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Sonnenuntergang

Jetzt neigt der Tag sich seinem Ende

und feiert Sonnenuntergang,

verschenkt sein Licht in roten Bränden,

zündet den Himmel zärtlich an.

Die Sonne sinkt in tiefer Glut,

durchdringt dies Feuerfirmament

und taucht das Tal in warme Flut,

bis sie der Berge Schatten trennt.

Doch grüßt sie uns noch eine Weile,

hält gütig hoch die Rosenhand,

bis dann die Nacht naht ohne Eile

mit ihrem blauen Sternenband.

Ingrid Herta Drewing

Die Amseln und der Kater

Amsel

Im Nest, dort in dem Apfelbaum,

da hegen Amseln ihre Jungen.

Sie rasten und sie ruhen kaum,

dem Fiepsen folgend,nun gezwungen.

Dem Kater ist dies nicht entgangen,

es lockt ihn an dies Vogelnest.

Sich eins der Amselchen zu fangen,

das wäre ihm ein wahres Fest.

So schleicht er heimlich in der Nähe

und lauert auf der kleinen Brut,

um dann, wenn niemand ihn so sähe,

zu kühlen sich sein Mütchen gut.

Jedoch die Amseleltern, helle,

entdecken ihn dort unterm Strauch,

sind zeternd nun sogleich zur Stelle

und lautstark zeigen sie’s ihm auch.

Wild flatternd, lauthals schimpfend, wüten

sie fast schon eine Stunde dort.

Und es gelingt ihr Kinderhüten,

entnervt trollt sich der Kater fort.

Dies zeigt, wenn Schwache standhaft bleiben,

gemeinsam sie den Feind vertreiben.

Ingrid Herta Drewing

Begegnung

gelbe Rose

Ich hätte mir der Sonne Gold ins Haar geflochten.
Doch Nacht war, als dein lieber Mund
dem meinen zeigte, dass wir zwei uns mochten;
einander lieben war noch nicht die Stund.

Nur einmal durften wir uns so begegnen,
zwei Wanderer in Einsamkeit.
Wir wussten, Rosen würden uns nicht regnen,
auch trugen wir zu stolz das Dornenkleid.

Und dennoch fiel es schwer, als das Verlassen
uns zwang,  getrennt den Weg zu gehen.
Ein letzter Blick, ein zärtliches Umfassen,
wir sollten uns nie wieder sehen.

Ingrid Herta Drewing

Mauerblümchen

Im Schatten einer Mauer

wuchs zart ein Blümelein.

Es lag dort auf der Lauer

nach hellem Sonnenschein.

Und da zu seinem Glücke

entstand ein großer Riss,

und durch der Mauer Lücke

traf es ein Strahl gewiss.

Das Blümchen wuchs zur Blume

und schoss ganz hoch hinaus.

Das Ende seines Ruhmes:

Man rupft  ’s als Unkraut aus.

Ingrid Herta Drewing

Netzliebe

Internettes Lächeln,

Herztwitter

In der virtuellen Umarmung

wächst Mut

zur Liebe,

bis

der PC abstürzt.

Ingrid Herta Drewing

Spatzenlied

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Es sucht Frau Spatz den schönen Platz
zum Nisten und zum Brüten.
Doch Kisten hier und Tüten
sind kein Ersatz, drum geht die Hatz
dorthin, wo Bäume blühten.

Im letzten Frühling, Anfang März,
traf sie Herrn Spatz, es flog ihr Herz
ihm zu, und sie sich mühten
bald um die liebe Kinderschar.
So ist das Paar jetzt wieder da,
und sie sich nicht verfrühten

Die Nachbarn sind schon etabliert.
und mancher schwelgt, hat Zaster,
ein Swimmingpool; ganz arriviert,
thront protzend auf dem Ast er.

Die Spätzin, neidvoll angetan,
möcht’ wie der Nachbar leben
und ab und zu ’ne kleine Bahn
so übers Pool hin schweben.

Spatz sagt zu ihr:“ Sieh diese Dose,
die reicht uns doch zum Bade!“
„ Dir fehlt ein Knopf an deiner Hose!
Ich bin doch keine Made.
Bevor ich in die Brühe hüpfe,
ich in das Nest zu Meisi schlüpfe!“

Und da Herr Spatz so knapp bei Kasse,
hat sie ihn dann links fliegen lassen.

Ingrid Herta Drewing

(Inspiriert von

Ingmar Drewings

„Neighbours“, Nightly Sketch 84

20. Januar 2010,  http://www.drewing.de)

Weihnachtstraum

Erstaunt und erleichtert lesen,

es sei befriedet die Welt,

von Hass und Habsucht genesen,

das Licht ins Fenster gestellt.


Beglückt und freudig sehen,

wie Menschen geschwisterlich sind,

gemeinsam durchs Leben gehen,

verbunden wie Mutter und Kind.


Erwacht, dann traurig finden,

dies alles war nur ein Traum,

den man dir wie einem Kinde

gelegt untern Weihnachtsbaum.

Ingrid Herta Drewing

Der erste Schnee

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Juchhe, juchhe, der erste Schnee!

Kommt, lasst uns einen Schneemann bauen!

Im Garten soll er stehen, schauen,

wie schnell wir schlittern auf dem See.


Zuerst der Bauch, gerollt die Kugeln

aus Schnee, die Brust und dann der Kopf!

Komm, Peter, lass jetzt ’mal das Googeln

und hol’ als Hut den alten Topf!


Die Möhre wird ’ne schöne Nase,

Kastanien werden Augenglut,

gesammelt zwar für Reh und Hase,

als Knöpfe sind sie auch recht gut.


Zum Schluss noch einen Tannenzweig,

das wird ein Weihnachtsbäumchen sein,

dass er sich richtig festlich zeig’,

in seinen Arm passt es hinein.

Ingrid Herta Drewing

Leben

Wie Wellen rinnen
in großen Kreisen,
schon im Beginnen
in Fernen weisen,
so auch unser Leben
wächst und sich weitet,
gütig begleitet,
im Nehmen und Geben ,
im Hoffen und Streben ,
im Können und Üben ,
im Sehnen und Lieben,
zum Ufer gesendet,
ausklingend
endet.

Ingrid Herta Drewing

Sonntagmorgen

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Ein Sonntagmorgen, licht und mild,

und sanft träumt noch die Stadt.

Verlassen grüßt das Straßenbild;

was sonst sich zeigt fast überfüllt,

sich nun vereinsamt hat.


Der Blätterteppich auf den Wegen

glänzt feucht im frühen Licht.

Es fegte rein die Luft der Regen,

und Wirbelwind, der nachts zugegen,

fuhr Bäumen ins Gesicht.


Ich gehe, sehe hier beglückt

den stillen, jungen Tag.

Mir ist, als schenke er dem Blick,

der ihn erschaut, so froh entzückt,

das Leben, das er mag.

Ingrid Herta Drewing