Känguru kauft Schuh

In Australiens Steppen-Land
Hoppeldei Dukaten fand,
die wohl Seeräuber verloren.
„Ei“, sprach er, „das trifft sich fein,
jetzt werd‘ ich mich kleiden ein,
chic bis zu den Ohren!“

Hoppeldei, das Känguru,
suchte lang schon für sich Schuh,
damit weites Springen
über Dornenhecken,
heißen Sandes Strecken
besser ihm gelingen.

Kam nach Sydney in den Laden,
wo schon viele Leute baten,
wollten für sich Schuhe kaufen.
Als sie Hoppeldei dort sahen,
riefen sie, er sollt‘ nicht nahen,
und begannen fortzulaufen.

Die Verkäuferin Mathilde
war belustigt von dem Bilde,
wie die Kunden sich benommen.
Höflich sie sich nicht beklagte,
ging zu Hoppeldei und fragte,
was er wünsche zu bekommen.

Nett fand Hoppeldei die Grüße,
zeigte seine langen Füße,
sagt‘, er brauche Schuhe.
Schade, meint‘ Mathilde, ja
in der Größe sei nichts da;
das wär‘ kein Geschmue.

Doch gebe es den Sattler Nick,
der wirke wohl mit viel Geschick;
das wisse hier auch jeder.
Sie werde ihn nach Schuhen fragen
für Hoppeldei; in paar Tagen
hätt‘ er ein Paar aus Leder.

Jedoch, man dürfe nicht vergessen
jetzt seine Füße auszumessen,
was sie sorgfältig taten.
Mathilde fragte noch nach Geld,
und Hoppeldei, ganz Mann von Welt,
der gab ihr zehn Dukaten.

Und in der Tat, drei Tage später
trug‘ Hoppeldei schon Schuh aus Leder,
flaniert‘ auf Sydneys Straßen.

Denkt ihr, dass das gelogen ist,
nur einer Zeitungsente Mist,
die im April wir lasen?

Ich weiß es nicht, war nicht dabei,
doch fänd‘ ich’s schön, wenn Hoppeldei
sich könnte kaufen Schuhe,
wenn Menschen wären wie Mathilde
humorvoll, freundlich, blieben milde
und machten kein Getue!

© Ingrid Herta Drewing,
Foto : Pixabay

Frühsommer-Abend

Frühsommer spielt schon vor den Türen,
der Sehnsucht nach der Sonne stillt,
vermag mit Düften zu verführen
und lässt uns abends noch flanieren
in lauen Lüften, Wonne mild.

Am Himmel Mauersegler schweben;
ein lieb gewohntes, schönes Bild,
wie sie sich leicht im Licht verweben,
als sei für sie dies‘ irdisch‘ Leben
vom Glanz der Ewigkeit erfüllt.

Allmählich mag der Tag nun gleiten
ins dunkle Blau der klaren Nacht,
den Sternenmantel licht ausbreiten,
auf dem die sanften Träume schreiten,
die hier der Silber- Mond bewacht.

© Ingrid Herta Drewing

Der Igel und die Maus


Die Maus traf einen Igel
und lachte sich fast krumm,
sprach:“ Schau mal in den Spiegel,
läufst wie ein Kaktus ’rum!“

„Mich werden Stacheln schützen
viel besser als dein Fell;
das wäre mir nicht nütze,
ich laufe ja nicht schnell.“

„ Willst mich für dumm verkaufen?
Ich hätt’ es gründlich leid,
wie du herumzulaufen
in einem Stachelkleid.“

Doch da kam eine Schlange.
Der Igel rollt’ sich ein.
Dagegen zittert’ bange
das freche Mäuselein.

Trotz seiner Flucht zum Mauseloch
verschlang ’s die große Schlange doch.
Der Igel aber war gerettet,
lebt’ munter weiter, ungeglättet.

© Ingrid Herta Drewing

Das Faultier

Ein Faultier hing an einem Baum,
vertieft in seinen Urwaldtraum.
Das reizte einen flinken Affen,
rief: “He, hast du denn nichts zu schaffen?
Mir scheint, du bist von dem Getier
mit Abstand wohl das faulste hier!“

Das Faultier langsam hob die Lider,
sah an den Affen, schloss sie wieder
und murmelte: “Lass mich in Ruh,
ich muss nicht wuseln so wie du,
da ich auch sehr genügsam bin!
Ich sag dir meines Lebens Sinn:
In der Ruhe liegt die Kraft.
So mancher wie die Bienen schafft
und kann sein Leben nicht genießen.
Die Zeit wird ihm gar rasch verfließen,
und eh der Schaffer sich versieht,
ist ihm sein Leben schon verblüht.“

Der Affe stand da, staunend, stumm,
und dachte: Das ist gar nicht dumm;
selbst von dem Faultier kann man lernen.
Jetzt werd’ ich mich diskret entfernen.

© Ingrid Herta Drewing, 2009

Maus und Elefant

Einst trafen sich an Baches Rand
zufällig Maus und Elefant.
Das Mäuschen zart begann zu nippen
am Wasser, drohte umzukippen.
Jedoch da half ihm sehr galant
mit Rüsselstütz’ der Elefant.

„Hab’ Dank!“, sprach’s Mäuschen hingerissen,
„ich werd’ dir auch zu helfen wissen,
wenn du einmal in großer Not.“
Der Jumbo lachte sich halbtot
und sagte: “Ach, du kleiner Wicht,
du und mir helfen, das gibt’s nicht!“

Doch wie’s im Leben manchmal geht,
am gleichen Tag noch, abends spät,
steht jammernd nah dem Dornenbusch
der Elefant. Da kommt gehuscht
herbei die Maus in Helfers Pflicht.
Der Jumbo von dem Übel spricht.

In seinem zarten Rüssel vorn
sitzt fest und schmerzhaft spitz ein Dorn.
Das Mäuschen nun nicht lange fackelt,
bittet ihn noch, dass er nicht wackel‘
und nagt den schlimmen Dornenzweck
schmerzfrei und emsig vollends weg.

Froh sich bedankt der Elefant
und sagt, er habe nun erkannt:
Ein Wesen, sei’s auch noch so klein,
sollt’ man gering nie schätzen ein,
weil es, gezeigt hab’s Mäuslein itzt,
doch häufig sei auch sehr gewitzt.

© Ingrid Herta Drewing,

Kriegstreiber

Da geifern sie,
Berater, alte Männer,
die Greifer, Falken,
Macht und Krieges geil.

Da zündeln sie,
und Trump schickt Twitter-Renner,
biegt manchen Balken,
lügt sich selbst kein Heil.

Da sollten sie
erweisen sich als Kenner,
doch im Verkalken
zeigen sie ’s derweil.

Nichts bringen sie,
was gut wär, auf den Nenner,
zerstörend walken
sie täglich Zeil um Zeil.

© Ingrid Herta Drewing,2018

Maiabend

Nun mag der Tag sich in die Nacht versenken,
der Sonne Gold sich röten, ihre Glut,
am Horizont zerfließend, sich noch schenken
als Abschiedsgruß in leuchtend warmer Flut.

Und lieblich klingt ein Melodienreigen,
doch bald verstummt der Amsel Lied im Tal.
Die ersten Sterne sich am Himmel zeigen,
im Dunkelblau erscheint der Mond jetzt fahl.

Wir sitzen lieb beisammen noch im Garten,
genießen ruhig dies beschaulich‘ Bild.
Ein Hauch von Düften, Blüten, jenen zarten,
noch mild die linde Maienluft erfüllt.

Bis kühl ein frisches Lüftchen weht ums Haus,
und schließlich löschen wir das Windlicht aus.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Morgengebet

Wir danken, Vater, für das Tagen
nach langer Nacht und tiefer Schuld.
Verleih uns Mut, nicht zu verzagen,
beschütze uns vor Ungeduld,
hier vorschnell, schädlich, falsch zu handeln,
der Schöpfung Schönheit zu verschandeln!

Herr, der du uns in deiner Güte
dies irdisch‘ Paradies geschenkt,
der Pflanzen Grünen, ihre Blüte,
die hin zu Frucht und Reife lenkt,
gib uns auch Kraft, auf weisen Wegen
in deinem Sinn dies Gut zu hegen!

Wir bitten dich um wahren Frieden,
die Güte und den wachen Blick,
einander helfend zu behüten,
fern sei uns Hass und Kriegsgeschick!
Lass uns, was heilen hilft, erkennen
und Leben, Lieben nicht mehr trennen!

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Ermunterung zum Aufbruch

Des Maientages Helle mag nun fruchten,
dein kleines Boot am Ufer liegt bereit,
sagt dir: „ Steig ein, denn jetzt beginnt die Zeit,
zu gleiten aus den altbekannten Buchten,
neu ruft das Leben, und die Welt ist weit!“

Viel gilt es zu erfahren und zu schauen,
was dir die Sinne, Seele schön erfüllt.
Manch fremd Geheimnis, das sich dir enthüllt,
lehrt dich, auch jenen Kräften zu vertrauen,
die dich dann stärken, wenn dein Mut gewillt.

Die Segel hiss‘ und lass dich weithin tragen
dorthin, wo deines Fernwehs Träume sind!
Mag sein, dass sie der Illusionen Kind,
und dennoch gilt es, diese Fahrt zu wagen,
zu finden jene „ Inseln unterm Wind“!

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Zu Monets Gemälde „Klatschmohn in der Gegend von Argenteuil“

Inmitten einer Sommerwiese,
umflort von Gräsern, rotem Mohn
spazieren wie im Paradiese
gemächlich hier auf grünem Vliese
Camille, Michel, der jüngste Sohn.

Im Hintergrund umrahmen Bäume
ihr helles, rot bedachtes Haus.
Der sanften Landschaft Mittags-Räume
erblüh’n im Glanz der Sommerträume
und locken hell ins Licht hinaus.

Hier lässt des Malers Blick dich schweben,
wo Wolkenweiß Blauhimmel kennt
und Wiesenwogen, Mensch und Leben
natürlich, hoffnungsfroh verweben,
was sonst so oft durch Hast getrennt.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing