Kalligrafisches Geschenk

© Text : Ingrid Herta Drewing
© Kalligrafie: Heidrun Stallwanger

Jahreswechsel

Nun legt ermüdet dieses Jahr, das alte,
zufrieden seine Tage in den Schoß.
Das neue naht.Ob es sich reich entfalte?
Die menschlichen Erwartungen sind groß.

Da sind die Wünsche, das naive Hoffen,
es bringe Gutes nur, was man begehrt,
dass sich Probleme lösen, die hier offen,
und Fragen, schlimme Plagen dann geklärt.

Da wirkt die Ratio plötzlich klitzeklein,
Vernunft beseelt, und doch an Schicksal glauben
wir zur Silvesternacht, als wollt‘ das Sein
von guten Wünschen sich die Zukunft klauben.

Auf Gottes Hilfe lasst uns dennoch bauen,
das neue Jahr gestalten, ihm vertrauen!

© Ingrid Herta Drewing, Üb. v. 2013

Geburtstagsgruß für Andreas

Es ist der zweite Januar
uns eine Ehre, Freude;
wir feiern gern wie jedes Jahr
Deinen Geburtstag heute.

Wir wünschen Dir ein gut Geschick
und lassen hoch Dich leben;
es soll für Dich Gesundheit, Glück
und ganz viel Schönes geben.

Bewahr Dir Güte und Humor,
lass Dich durch nichts verdrießen,
was Dich beglückt, empfang‘ Dein Ohr,
soll Dir den Tag versüßen!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Kaleidoskop


ISBN: 9783750268432 / 9.99 €

Dieses Buch lässt den Lesenden in poetisch spielerischer Weise in ein KALEIDOSKOP des Lebens blicken. Wie man in dem gleichnamigen optischen Gerät „schöne Formen sehen“ kann, die aus farbigen Kristallen Bilder erzeugen, so spiegelt die Autorin ( überwiegend in Erzählgedichten)
Impressionen aus verschiedenen Bereichen der realen und irrealen Welt.

I Mensch und Natur
II Märchen-und Sagenhaftes
III Fabelhaftes
IV Verliebtes, Seltsames, Ver-rücktes
V Besinnliches

Fotos und Skizzen illustrieren einige Texte.

Neujahr

Der Neujahrsmorgen grüßt in sanfter Stille.
Nach lautem Trubel der Silvesternacht
zeigt sich in Klarheit nun Vernunft und Wille
zum Neubeginn bereit, recht gut bedacht.

Was alles mag sich wohl zum Bessern wandeln?
Der Vorsatz lässt uns wirken darauf hin.
Es soll im neuen Jahr doch unser Handeln
stets folgen einem klar bestimmten Sinn.

Zwar wissen wir, dass vieles wird nur vage
entsprechen jenem hohen, hehren Ziel,
doch stellen wir die Absicht nicht in Frage
und frönen jedes Jahr dem gleichen Spiel.

Erneut uns tragen Zuversicht und Hoffen,
und wir, erfreut, wähnen die Türen offen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Am Warmen Damm

Infekt

Verschnupft start ich ins neue Jahr,
anstatt zu feiern, prassen.
Obwohl ich doch so sittsam war,
ist nun mein Kopf benebelt gar,
kann kaum noch was erfassen.

Die Wörter tanzen hin und her,
der Vers verlässt die Zeile;
tu mit dem Atmen mich recht schwer.
Nein, dieser Neubeginn scheint sehr
vermasselt für ’ne Weile.

Ich bin heut ein recht lahmer Schneck.
Obwohl ich so viel Tempo
rundum um meine Nase deck‘,
komm ich zur Zeit nicht mehr vom Fleck
und reim‘ ver-rückt nur „Rambo“.

Doch hoff‘ ich, dass sich schnell entfernt
die Macht der bösen Viren,
damit ich wieder, wie gelernt,
den Himmel sehe, klar besternt,
mich nicht im Grau verliere.

© Ingrid Herta Drewing

Silvesterwünsche

Wir sind wohl hoffnungsvolle Optimisten,
begrüßen froh gestimmt das neue Jahr
und glauben, dass sich nun doch bessern müsste,
was uns im alten gar zu garstig war.

Gesundheit sehnt herbei der leidend Kranke,
an Arbeit denkt, wer lang schon arbeitslos.
Der Klimagunst gilt grün auch der Gedanke,
man wünscht sich, Einsicht werde endlich groß.

Der eine träumt von seiner großen Liebe,
ein anderer sieht ’s Glück in Gut und Geld.
Bescheiden wünscht so mancher, Frieden bliebe
erhalten ihm in seiner kleinen Welt.

So wähnen wir das Wohl im Zeitenschritt,
und immer geht die Hoffnung lächelnd mit.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Karls Silvester-Ausflug

Unlängst wird vom Böllerkrach
im umfriedeten Gehege
Ransi-Karl im Grabe wach,
räkelt sich und meint dann: „ Ach,
jetzt beschreit‘ ich neue Wege!

Werde all dem üblen Zores,
das mich stört in meiner Ruh‘,
nun mal tüchtig lehren Mores,
dass sie ihren Kokolores
dann vergessen wohl im Nu!“

Und er birgt schnell sein Skelett,
das zu lautstark ihm tat plappern,
in das Tuch, das sehr adrett
wer um ’s Kreuz gewunden nett;
Karl bekämpft nun so sein Klappern.

„Gruseln soll ’s die lauten Leute,
wenn ich schaurig auf sie treff,
Grablicht-Glut, die brauch‘ ich heute;
geisterhaft werd‘ wilde Meute
ich erschrecken im FF.“

Das Lokal „ Zur letzten Träne“,
fällt ihm auf durch laut Geschrei,
sonst der Trauernden Domäne,
schießt man feurig heut‘ Fontäne
zur Silvesterknallerei.

Als ein Bursche, der gewitzt,
neu Raketen starten will,
stürzt sich Karl, heran geflitzt,
plötzlich auf ihn wie ein Blitz,
untermalt ’s mit viel Gebrüll.
Schreckensbleich sucht der das Weite,
rennt so schnell er irgend kann,
meint, der Teufel ihn begleite.
Karl weicht ihm nicht von der Seite,
macht sich klappernd an ihn ran.

„ Gnade, gnade!“, fleht der, jammert.
Schließlich geht doch Karl drauf ein,
sagt dem Kerl, der an ihm klammert:
„ Nur wenn still du gehst zur Kammer
und lässt ganz das Böllern sein!“

„ Ja“, beteuert der Belehrte,
„ich werd ’s auch nie wieder tun!“
„Und ich hoff ’s, denn wenn ich ’s hörte,
vielleicht jemand sich beschwerte,
komm ich wieder, werd nicht ruh’n!“

Wem Karl sonst noch ist erschienen
dort in der Silvesternacht,
wen er ließ das Lärmen sühnen
auf diversen Erdenbühnen,
wo er ’s Jahresend verbracht,
kann ich leider nicht berichten,
müsste mir das gar erdichten.

WINTERTAG IN COERDE

Ein klarer Wintertag erwacht,
und hinterm Wäldchen licht erhellt
der Morgenröte Schimmern sacht
die kleine taubenetzte Welt.

Nicht lange währt ’s, der Sonne Strahlen
schickt schnell ihr gleißend Winterbild,
das nach dem tristen, nebelfahlen
vergang’nen Wetter uns stimmt mild.

Wir mögen es, wenn knackig kalt
der Winter sich noch findet ein,
vielleicht mit Schnee bedenkt uns bald;
die Kinder würde das wohl freu’n.

Die Hoffnung, dass Frau Holles Wirken
im Flockenzauber zeig‘ die Welt
ins Schneekleid hülle jene Birken,
auf dass ihr zarter Gruß gefällt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Grüne Weihnacht

Auch grüne Weihnacht birgt wohl Freude.
Der Schneeräumdienst, der hat nun frei.
Kein Mensch rutscht aus auf Glatteis heute,
und der Verkehr läuft einwandfrei.

Das Lied lässt von White Christmas träumen,
jetzt darf man länger schlafen, gerne,
muss nicht schon früh die Steige räumen.
Doch ich vermiss’ die weißen Sterne.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Vor dem Kurhaus in Wiesbaden

Zwei Tannenbäume, goldner Lichter Zier;
auch vor dem Kurhaus leuchtend hell erstrahlen
Römische Brunnen, deren Schalen hier
im Überborden Wasserspiele malen.

Nun, da geendet hat der Niesel-Regen,
erglüht im Dunkel dieses schöne Bild:
der Lichter Spiegeln auf den Wasserwegen
im Becken, das die Brunnen speist und füllt.

Und unaufhörlich Wasserschleier fallen,
was überreich wird, strömt zum nächsten Rund.
Ein Geben, Nehmen weilt und fließt, kristallen
erscheinend, dort hinab in seinen Grund.

Doch wie aus heimlich unsichtbarer Quelle
ist immer wieder Wasser neu zur Stelle.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing