Archive for the Category Leben

 
 

Nostalgisch

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Ein Winterwetter für Legenden,
erzählt zu Hause am Kamin.
Weißt du noch …? Und die Bilder blenden
ein, was uns damals wichtig schien.

Ein hartes Leben, dennoch Träume
voll Liebe, Wagnis, Hoffnung, Mut;
so frisch und kraftvoll, junge Bäume,
auch ohne Furcht bei Sturmeswut.

Die Welt war offen, weit, viel Zeit,
schien nur auf uns zu warten,
so blühend schön, ein Garten
empfing den Gärtner, der bereit.

Wenn man so jung ist, lockt das Leben;
man nimmt ’s als selbstverständlich hin.
Es hat dir ja so viel zu geben,
umtriebig stehst du mittendrin.

Im Alter weilst du still am Rande,
schaust sinnend seine Wunder an.
Dir wird bewusst, dass tausend Bande
dich halten hier in seinem Bann.

Die Bande,  die  dein Leben binden,
sind  Fesseln nicht, die  engen ein,
lassen dich Glücksmomente finden
in deinem  selbst bestimmten Sein.

Und weil dein Herz  noch jung geblieben,
weißt du,  jetzt weiser,  was dir wert,
denn  was wir innig wirklich lieben,
im Leid Erfüllung noch gewährt.

Ingrid Herta Drewing

Winterfastnacht

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Der Winter zieht die Fastnachtsmaske an,
tobt gern als Harlekin jetzt durch die Straßen,
bringt hier zu Fall das Kind, die Frau, den Mann,
die, froh gelaunt, die Glätte ganz vergaßen.

Der Mummenschanz ist Winter wohl willkommen,
erfreut sieht er der Narren Schellen, Glanz.
Von Frohsinn, auch von Alkohol benommen,
vollführen sie trotz Kälte ihren Tanz.

Das tobt und ruft und schallt, alles paletti!
Der Zug, der durch die Straßen rollt, erfreut.
Wenn Winter seinen Schnee mischt ins Konfetti,
stört ’s keinen, der hier fröhlich feiert heut.

Die Fastnacht närrisch froh den Blick verrückt;
Sie einzufrieren, keinem Winter glückt.

Ingrid Herta Drewing

Nachricht am Valentinstag

DSCI0001Noch eben wiegte lächelnd ihre Seele
so innig diesen Traum vom Glück.
Nun aber schnürt ihr wilder Schmerz die Kehle,
und Traurigkeit verhüllt den Blick.

Die Nachricht, die sie ahnungslos vernommen,
kann sie noch nicht ermessen ganz:
Tot sei der Liebste, werde nie mehr kommen!
Verloren ist der Sonne Glanz.

Ingrid Herta Drewing

Foto von

Ingmar Drewings „180 ° “

Zeichnung Nr.104

( drewing.de)

Mauerblümchen

Im Schatten einer Mauer

wuchs zart ein Blümelein.

Es lag dort auf der Lauer

nach hellem Sonnenschein.

Und da zu seinem Glücke

entstand ein großer Riss,

und durch der Mauer Lücke

traf es ein Strahl gewiss.

Das Blümchen wuchs zur Blume

und schoss ganz hoch hinaus.

Das Ende seines Ruhmes:

Man rupft  ’s als Unkraut aus.

Ingrid Herta Drewing

Phönix

Kapuzi

Im Winternest hast du dich tief verkrochen,
entfliehst der Kälte für geraume Zeit
und hältst dich dennoch jederzeit bereit,
da du dein Wort gegeben, Licht versprochen.

Sobald der Sonne Gold die Auen streift,
wagt sich dein heller Blick sanft über Hügel,
du streckst und spreizt die wintermüden Flügel
zum Flug, der in die blauen Höhen greift.

Und landest leicht sodann nach langem Schweifen.
Erblühend rötet sich nach zartem Kuss
im Blütenkleid für dich die Zaubernuss
und lässt die sanften Frühjahrsträume reifen.

Im Frühlingsfeuer hält dein Flammenkleid
des Lebens Liebe strahlend schön bereit.

Ingrid Herta Drewing

Situationsbedingt

Ein neuer Tag ruft dich heraus ins Leben.
Noch grummelst du, zu kurz war dir die Nacht,
und fragst rhetorisch sinnend beim Erheben,
wer sich nur hat die Arbeit ausgedacht.

Ein andrer würde gerne mit dir tauschen,
der arbeitslos seit Wochen und bedacht,
’nen Arbeitplatz zu finden, bitter lacht’
könnt’ er dich jetzt beim Schimpfen so belauschen.

So ist doch vieles hier sehr relativ,
oft ändern sich der Blick und das Verstehen.
Was uns zunächst scheint hässlich, schief,
lernt man wie Pisas Turm erstaunt zu sehen.

Ingrid Herta Drewing

Lärmbelästigung

Mietwohnung,
hellhörige Bleibe,
jeder Schritt hörbar,
die Nachbarn zu nahe,
Enge.

Klavier,
ständig Etüden!
Du hörst mit.
Jetzt kommt der Fehler!
Missgriff

Dröhnen
Lautstarkes Vibrieren,
Rotieren der Waschmaschine.
Es zittern die Wände.
Belästigung

Endlich!
Lärm beendet!
Aufatmen darfst du,
wohltuend empfindest du sie,
Stille

Ingrid Herta Drewing

Katastrophen

DSCI0005Das Fernsehn bringt fast täglich Katastrophen

zu dir ins Zimmer, aber sehend blind

stehst du, gebannt und hilflos, hörst die Strophen

der Kommentare, die dann üblich sind.

Die Zahlen, die du hörst, wohl kurz erschreckend,

verbergen das, was menschlich dich bewegt;

bis plötzlich dann ein Bild vermag zu wecken

dein Mitleid, sinnst, wie man nun Hilfe heg’.

Du spendest Geld, beruhigst so dein Gewissen,

dass du noch bist vom Missgeschick verschont,

das andre aus den Träumen hat gerissen.

Dann läuft dein Leben weiter, wie gewohnt.

Ingrid Herta Drewing

Der Liebe Augen

eine Rose

Ja, es hat die Liebe große Augen,
blickt so offen, schön in diese Welt,
lässt ein Staubkorn noch zu Gutem taugen,
sieht das Dunkel, wie es sich erhellt.

Liebe ist der Hoffnung heiße Quelle,
sprudelt leicht, lebendig in den Tag,
hilft uns gütig über manche Schwelle,
schenkt die Freude, mildert uns die Plag.

Liebe lässt sogar den Tod vergessen,
überdauert auch die schlimmste Zeit.
Nur in ihrem Reich kann man ermessen,
welches Glück dies Leben hält bereit.

Ingrid Herta Drewing

Nacht

Die Nacht hat ihre Flügel ausgebreitet

und bettet sanft das müde Land zur Ruh.

Nur in der Stadt die Leuchtreklame weitet

den Tag ins Grelle aus, blinkt hell dazu.

Streift Paare, die vertraut nach Hause gehen,

auch einen Trunkenbold, der lautstark lallt,

und Bordsteinschwalben, die nach Freiern sehen

bei einer Bar, wo mancher Korken knallt.

Jedoch auch hier kehrt schließlich Ruhe ein,

bis in der Früh’ der erste Pendler fährt,

das Lieferauto seine Fuhren leert

und der Verteiler wirft die Zeitung ein.

Die Nacht vergeht so sanft, wie sie gekommen,

weilt dann im Westen, da ist es noch still.

Im Osten lugt der junge Tag verschwommen,

noch leicht benebelt und beklommen,

ob sich die Sonne endlich zeigen will.

Ingrid Herta Drewing