Archive for the Category Leben

 
 

Danksagung

Ich danke dir, Gott,
hast mir Leben gegeben,
dazu das Bewusstsein.
Ich bin nicht allein.
Im irdischen Streben,
im liebenden Schweben
fühl’ ich dieses Glück,
als Mensch hier zu sein.

Denn wär’ ich ein Stein,
ich hätte kein Herz,
empfände kein Sein
und auch keinen Schmerz.
Zwar würd’ ich steinalt,
doch ohne zu leben,
was sollt’ mir das geben?
Wär’ arg hart und kalt,
würd’, ohne zu zittern,
ganz langsam
verwittern.

Ingrid Herta Drewing

Blick aus dem Fenster

Ein kühler Tag, auf dessen blauer Bühne
der Wind verwegen mit dem Rauche spielt,
der zart gekräuselt steigt aus den Kaminen
und weiß in Tanzfiguren Sonne fühlt.

Sie steigen, neigen, wirbeln sich im Kreise
und schrauben hoch und höher Pirouetten,
um bald darauf in wundersamer Weise
sich leicht zu lösen von der Wirkungsstätte.

Verlieren sanft sich in des Himmels Höhe,
ein Wölkchen schwebt noch hell im Mittagslicht,
das schließlich auch entwächst des Blickes Spähen,
wenn Wind es trägt aus der begrenzten Sicht.

Was immer auch verlässt der Bühne Ort,
es wirkt gewiss an andrer Stelle fort.

Ingrid Herta Drewing

Obdachlos

Gestrandet im Meere des Lebens,
als Treibgut geworfen an Land,
das Schwimmen versucht, doch vergebens
gesucht nach der rettenden Hand.

Dort, wo du hofftest zu finden
Verständnis, Liebe und Glück,
hieß man dich nur, zu verschwinden,
verweigerte dir das Zurück.

Als Bettler sieht dich nun die Straße,
bist alt und das Gehen fällt schwer.
Zwar weht dir noch Wind um die Nase,
doch Einsamkeit läuft hinterher.

Du haderst mit Gott, weil dein Leben
so ungnädig, bitter verlief,
siehst auch keine Schutzengel schweben,
nur den Teufel, der stets nach dir rief.

Ein Teufel, ein armer, wie du
jetzt wahrlich auch selbst einer bist.
Du prostest ihm müd’ lächelnd zu,
weil Alkohol Tröster dir ist.

Doch erreicht dich die Heilsarmee
und schenkt dir Wärme und Raum,
die Suppe und heißen Kaffee,
einen kleinen menschlichen Traum.

Ingrid Herta Drewing

Erinnerung

Gesungen hast du, wunderschön gesungen,
ein altes Lied, das tief ins Herz mir drang,
erinnernd weckte, was längst schien bezwungen,
in Bildern tauchte auf, ein süßer Klang.

Und zart bewegt von einem sanften Sehnen
sah ich mich wieder in dem stillen Hain,
wo wir als Kinder ahnungslos und rein,
von Wundern träumend an den Bäumen lehnten.

Es gibt ihn nicht mehr diesen Wald, den schönen,
und viele Jahre sind ins Land gegangen.
Am andern Ort, ein Lied in fremden Tönen,
ein neues Leben hatte angefangen.

Jedoch bewahrt die Seele noch den Blick,
und schenkt uns zärtlich im Erinnern Glück.

Ingrid Herta Drewing

Einschätzung

Der Körper sagt: Du bist schon alt.

Die Seele fragt: Wer will das wissen?

Sie fühlt sich jung und sucht beflissen

des Lebens helle Schön-Gestalt.

Sie lebt und lacht, genießt die Freude

und übersieht gern die Gebrechen

des Körpers, der muss lauter sprechen

und weiß das schmerzhaft anzudeuten.

Sieh es doch ein, musst dich beschränken,

du reißt nicht mehr die Bäume aus!

Ganz nebenbei hab’ ich Bedenken,

so stark warst du noch nie, du Maus!

Freu dich an dem, was dir geblieben,

das ist doch reichlich, kost’ es aus!

Es lässt sich vieles innig lieben

in diesem schönen Erdenhaus.

Ingrid Herta Drewing

Wasser

W asser, fließt uns zu als Segen,
A lles tragend, lebend Gut,
S trömst durch viele Adern, Wege,
S endest dich in Fluss und Flut
E rst durch dich entsteht hier Leben,
R ein und klar soll ’s dich stets geben

Ingrid Herta Drewing

Wasser

Die Erde ist uns Menschen nur geliehen,
zur Pflege anvertraut für kurze Zeit,
sie braucht das Wasser, um schön zu erblühen
und schwebt im All so zart im blauen Kleid.

Das Wasser, das hier unser aller Leben
erst möglich macht, frisch und gesund erhält,
ist kostbar‘ Gut, drum lasst uns danach streben,
es rein zu halten für all’ Volk der Welt!

Dies Paradies aus Seen, Tieren, Bäumen
soll aller Erdenkinder Hort doch sein,
wo Lachen, Spielen, Singen, zärtlich Träumen
sie laden in das Wunder Leben ein.

Dies alles wird nur möglich auf der Welt,
wenn nicht der Mensch das Wasser hier vergällt.

Ingrid Herta Drewing

Illusion

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Viele Bewohner von Einflugschneisen
Islands Vulkane nun dankend preisen,
denn endlich genießen für kurze Zeit
sie Ruhe, weil vom Fluglärm befreit.

Und mancher sinnt träumend, es könnte sein

dass diese Vulkane  sich üben ein,

um Asche noch etliche Wochen zu speien,

so dass hier lärmfreie Zonen gedeihen.

Doch dann wird’s ihm bewusst, er hat ja gebucht,
sein Urlaubsziel weit in der Ferne gesucht.
Da muss auch er fliegen, will er hinkommen.
„Ach!“, seufzt er enttäuscht, “nichts ist vollkommen!

Ingrid Herta Drewing

Siehe hierzu auch „Skywash“

Tod

Enlros

Jäh bricht der Tod ein in des Menschen Leben,
das eben noch verheißungsvoll erblüht’,
und Dunkel legt sich lähmend auf das Streben,
die Frage nach dem Sinn wird neu bemüht.

Der Schmerz der Überlebenden, die Klage
um den geliebten Menschen, der gestorben,
sie zeigt uns nun zu deutlich, das wir vage
dies Dasein nur verstehen, kaum erworben.

Wenn kalt die Hand des Todes nach uns fasst,
wird uns bewusst, wie wertvoll dieses Leben,
einmalig uns als ein Geschenk gegeben,
und nicht, wie oft empfunden, eine Last.

Drum meidet doch den Streit um Nichtigkeiten,
beginnt einander liebend zu begleiten!

Ingrid Herta Drewing

Kliffhänger

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Was lautstark eine Westerwelle
in bundesdeutsche Brandung warf,
dass viele eine Sonnenstelle
genießen faul, Hartz IV-Bedarf,

das malt der Alp in Michels Träumen
ihm wahrhaft furchtbar, schrecklich aus.
Trotz Schaffen, Können greift von Bäumen
er statt der Frucht nur Wurzelgraus.

Sieht sich an Krisenklippen baumeln,
schaut zitternd in des Hartzwolfs Grund,
befürchtet, dort hinab zu taumeln
als Fraß in Abstiegraubtiers Schlund.

Hofft,dass  er  aus dem Traum erwacht,
der ihn in Angst und Trübsal treibt.
da gern er  seine Arbeit macht,
wenn ihm sein Arbeitsplatz auch bleibt!

Ingrid Herta Drewing

Foto von

Ingmar Drewings Zeichnung Nr.117

„cliffhanger“(www.drewing.de)