumes-Wipfel:
Ich bin de letzte Klima-Gipfel.

Die Zettelscher hier an meim Hemd
sin Resümees, die euch nit fremd;
sie zeische uff stets einwandfrei
wie merr beschränkt des CO2.

Doch leider ist ’s dann schon gewese,
die Zettelscher will kaaner lese.
Kaum sin die Gipfel-VIPs deham,
kenne die nur noch annern Kram.

Aach klimaphob un dekadent,
son Twitter-Kasper, den ihr kennt,
erklärt, dess alles wär nur Wetter,
er fänd’s halt heiß und warm viel netter.

Damit sich Wirbelstürm‘ nit traue
in seinem Land vorbei zu schaue,
will er, denn des versproche hätt‘ er,
bekannt als Bohrer dünner Bretter,
jetzt gesche die e Mauer baue.
Narzisstisch, geldgierig im Handel,
kennt der gar keinen Klimawandel.

Verzweifeln könnt‘ ich Klimagipfel.
Doch seh ich jetzt ’nen Hoffnungs-Zipfel,
weil Jugend freitags demonstriert,
damit mer nit den Blick verliert
für ’s Klima, was da wichtig ist.
Vielleicht bleibt uns ’ne Galgenfrist?

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing, 20.02.19

Signale des Klimawandels

Ein klarer Winterhimmel, blau!
Die Sonne lässt den Tag erstrahlen,
vertreibt der Wolken dunkles Grau
und schenkt uns so die weite Schau,
befreit aus allem Nebelfahlen.

Zwar war der Regen hier willkommen
nach langen Sommers Trockenheit;
doch viele Wochen, unbenommen,
will uns solch Wetter nicht bekommen,
zu lange währt‘ die nasse Zeit.

Nun wähnt man sich im Frühling, milde
umschmeichelt uns die frische Luft.
Es grünen Wiesen und Gefilde;
auch zeigen sich im Blütenbilde
schön Winterschneeball, Zaubernuss.

Darüber mag man fast vergessen,
dass hier wohl Klimawandel spricht.
Der bringt in Ost und Süd indessen
den Schnee in Fülle; wir ermessen,
dass er für uns gefährlich ist.

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing,14.01,19

Milder Januarbeginn

Es regnet aus dem Grau auf Tannenspitzen.
Der Wald grüßt grün, verschmäht das Bild in Weiß,
Er, den der Sommer trocken, heiß ließ schwitzen,
genießt nun hier das Nass, statt Schnee und Eis.

Die Meisen, die am Vogelhaus dort stieben,
sie stört gewiss des Winters Milde nicht,
sie finden Körner, Futter nach Belieben,
und Nieselregen lässt noch klare Sicht.

Fast frühlingshaft erscheint mir die Kulisse,
zumal verfrüht des Kirschbaums Knospe blüht.
Doch als nicht jahreszeitgemäß wirft sie gewisse
besorgte Fragen auf, trübt mein Gemüt.

Im Süden weilt der Winter unverhohlen,
Kontrast, des Klimawandels Kapriolen.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,

Novembersicht

Rasch aus Südwesten weiße Wolken fliehen,
nun da die Sonne hell im Mittag strahlt.
Der Bäume letzte Blätter tanzend ziehen
so farbenprächtig, wie sie Herbst bemalt‘.

Die Vögel, die nicht fort nach Süden zogen,
die Krähenvögel, Amseln und auch Meisen
sind zu uns in die nahe Stadt geflogen,
beendeten vor Ort ihr kurzes Reisen.

Sogar die Nilgans trotzt nun ihrem Namen,
seit ein paar Jahren ist sie hier zu Haus,
auch wenn der Graugans muntre Scharen kamen,
zum Aufbruch lockte sie kein Zug hinaus.

Sie fühlten sogar Frühling im November;
schon watschelt dort am Teich die zweite Brut.
Auch Erdbeerpflanzen fanden ihr Remember;
die Früchte, die gediehen, munden gut.

Des Jahres Wetter bringt auch dich zum Staunen,
des langen, heißen Sommers Trockenheit,
den Klimawandel kündet dir ein Raunen
auch du bist zu Veränderung bereit.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Trockener Sommer

Es mag der Sommer hier so licht uns grüßen,
die Sonne strahlt aus zartem Himmelblau
und trinkt den Tau, der glitzernd auf den Wiesen
dem jungen Tag zart schenkte kühle Schau.

Doch jene Schönheit trügt, es fehlt der Regen,
der die versengten Wälder neu erfrischt,
Staubteufel tanzen auf den Wanderwegen,
der Pflanzen Grünen scheint wie weggewischt.

Zu trocken ist es, und in Baches Mitte
ein Rinnsal nur, wo er sonst rauschend floss,
zu lange zählt schon Trockenheit die Schritte,
sie folgte seit April der Sonne Tross.

Vertrocknet, keine Ernte auf den Feldern.
Dem Vieh fehlt Futter, denn es gibt kaum Heu,
auch darbt das Wild in ausgedörrten Wäldern,
sucht Hilfe und verliert fast seine Scheu.

Und andern Orts ertrinkt in Regenfluten
das Land; in Indien wütet der Monsun.
Der Klimawandel zeigt, man muss sich sputen,
kann nicht mehr sorglos und bequem ausruh’n,
sondern muss endlich nun das Rechte tun!

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018