Schuld

„Vergib uns unsre Schuld!“, wir beten,
wohl wissend, dass wir hier im Leben
zu oft Gebote übertreten,
uns über And’re gern erheben,
ob dumm, ob schlau nach Falschem streben.

Wir sprechen uns recht schnell gern frei,
ERARE doch HUMANUM EST,
dass alles nur ein Irrtum sei,
man sich gar nichts gedacht dabei,
als Scherz das Übel gelten lässt.

Die Freiheit, die wir postulieren,
beanspruchen für unsren Lauf,
wir sehr leicht aus dem Blick verlieren,
will sie des Andern Recht berühren,
und Missachtung nimmt man in Kauf.

So Ich-bezogen, wie wir handeln,
erfordert’s Gnade und Geduld.
Ob wüst wir die Natur verschandeln,
uns maßlos hier mit Gier verbandeln,
geraten wir wohl stets in Schuld.

© Ingrid Herta Drewing,2018

Klimawandel

Der Nachtigallen Lied verklungen,
wo Blüte war, reift nun die Frucht.
Dort, wo nur Amseln hell gesungen,
sind Mauersegler eingedrungen,
Insekten jagend in die Flucht.

Früh ward verdrängt des Frühlings Milde,
denn Sonne brennt vom Firmament.
Von lindem Grün im Maienbilde
haben die Bäume im Gefilde
sich Anfang Juni schon getrennt.

Was sonst Augusts Hochsommertage
so heiß und trocken hielten vor,
stellt uns schon jetzt die bange Frage
wie man des Waldbrands böser Plage
nachhaltig wehre vor dem Tor.

Wir müssen nun wohl Zeugen werden,
erfahren Klimaänderung,
weil, dümmer als der Schafe Herden,
wir unsren Lebensraum auf Erden
zerstören ohne Besserung.

© Ingrid Herta Drewing,2017