Archive for the Category Herbst

 
 

Igelglück

Ein kleiner Igel saß in unsrem Garten

nach kalter Nacht, er wirkte fast erstarrt.

Sein schwarzes Schnäuzchen zitterte, das zarte.

Es hatte ihn der Frost getroffen hart.

Wir bargen ihn in einem warmen Nest,

der Tierarzt wurde tunlichst auch befragt.

Nun liegt der Igel kuschelwarm, schläft fest,

bis dann für ihn ein neuer Frühling tagt.

Ingrid  H. Drewing

Oktoberbäume

Noch wabern Nebelschleier über Wiesen,

und Sonnenlicht ergreift nur matt die Räume,

um sanft im Dunst des Morgens zu zerfließen

und Farbenspiel zu wecken in den Bäumen.


Die schattenhaft jetzt als Konturen der Alleen

das graue Nass der Straße säumen

und ab und zu durch eines leichten Windes Wehn

erwachen aus den regenmüden Träumen.


Jedoch im Gold des Mittags sie erstrahlen

in ihrem farbenfrohen Herbstgewand,

bevor des Sturmwinds Töchter viele Male

im Blätterreigen tanzen durch das Land.

Ingrid Drewing

Nebliger Morgen

Des Nebels kühler Morgengriff

vereist die Fensterscheiben,

im filigranen Raureifschliff ,

ein winterlich Betreiben .


Jedoch der Sonne goldne Hände

ziehn endlich dann den Vorhang auf.

Erstrahlend blickt sie ins Gelände

und weckt das müde Leben auf.


Schon wuselt ’s Eichhorn über Wiesen,

bringt Nüsse flugs in sein Versteck.

Ein Hund darf seinen Baum begießen ,

und sanft die Katze schleicht um’s Eck.


Auch wir sind längst in Schwung gekommen,

die Arbeit ruft , wir hören sie ;

tatkräftig ,nicht mehr so beklommen ,

erfasst uns jetzt fast Euphorie .


So mag der Herbst uns nun begleiten,

erstrahlend,sonnig , farbig schön;

dann können wir die Nebelzeiten ,

die er uns bringt , gut überstehn.

Ingrd Drewing


Herbstlicht

Ja, auch der Herbst beschert uns helle Tage.

Die Sonne funkelt klar,ein Diamant,

und gleißend brennt ihr Licht als Lustansage

des Lebens an das welkbereite Land.


Des Lebens, das in abertausend Farben

als Feuerwerk zum Abschiedsfest erblüht,

nun da die Sommerwunde im Vernarben

des Herbstes Hilfe reif und mild bemüht.


Und folgen jetzt dem Lichte lange Schatten,

und wird vergehen, was dem Blick gefällt,

so regt sich Neubeginn doch im Ermatten

und Hoffnung, dass uns gütig Gott erhält.

Ingrid Drewing

Nebel

Die Nebelgeister stieben

früh morgens um das Haus.

Vom Fluss her, den sie lieben,

ziehn sie ins Land hinaus.


Sie legen sich auf Straßen

in dichtem ,hellem Grau,

verwischen Kronen, Maße

der Bäume ungenau.


Mit ihren feuchten Händen

erfassen sie die Stadt,

ihr trüb’ Werk zu vollenden,

bis endlich Sonne hat

mit ihren Strahlenlanzen

sie ganz zurückgedrängt.


Nun darf das Leben tanzen

im Licht, das ihm geschenkt.

Ingrid Drewing

Garten im Herbst

Der kleine Grillplatz liegt verlassen

im Garten, wo das Laub sich häuft,

und auf der Bank, der regennassen,

nur eine Dohle trippelnd läuft.


Fliegt über den Lavendelbusch

hinauf ins Reich der Bäume,

so schnell davon, in einem Husch,

wie unsre Sommerträume.


Doch Herbst ist gnädig und gewillt,

uns all sein Gold zu schenken;

der Früchte Korb ist reich gefüllt,

wer mag da Trübes denken ?

Ingrid Drewing

Herbstsonne

Wie kühl der Tag nun morgens in das Leben blickt;

da heißt es, sorgsam warme Kleidung wählen.

Auch wenn er mittags uns ein strahlend Lächeln schickt,

es scheinen Himmel, Sonn sich zu vermählen.


Hat sie den Wolkenschleier endlich abgelegt,

erscheint die Sonne hell als goldne Braut,

die zart den blauen Himmel liebevoll umhegt,

mit warmem Blick das Erdenkind erschaut.

Ingrid Drewing

Frühherbst

Mag Frühherbst nun vollenden

dies’ Werk der Reife, Licht

und Sonnengold uns spenden,

mit milden, sanften Händen

verzögern den Verzicht.


Auch wenn im Nebeldunst

er morgens spät erwacht,

schenkt er uns mittags Gunst

als Maler seiner Kunst,
und blau der Himmel lacht.


Das Blattgold in den Zweigen,

des wilden Weines Wand

darf rot gefärbt sich zeigen,

Musik und Erntereigen

verschenkt er unverwandt.


Bucheckern, Eicheln, Nüsse,

Eichhörnchen birgt sie, hebt

sie auf, die Leckerbissen.

Kastanien, Spielgenüsse,

das Kinderherz erbebt.

Ingrid Drewing

Schmetterlingsbild

Ich sah sie tanzen, Schmetterlinge,

noch strahlend, leicht im Mittagslicht,

so als ob Sommer nie verginge,

das Leben sich erneut einbringe,

obgleich der Herbst schon zeigt Gesicht.


Sie ließen sich im Winde wiegen

und schwirrten vor der Efeuwand,

dort ,wo sich sanft die Ranken biegen,

im Immergrünen zu obsiegen,

ein schönes Lebensunterpfand.


Als sei Gewissheit nicht, nur Ahnen,

blick ich wie sie auf mein Geschick,

schreib mir das Leben auf die Fahnen,

missachte nahen Todes Mahnen,

erfreue mich am kleinen Glück.

Ingrid Drewing

Herbstseiten

Es kürzt der Tag die hellen Stunden,

empfängt uns schon mit kühler Nacht.

Der Frühherbst hat sich eingefunden,

beschert uns reich der Ernte Pracht.


Wir lieben sie, die goldnen Tage,

da Blätter glänzen gelb und rot,

bevor der Herbststurm ohne Frage

sie weht zum Welken in den Tod.


Wenn dann November Nebeldichte

vor Sonnenlicht und Auge hält,

dann schreiben Träume sich Gedichte,

und Sehnsucht mit dem Regen fällt.

Ingrid Drewing