Archive for the Category Frühling

 
 

Frühlings-Haiku

Frühlingsnacht im Park,

Magnolienkelche leuchten

hell im Silberschein.

* * *

Zwei weiße Schwäne

gleiten sanft über den See ,

tanzen im Mondlicht.

Ingrid Drewing

Hases Rausch

Der Osterhase Meier
hat heuer statt der Eier

den Frühling froh versteckt.
Als er das ausgeheckt,
dies irdische Malheur,
da hat er, weiß woher,
mit viel Eierlikör
zu reichlich sich gestärkt
und ist , ganz unbemerkt
und auch recht ungezwungen,
dann in die Wetterstube
Frau Holles eingedrungen.

Dort klopft der kecke Bube
die dicken weißen Kissen,
drum hat’s viel schneien müssen.
Der Winter bleibt der Erde
und auch die Flockenherde,
bis Hase,
aus dem Rausch erwacht
und ausgeschlafen,
wieder ganz den braven
Osterhasen gibt,
der auch den Frühling liebt.

Ingrid Drewing

Eisrose

Der weißen Rose

erhobenes Blütenhaupt

gefangen im Eis.

Frühlingssehnsucht

So gern möcht ich den Lenz begrüßen
und hoffe sehr, er ist bald nah;
zwar seh’ ich Frühlingsblumen sprießen,
den Krokusteppich weit und nah.

Doch fehlt die milde, laue Luft,
die sanft verteilt der Blüten Duft;
nur kühl zeigt sich das Wetter.
Es wäre so viel netter,

Könnten wir froh im Freien weilen,
luftig gekleidet, leicht der Sinn.
kein kalter Regen riet’, zu eilen,
man ging’ im Park zum Picknick hin.

Die Kinder könnten draußen tollen,
im Sand Herr über Burgen sein.

Die Bälle auf der Wiese rollen
in strahlend hellem Sonnenschein.

Mir blieb jetzt nur der Konjunktiv,
in dem mein Herz den Frühling rief:
Ach möge er bald kommen!
Wir haben seinen Harfenton
so lange nicht vernommen.

Ingrid Drewing

Mimose

Dein milder, süßer Duft, Mimose,
der lieblich hier die Luft erfüllt,
ist, was im Sommer mir die Rose,
ein Lebenshauch, dem Sehnsucht gilt.

Erzählst vom Myrtenhain im Süden,
von grenzenlosem Himmelblau
und Meeresrauschen, nimmermüden
Gesängen, und der Luft so lau.

Erweckst mein Herz zu wachem Leben,
pocht fiebernd nun in hellem Klang,
darf leicht in Frühlingsträumen schweben,
in einem Lerchenlobgesang.

Ingrid Drewing

Frühlingsanfang

Heut strahlt der Tag im Sonnenglück
und ruft mich aus dem Hause.
Es hieß, der Winter sei zurück;
doch war das wohl Geflause.

Ganz keck lugt jetzt das Frühlingskind
durch Winters off’ne Pforte,
die Sonne spricht so warm und lind
ihre Willkommensworte.

Und lässt die Frühlingsblumenschar
nun leuchtend hell erblühen.
Am Himmel ich Zugvögel sah
nach Norden heimwärts ziehen.

Bewohnt ist auch das Storchennest,
hier grüßt Herr Adebar.
So glaube ich, es steht doch fest :
Der Frühling, er ist da !

INngrid Drewing

Frühlingsankunft

Wie strahlend heut‘ der Sonne Licht
den Wolkenhimmel warm durchbricht,
bald klar regiert das Blau.
Wir freuen uns und zögern nicht,
wenn dieser Tag von Hoffnung spricht,
so grün grüßt uns die Au.

Am See, dort unter Weidenzweigen,
die zärtlich sich zum Ufer neigen,
sitzt traut ein Schwanenpaar,
das hier in diesem Jahr
beginnt den sanften Liebesreigen,
der lieblich ist dem Frühjahr eigen.
Der Frühling, er ist da!

Ingrid Drewing

Frühlingstag

F lötenklänge tönen wieder
R ufen sanft in mildes Wehen
Ü ber Gärten, Wiesen, Felder.
H och im Wipfelrausch der Wälder
L ässt sich hell der Frühling sehen.
I mmer neue Blütenlieder
N immt er auf sein Notenblatt :
G löckchen, Tulpen, weißen Flieder
S chlüsselblumen, und er hat
T raumhaft sie geschrieben nieder.
A tmen wir den zarten Duft
G lücklich in der Sonnenluft !

Ingrid Drewing

Frühlingssehnsucht

oli

Ein grauer Tag , und Regen
fällt schwer auf mein Gemüt;
kein milder Frühlingssegen,
Schneeglöckchen einsam blüht.

Es sehnt so sehr mein Herz sich
nach linder Luft und Licht;
und kühl empfind‘ den März ich,
denn Winter weicht noch nicht.

Doch klingen Vogelstimmen,
die Amsel singt im Baum .
So kündet zartes Glimmen
vom Frühlingsfeuertraum.

Ingrid Drewing

Alptraum

Noch verstecken sich
in Marktlücken
veilchenfarbene Träume
von Frühlingstagen,
die wir nicht
kaufen können.
Tautropfen
künden von Ursprung,
und jenseits
der Neonfassade
gedeiht
unschuldig Schlaf.

Aber Alpträume
hatte ich heute:
Wahn
eines weißen Riesen,
der Tautropfen
von Veilchenlaken
klopft
und lauthals
Frühlingsfrische
in die Welt
rülpst.

Ingrid Drewing