Anmerkung zu A.

Wer sagt, man solle, wolle, könne, dürfe
nun nach Auschwitz kein Gedicht mehr schreiben,
der hat das Böse in der Welt verkannt.
Mit Denken, Lehren, auch in tiefem Schürfen
lässt es sich wohl alleine nicht vertreiben,
weil man doch so nur anspricht den Verstand;
Herz ,Seele und Gefühl dabei vergisst.
Ich glaub, dass dieser Weg nicht richtig ist.
Es braucht der Mensch doch auch die Poesie,
das stille Glück im Leben, Harmonie.

© Ingrid Herta Drewing,1964

Wehret den Anfängen!

(Zur Bücherverbrennung am 10.Mai 1933)

Ach, was waren sie so fleißig!
Neuzehnhundertdreiunddreißig
hat man hier in diesem Land,
von Studenten inszeniert,
sich vom Menschsein suspendiert
und in Häme kurzerhand
Zehntausend Werke wüst verbrannt.

Glaubten der Kultur zu dienen,
kleine Geister, freche Mienen
hier in diesem deutschen Land.
Suttners Buch” Die Waffen nieder”
war den Kriegstreibern zuwider.
Dass Remarques Einfluss schwand,
auch Kästners, Bücher man verbrannt‘.

Kurt Tucholsky, Mann und Heine,
Marx und Freud, viel Schriften,feine
warf man schnöde hier im Land
vor den Universitäten
in die Flammen; Hass hier säten
Nazi-Jubler;es verband
sie nur Wahn und Unverstand.

Fast prophetisch Heines Worte,
dass man wohl an solchem Orte,
werde in besagtem Land,
wo man Bücher erst verbrenne,
sodann Menschen auch verbrennen.
Und furchtbar zeigt ’s, heut‘ wahr erkannt,
des Holocaustes Todeshand.

Nicht nur im Maien Dreiunddreißig
in Deutschland waren Nazis fleißig!

© Ingrid Herta Drewing,2013