Friedenssehnsucht

Warda friedrichstr. Magnolien (1)

Fast scheue ich ’s, den Frühling noch zu preisen,
der hier in unsrem Land nun blühend siegt,
Die Leichtigkeit des Lenz ging längst auf Reisen,
denn die Gedanken unaufhörlich kreisen
um diesen Schatten, der auf allem liegt.

Die Mächte, die bereit, flugs zu zerstören
das Leben andrer Menschen, die gewillt,
genügsam in das Dasein zu gehören
und inständig den Frieden hier beschwören,
den Schutz ersehnen, der die Ängste stillt.

So machtlos fühl ich mich, kann nur noch beten,
dass endlich doch obsiege die Vernunft
und nicht der Krieges Lüsternen Raketen,
der Kriegsgewinnler Jagd auf mehr Moneten
sich etablieren als der Staaten Zunft.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing, 2018

Erdbeben

Es blüht der Frühling und erwärmt die Herzen.
Man fühlt sich nun fast sicher, sorgenfrei,
geht fröhlich in den Tag, liebt es, zu scherzen
und freut sich auf den Wonnemonat Mai.

Ja, es erscheint hier alles fest gefügt.
Der Boden dieser Erde gibt uns Halt.
Doch viele Beben zeigten, wie das trügt;
zerstören, töten kann Natur-Gewalt.

Der Erde Kruste, Platten in Bewegung,
lässt Leben sein ein Tanz auf dem Vulkan.
Wir sind da machtlos, schwach; des Hochmuts Regung,
die uns oft eigen, wird entlarvt als Wahn.

Und dennoch man es gar zu schnell vergisst,
wie kurz und kostbar unser Leben ist.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Sturm

Der Sturm kennt keine Zäume;
mit Urgewalt
ergreift er Dächer, Bäume
und macht nicht Halt
vor Türmen, Eisen-Masten.
Es ist ihm einerlei;
Container, schwere Lasten
hievt er, als ob’s nichts sei.

Da muss der Mensch erkennen,
dass seine Macht,
die er sonst groß mag nennen,
erweist sich schwach.
Hier heißt es, Schutz zu finden
vor Sturmes Graus,
die Furcht zu überwinden,
bis er klingt aus.

Und dann beginnt das Räumen
von Schrott und Schlamm.
Kein Zögern und kein Säumen,
wir stehn zusamm‘,
beseitigen die Spuren
der rohen Kräfte hier.
Man schaut nicht nach den Uhren
beim Aufbau im Revier.

Sehr bald sieht unsre Straße
manierlich aus.
Die Bank auf grünem Grase
ziert weiß das Haus.
Die Mühe durft‘ sich lohnen,
jetzt scheint sie heil die Welt.
Es möge uns verschonen
Unwetter, das missfällt!

© Ingrid Herta Drewing,2014

Wetter

Von allem, was nicht abzuwenden,
was man auf Erden muss ertragen,
das uns mit seinen blanken Händen
ergreift, eh’ wir zur Wehr uns wagen,
ist doch das Wetter auch zu nennen.
Es lehrt uns, Hoch und Tief zu kennen.

So wechselvoll in Jahreszeiten
gestaltet ’s unsre Klimazone;
da darf es Flora, Fauna leiten.
Dem Landwirt wohl gereicht ’s zum Lohne,
wenn er sein Handeln danach richtet
und wetterfeste Pflanzen züchtet.

Wir schauen doch als Erdenkinder
auf ’s Wetter alle, mehr und minder,
und stellen uns dann darauf ein;
wie wir uns kleiden, was wir machen,
ob wir verstimmt sind oder lachen.
Bei vielem, was bei uns der Hit,
spielt letztlich auch das Wetter mit.

Das Wetter, das uns täglich zeigt,
dass Menschenmacht sehr häufig schweigt.

Ingrid Herta Drewing

Unwetter

Nun wird es bald aus grauen Wolken brechen,
hier dies’ Gewitter, wofür Schwüle spricht;
lässt Donner krachen, grelle Blitze sprechen,
und Regen prasseln laut in fahlem Licht.

Jetzt tobt sich aus geballte Energie.
Am Himmel zeichnen Blitze ihre Adern;
im Zickzack gleißend dort, vollführen sie
ein Gruselschauspiel, hell in ihrem Hadern.

Die Wolke hochgeschnellt in Eisregionen,
milliardenfach nun Hagelbälle speit.
Selbst dort, wo du geborgen glaubst zu wohnen,
bist du vor den Geschossen nicht gefeit.

Zerstören Dächer, auch Automobile,
der Feldfrucht Halme knicken sie im Sturm.
In dem chaotischen Wettergewühle
fühlst du dich machtlos wie ein kleiner Wurm.

Und atmest frei erst, wenn der Spuk beendet,
der Himmel endlich klart auch wieder auf,
die Sonne ihre warmen Strahlen sendet,
der Tag nimmt wieder seinen ruhigen Lauf.

Ingrid Herta Drewing

Wölkchen

Ein kleines, weißes Wölkchen schwebt,
wirkt fast verloren dort im Blau,
als hätt’ der Wind es hier verlegt
auf dieses weiten Himmels Au.

Die Sonne lässt es nicht gewähren,
ergreift es mit der Strahlen Kraft
und löst es auf, ihr soll gehören
der Himmel, den sie hell begafft.

So geht es vielen, denn die Macht
hat nicht nur in Natur das Sagen.
Wer sich nicht wehren kann, weil schwach,
kann sich oft nicht einmal beklagen.

Ingrid Herta Drewing