Gedicht

Wenn mir dies‘ sorgende Sinnen
tief in die Seele bricht,
und kaum ein heilend‘ Entrinnen
mir zeigt ein neues Beginnen,
treibt mich dies Sehnen nach Licht.
und ich schreib ein Gedicht.

Im Klang der Worte ein Gleiten,
von Reimen und Bildern erfüllt,
folge ich flüsterndem Leiten,
vergesse Alltag und Zeiten,
nur Phantasie dann noch gilt,
die mich so wohlig umhüllt.

© Ingrid Herta Drewing

Gedanken zum Tag der Deutschen Einheit

In jener Nacht, als fahle Mauern fielen,
die viele schreckten, manche stumm gemacht,
da durfte dieses Bild von Einheit zielen
auf alles, was gemeinsam war, hier spielen
mit Jubel, Freudentränen, neu erwacht.

Es lagen sich die Menschen in den Armen.
Man konnte wieder Bruder, Schwester sein,
und keiner klagte da von neuem Carmen;
denn Glück und Hoffnung schenkten ihren warmen,
wohligen Mantel, der uns hüllte ein.

Der Deutschen Einheit neu nach so viel Jahren,
sie kam uns vor, als sei‘ s ein schöner Traum,
und mancher war sich deshalb nicht im Klaren,
dass Änderungen folgen; ein Bewahren
von allem lieb Gewohnten gab es kaum.

Wo Planwirtschaft bestimmte einst das Sagen,
da zog nun rasch Kapitalismus ein.
Mit DM schwoll so manchem da der Kragen,
Konsum bestimmte, schnell ließ sich was wagen,
manch Existenzen blühten, andre brachen ein.

Fast dreißig Jahre sind ins Land gegangen,
seit Ost und West sich wieder zugesellt.
Die Wirtschaft boomt, so darf man doch verlangen,
dass endlich wir in unsrem Land erlangen
für gleiche Arbeit gleiches Lohn-Entgelt!

Politisch ist man weiter fortgeschritten.
die Kanzlerin, im Westen reüssiert‘,
kommt aus Meck-Pomm im Osten, unbestritten,
wird weltweit anerkannt und gut gelitten,
seit vielen Jahren sie nun schon regiert.

Doch droht erneut ein Wahn das Land zu spalten,
es wächst die Kluft, trennt hart hier arm und reich.
Und aus dem Riss der Fugen kriechen hoch die alten
von Fremdenhass vergrätzten Spukgestalten,
tun es Nationalisten andrer Ländern gleich.

Mir scheint, die Macht der Neoliberalen
hat wie die Bankenkrise auch dazu geführt,
dass (zudem wegen hoher Flüchtlingszahlen)
sich viele EU-Bürger schwarz ausmalen,
man werde falsch von Brüssel aus regiert.

© Text: Ingrid Herta Drewing,2018
Foto: Pixabay

Abschiedsgedanken

Es trinkt der See sich noch an Farben satt,
dem Blau des Himmels, rotem Gold der Bäume,
das sonnig leuchtend dieser Herbsttag hat
geschenkt als Spiegelbild, lässt Phönix träumen.

Hier werden bald die Nebelvögel schwingen,
auslöschen alle Pracht und warmen Glanz,
und Frost wird ihn in blinde Eishaut zwingen,
wo Wasservögel schweben jetzt im Tanz.

Er fühlt es nicht, Natur wird schmerzlos lenken,
doch mir mischt Wehmut sich in meinen Blick,
erschaue Schönes, dennoch weiß mein Denken,
wie endlich hier das Leben, alles Glück.

Doch tröstlich ist der Kreislauf der Natur:
Was hier vergeht, kommt wieder, ruht ja nur!

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,

Ende September

Als wollten sie noch lang im Sommer träumen,
obwohl es herbstet in Septembers Räumen,
so strahlen seidig golden Birken, Linden.
Im Park, befreit vom Nebelkleid, die Bäume
sich mittags hell im Sonnenlichte finden.

Natur mag hier der Landschaft Bild ergänzen,
ein farbig Blätterspiel darf licht erglänzen;
da prangen Busch und Baum noch reich belaubt,
und milde Lüfte uns den Tag kredenzen,
bevor der Spätherbst seine Schönheit raubt.

Jüngst flogen Vogelscharen in den Süden,
sie flohen wohl vor Tagen, regenmüden.
Ich sah sie ziehen, hört‘ ihr Rufen, Schreien.
Ein Abschiedslied, so schien es mir hienieden,
und dennoch auch auf Neubeginn ein Freuen.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Nerotal

Septemberende

Sonniger Herbsttag,
das Laub der Bäume leuchtet
in warmen Farben.

Mit himmlischem Blau
spiegelt sich im kleinen Teich
ein Hausgesicht.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Erntedank-Gebet

Wir bringen, Herr, die Gaben;
demütig danken wir
für alles, was wir haben.
Des Lebens volle Waben
sind uns geschenkt von dir.

Gib uns die Kraft, zu hüten,
was du uns anvertraut
in deiner Gnade, Güte,
die Erde in der Blüte,
die wir so schön erschaut.

Dass wir das Maß erkennen,
das hier gewährt den Schutz,
die Fehler klar benennen,
von Habgier uns nun trennen
und eitlem Eigennutz.

Damit die Erde bleibe
dies’ blaue Paradies,
soll uns Vernunft verschreiben
ein lebenstüchtig’ Treiben,
das aus der Liebe fließt!

© Fotos u. Text / Ingrid Herta Drewing

Gruß

Frühherbstgeflüster,
im Amberbaum vor dem Haus
leuchtet Sternengold.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Geschenk

Herbst, doch Efeu blüht.
Den Bienen eine Gnade
jetzt, da vieles welkt.

Er begrünt die graue Wand,
ein hoffnungsvoller Anblick.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Hummers Zeit und Leid

Tom Scherenlang, ein Hummer,
’ne kraftvoll große Nummer,
der lag allein im Meer.
Jedoch, er war kein Dummer
und wusste, dass nach Summer,
nun Zeit zur Paarung wär‘.

So suchte er ’ne Höhle,
er war ’ne treue Seele,
zur Zweisamkeit bereit.
Und ohne viel Genöle
ihm folgte Schön-Adele
als Braut im Hochzeitskleid.

Der Panzer war verschwunden,
sie hatte unumwunden
ihn vorher abgelegt,
damit für Liebesstunden
sie ward als weich empfunden,
von Tom nun sanft gehegt.

Zur Paarung so entbunden,
für etwa fünf Sekunden
sie lagen Bauch an Bauch.
Adele konnt ’s bekunden,
hat ’s Samenpack gefunden,
Nachwuchs sollt‘ kommen auch.

Als sie nicht mehr empfänglich,
ihr Panzerschutz zulänglich,
kroch Tom von diesem Ort
(wo er fast überschwänglich
die Scheren streckte länglich)
nach ein paar Wochen fort.

Er war kein Schuft, sein Gehen
war nicht ein Missverstehen,
nur der Natur Gesetz.
Adele, gut versehen,
zur Eibefruchtung stehen
sollt‘ sie ein Jahr lang jetzt.

Tom sah nie seine Erben,
weil er ein frühes Sterben
durch einen Fischer fand,
In dessen Hummerkörben,
wo er erneut wollt werben,
trug man ihn weg an Land.

Bös war’s dort im Gelände,
als eines Menschen Hände
ihn griffen hart am Kopf
und warfen ihn behände
in heiße Brüh‘, sein Ende
traf ihn im Suppentopf.

Ich kann das nicht vergessen,
werd‘ niemals Hummer essen,
wenn man dies‘ Tier so quält.
Und fühl‘ mich nicht vermessen,
wenn ich da froh, statt dessen,
bewundre seine Welt.

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Pixabay

Unwetter

Der Herbst zieht ein; mit Sturm und Regen
er kühl sein barsches Machtwort spricht.
Ein lang ersehnter nasser Segen,
der Wald und Fluren sollte hegen,
naht nun als stürmisch‘ Kampfgericht!

Da brechen Äste, stürzen Bäume
nach langer Trockenheit die Not,
die jetzt betrifft erneut auch Räume,
wo vormals viele Sommerträume
in Feuerbränden sind verloht.

Und im Gebirge Wolkenbrüche,
hoch in den Alpen fällt schon Schnee.
Es brodelt in der Wetterküche,
Gewitter, Blitze, Donnerflüche,
Orkane wüten an der See.

Der Mensch erlebt’s mit Unbehagen;
wer’s kann, der meidet Strand und Wald,
wo Sturm und Flut zu heftig plagen.
Doch Helfer stellen hoch den Kragen,
bekämpfen Schäden da alsbald.

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Pixabay