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Vor dem Kurhaus in Wiesbaden

Drei Tannenbäume, goldner Lichter Zier;
auch vor dem Kurhaus leuchtend hell erstrahlen
Römische Brunnen, deren Schalen hier
im Überborden Wasserspiele malen.

Nun, da geendet hat der starke Regen,
erglüht im Dunkel dieses schöne Bild:
der Lichter Spiegeln auf den Wasserwegen
im Becken, das die Brunnen speist und füllt.

Und unaufhörlich Wasserschleier fallen,
was überreich wird, strömt zum nächsten Rund.
Ein Geben, Nehmen weilt und fließt, kristallen
erscheinend, dort hinab in seinen Grund.

Doch wie aus heimlich unsichtbarer Quelle
ist immer wieder Wasser neu zur Stelle.

© Ingrid Herta Drewing,

Novembernebel

Der Morgen ruht im Nebelbett,
verschwommen wirken die Konturen.
Mir ist es, als ob  jemand hätt’
verwischt mit Macht des Lebens Spuren.

Der Blätterteppich auf dem Weg,
er dämpft der Eile feste Schritte,
und dort am Bach der kleine Steg
verschwindet in des Dunstes Mitte.

Dies ist die Zeit zum Innehalten,
gemächlich meldet sich der Tag.
Der Nebelschleier gräulich Walten
weicht erst am Mittag, Sonn’ verzagt.

© Ingrid Herta Drewing

Fern der Märchenweisheit

Da mögt ihr rufen
und hoffen,
es werde gehört
dort jenseits
des dunklen Flusses,
wo der Fährmann,
des Ruderns müde,
auf Ablösung wartet.

Märchenweisheiten,
bleiben unbeachtet
wie die Erwartung,
es werde wer sagen,
der Kaiser sei nackt.

Zu viele Angstblinde
huldigen der Eitelkeit.
Wo sind die Kinder
mit unverdorbenem Blick?

Nur, wenn der Wolf
vergisst,
Kreide zu fressen,
merken sie
einmal kurz auf.

© Ingrid Herta Drewing

Karfreitag

In des Karfreitags Stille,
den Leiden Christi nah,
erfährt mein schwacher Wille,
dass in des Glaubens Fülle
das Licht ist hell und klar.

Durch Jesu Liebe finden
den Weg wir und das Ziel.
Was alles uns mag binden
Ballast und Arbeitsschinden,
er schenkt uns Glück, Gefühl.

So können wir begegnen
dem Nächsten mit Geduld,
denn Gott lässt Liebe regnen
und wird uns gütig segnen,
vergibt uns unsre Schuld.

In seinen Vaterarmen
gewährt er uns den Schutz.

Ingrid Herta Drewing

11.September

Neun Jahre ist es nun schon her,
ein Tag der Trauer, folgenschwer;
hier brach die heile Welt entzwei,
und wir als Zeugen warn dabei.

Ins strahlende Septemberblau
Twintowers, Wolkenkratzerbau
ragen mit rußigen Fahnen,
zwei Fackeln zum Himmel mahnen.

Entsetzen starrt aus allen Mienen,
gebannt schaun wir zum Bildschirm hin,
betroffen folgend Zeilenschienen,
entschlüsseln wir der Worte Sinn.

Des Terroranschlags Todesspur,
zwei Jets als Bomben eingesetzt
von Islamisten , die hier stur
im Hass gemordet, aufgehetzt.

3000 Tote sind zu zählen,
und Tausende Verletzte quälen
sich heut‘ noch, krank an Leib und Seel‘;
so mancher, dem das Liebste fehlt.

Gedenkt der Menschen, ihrer Namen,
die sinnlos hier zu Tode kamen,
auch derer, die hernach im Krieg
gefallen für erhofften Sieg!

Wo Hass und Dummheit sich verweben,
zerstören sie das Licht, das Leben.
Der Mensch, wenn er verweilt im Wahn,
bewegt sich auf des Todes Bahn.

Ingrid Herta Drewing

Sturm

Dem Sturme trotzen, aufrecht stehen,
mag er auch toben noch so wild,
Gefahren klaren Auges sehen,
dem Unvermeidlichen genügen,
und, ohne fraglos sich zu fügen,
gestalten seiner Zukunft Bild.

Ingrid Herta Drewing


Foto: Ingmar Drewings Zeichnung Nr.278

(www.drewing.de)

Hiroshima

Hiroshima,
nicht, der dich höhnte
aus den Lüften
mit ferngelenktem Tod ,
der nicht, Hiroshima!

Nicht, der dich anspie,
warf in Grüfte,
in abgrundtiefe Not,
der nicht, Hiroshima !

Nicht der, nicht einer,
Tausende von Händen
warfen
das Feuer auf dein Licht,
Hiroshima!

*
Hiroshima
und die Tage
leben in grauem Licht.
Dreimal ertönt die Klage,
dreimal antwortet nicht
Hiroshima.
Dreimal ist dreimal verhöhnen,
dreimal heißt ohne Zahl,
und sich wieder bequemen,
Sühne und Abendmahl?

Anmerkungen von Ingrid Drewing zum Gedicht:
Fast ein Menschenleben ist es her, der Atombombenabwurf auf Hiroshima, und noch immer bewegen die Bilder von damals.
Erschreckend ist es, dass das Thema “ Atombombe“ noch immer traurige Aktualität besitzt, wenn man bedenkt, wer alles noch Atombomben besitzt. Beängstigend ist es auch, wenn man sieht, wie durch Fehleinschätzungen, Stolz und Machtstreben, kühles Kalkulieren diese Katastrophe damals ihren Lauf nahm.


Vom Glück

Man muss so vieles, was es gibt, nicht haben.
Zufriedenheit schenkt uns das wahre Glück,
sich freuen können an den kleinen Gaben
und lächelnd schenken einen lieben Blick.

Den Nächsten, der uns braucht, wohl zu verstehen,
weit öffnen unsre Seele, Herz und Sinn;
mit wachem Blick durch dieses Leben gehen
und nicht nur ständig wittern Geld, Gewinn.

Was uns beglückt, ist  meist‘ nicht zu bezahlen.
Es schenkt sich uns, macht tief im Innern reich.
Das Raffen, Gieren führt zu Seelenqualen,
treibt auch in Trübsal, führt ins Abseits gleich.

So freue dich an dem, was dir gegeben.
Die Gottesgaben leuchten, die Natur
lässt täglich so viel Schönes dich erleben.
Du musst den Blick dafür bewahren nur.

Ingrid Herta Drewing

Zeiterscheinung

Jetzt kommt die Zeit, da Männer grillen,
und Frauen im Bikini gehen,
mit großen, schwarzen Sonnenbrillen
begeistert in die Gegend sehen.

Verbrannter Fleischgeruch, der über
den hellen, grünen Gärten schwebt.
Gelächter brandet laut herüber,
man trinkt beschwingt sein Bier und lebt.

Am Lagerfeuer wie die Ahnen
versammelt sich die traute Schar,
und digital wähnt der Schamane
den Börsenkurs fürs Beutejahr.

Ingrid Herta Drewing

Grenzen des Wachstums

Es treibt ein Todesteppich auf dem Meere,
zäh, klebrig , braun im Golf von Mexiko,
ein Unfall zwar und dennoch eine Lehre:
Wir schlagen uns allmählich selbst KO

Wir wollen Wachstum, sollten uns beschränken;
denn wie wir wachsen, trägt ’s die Erde nicht.
Ressourcenschutz, wir müssen doch bedenken:
Die Art erhalten, heißt zugleich Verzicht.

Nur eine Erde hat für uns das All,
mag auch noch eine sein bei fernen Sternen.
Die Zeit ist da, wir hätten nun zu lernen:
Nachhaltigkeit ist unser Rettungsfall.

Lasst uns dies Paradies des Lebens schützen;
das wird auch unsren Kindeskindern nützen!

Ingrid Herta Drewing