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Herbstgerüche

Jetzt naht der Herbst mit seinen Wohlgerüchen,

erinnert an vergangne Kinderzeit,

als wir gespannt und brav in Mutters Küche

gewartet bis der gute Schmaus bereit.


Es roch nach Mus und leckrer Marmelade,

nach Pflaumen, Äpfeln, Nelken, Zimt, Anis,

ein kleiner Vorgeschmack der großen Gnade,

Adventszeitfreude, Weihnachtsparadies.


Auch auf den Feldern die Kartoffelfeuer

nach einem arbeitsreichen Erntetag

waren mir damals noch recht lieb und teuer,

wie wenig doch den Hunger stillen mag.


Es sind die kleinen Freuden, die wir lieben,

und ein verklärter Blick zurück nun schaut,

das, was uns rührte, zärtlich ist geblieben

als teurer Schatz, dem unser Herz vertraut.

Ingrid Drewing

Hiroshima

Nicht ,  der dich höhnte
aus den Lüften
mit ferngelenktem Tod ,
der nicht, Hiroshima!

Nicht, der dich anspie,
warf in Grüfte,
in abgrundtiefe Not,
der nicht , Hiroshima !

Nicht der, nicht einer,
Tausende von Händen
warfen
das Feuer auf dein Licht,
Hiroshima!

Hiroshima
und die Tage
leben in grauem Licht.
Dreimal ertönt die Klage,
dreimal antwortet nicht
Hiroshima.
Dreimal ist dreimal verhöhnen,
dreimal heißt ohne Zahl,
und sich wieder bequemen,
Sühne und Abendmahl?

Ingrid Drewing

Kompromiss

Es scheint, der Mann liebt das Rasieren,

man merkt es auch beim Rasenmähen.

Mit Maschinen operierend,

sich laut knatternd profilierend,

siehst du ihn im Garten gehen.


Sie liebt das chaotisch Wilde,

würde gern nur Wiese sehen,

bis zum Hals in Gräsern stehen.

Er braucht Ordnung in dem Bilde,

Wildwuchs findet er nicht schön.


Doch es gibt die kleine Wiese

für die Träume, hinterm Haus.

Er wird sie nie mähen, diese

macht den Ehefrieden aus.

Ingrid Drewing

Ein Liebesbrief

Ach bitte, buchstabier mir Liebe!

Dies Wort, es klingt so schön von dir.

Ich wüsste gar zu gern, was bliebe,

wenn ich dir diesen Brief nun schriebe,

was du hernach dann denkst von mir.


Vielleicht blieb’ Liebe nur ein Wort,

das wandelt zwischen Lippen, Zeilen,

verwünscht an einen andern Ort,

sich stehlend aus dem Herzen fort,

wo sie doch zärtlich sollte weilen.


L ässt Liebe sich so buchstabieren?

I nnig , mein Liebster, lieb ich dich!

E in Herz nur hab ich zu verlieren.

B itte, magst du es deponieren,

E wig sein Platz, dein Herz für mich.

Ingrid Drewing

Heckenrose

In hellem Grün die Rosenhecke,

als stille Schöne grüßt sie zart.

Dies’ rosig Blühen zu entdecken,

verlangt behutsam ihre Art.


Wie alles, das so sanft und rein

erstaunen lässt in stillem Blick,

schenkt zärtlich ihr bescheiden’ Sein

uns Menschen schon ein kleines Glück.

Ingrid Drewing

v

Kondensstreifen

Sie zeichnen ihre weißen Streifen

schnell in des Himmels helles Blau,

als wollten sie Besitz ergreifen

von diesem Raum, klar und genau.


Doch so wie Menschenwerk auf Erden

nur für gewisse Zeit besteht,

verblasst dies Zeichen schon im Werden,

bevor es ganz im Blau vergeht.

Ingrid Drewing

Barockgarten

Gesäumt vom Dunkelgrün

aufragender Zypressen

führt hin in weißem Kies

der Weg zum Schloss.

Hier wirkt die Ratio, kühl;

wer einstmals dies besessen,

Klarheit genoss.


Doch schuf er sich auch hier

geheimnisvolle Orte:

Ein Buchsbaumlabyrinth

führt in die Irre,

Springbrunnen, ihrer vier,

senden auf laute Worte

Fontänen in den Wind,

dass es verwirre.


Und hinter Mauerhecken

ganz plötzlich Steingestalten,

die Nymphe und der Faun,

dich frech anschauen,

du sollst erschrecken,

erfahren dunkles Walten,

ein leises Grauen.


So wie der Tod das Leben

heraus aus hellem Blühen

mit kalter Hand ergreift,

hinab ins Dunkel schleift,

so sollst du hier erbeben

und wahrhaft dich bemühen,

nach Edlem streben.

Ingrid Drewing

Tageslauf

Der Tag trägt heut ein graues Kleid,

zeigt mürrisch uns sein Angesicht,

selbst in der frohen Frühlingszeit

mag er sich manchmal wirklich nicht.


Die Sonnenbraut hat ihn verlassen,

sie, die ihm kürzlich noch so hold

mit liebem Blick ihr Herz gelassen,

verweigert ihrer Strahlen Gold.


Doch Sturmwind hat sich eingefunden,

will mit ihm um die Häuser ziehen,

und Regen mischt sich in die Runde

zum Trost, ein mannhaftes Bemühen.


Dann ist es klar, der Wolken Wuseln

hatte von Sonne ihn getrennt.

Nun, da sie weg sind, darf er schmusen

mit seinem hellen Element


Ingrid Drewing

Einsames Glück

Einsam lebend in der Stille

höre ich der Tage Klang,

eines Menschenlebens Fülle

strahlt im Schwanen-Abendsang.

Immer noch ein sanftes Sehnen

in der lenzbeglückten Zeit,

alle Sinne schauen Schönes,

das die Erde hält bereit.

Zart keimt auch ein leises Hoffen,

dass dies irdisch’ Glück noch währt;

scheint mir doch der Himmel offen,

wenn das Leben mich betört.

Ingrid Drewing

Kindheit

Oh ,Kind sein , Leben im Bewegen

und Staunen , was die Welt verspricht.

Ein jeder Tag , ein Farbensegen ,

es sieht mit wachem Augenlicht.


Ja , Kind sein , wenn es wohl geborgen,

den Tag , die Stunde frei verträumt;

noch fern sind der Erwachs’nen Sorgen ,

noch keine Pflichten , die versäumt .


Vertraut mit Pflanzen und mit Tieren ,

ein Garten , hell ,die kleine Welt ,

erobert erst auf allen Vieren ,

dann aufrecht ,schauend, was gefällt.


Mit viel Geschick etwas erbauen

aus Steinen oder auf Papier ,

der eignen Kraft im Spiel vertrauen ,

mutig erkundend das Revier.


Im Reich der Phantasie obsiegen,

im Märchen und auf hoher See ;

Piraten , die auf Meeren fliegen ,

Prinzessinnen , so weiß wie Schnee.


So schön , so zart , so müsst sie währen ,

doch bleibt sie uns nur kurz , die Zeit ,

in der wir reinen Sinnes ehren ,

was uns die Schöpfung hält bereit.

Ingrid Drewing