Archive for the Category Herbst

 
 

Herbstfest

Noch blüht der Klee im Grün der Wiesen
und Gänseblümchens Sterngesicht
blickt freundlich, scheint uns zu begrüßen,
obwohl bereits der Herbst besticht.

Rotgelb färbt er der Bäume Blätter,
ist Gast im Hagebuttenstrauch,
begegnet uns mit Regenwetter,
doch Sonnengold verströmt er auch.

Dem Eichhorn hilft er Nüsse suchen
für einen langen Wintertraum,
verstreut die Eckern unter Buchen,
verweilt auch im Kastanienbaum.

Die Früchte, glänzend, braun und rund,
befreit er aus dem Stachelnest.
Das Kind bestaunt beglückt den Fund,
hält ihn als Schatz im Händchen fest.

Den Trauben schenkt er letzte Süße
so er im Sonnenschein erglänzt,
und uns erfreuen Winzers Grüße,
wenn er den Festtagswein kredenzt.

Ingrid Drewing

Nach dem Sommerfest

In einer Reihe,
zusammengeklappt,lehnen
Stühle an Tischen.

Lampions, Girlanden
in verblichenen Farben
hängen nass im Baum.

Blätter fallen sacht
decken die blanken Tische.
Der Herbst ist zu Gast.

Ingrid Drewing

Abendgedanken

Septemberabend, still im Garten

sitz ich, umspielt von lauer Luft,

genieß der Rosen letzten zarten,

betörend süßen Blütenduft.


Wie schwer das Abschiednehmen fällt,

erkennst du jetzt im Herbst des Lebens;

die Sonnenuhren abgestellt,

im Schwelen zündelst du vergebens.


Du musst leb wohl dem Sommer sagen,

der Sonnenbogen tiefer sinkt.

Statt Amselsang der Krähen Klagen

nur krächzend aus den Wipfeln dringt.


Genieß des Herbstes goldne Tage

sein Lied gewiss noch schön erklingt,

wenn auch des Nebels Schleier vage

dich kühlem Winter näher bringt.

Ingrid Drewing

Herbstmittag

Herbsttag im Garten, klares Blau
des Mittags lädt uns ein zu schweigen.
Die Sonne wärmt, die Luft ist lau,
und Blattgold schimmert in den Zweigen.

Nur ab und zu ein Rascheln, leise,
fast flüsternd, aus den Bäumen fällt
die Haselnuss auf ihrer Reise,
bevor das Eichhorn sie behält.

Ingrid Drewing

Herbstspiel

Astern,

kleine, violette

Gesichter im Garten

leuchten strahlend im Sonnenuntergang,

Herbstkinder

Herbstkinder,

fröhlich lachend

auf der Wiese;

ihre bunten Drachen tanzen

himmelwärts

Etwas

bewegt sich

unter dem Laub

neben dem hellen Asternhügel,

Igelglück.

Ingrid Drewing

Herbstfarben

Vom Herbst entflammt erglühen Bäume

und röten ihrer Blätter Gold.

Dies Farbenspiel erfüllt die Räume

in Wäldern, Hecken, Gärten hold.


Im stillen See das Spiegelbild,

der Baumparade Feuerpracht,

die leuchtend hier die Sehnsucht stillt

nach Leben vor der Nebelnacht.


Der Farben Zauber gleicht den Klängen.

Die Seele er zum Klingen bringt,

dass sie in jubelnden Gesängen

sich fröhlich aus dem Dunkel schwingt.

Ingrid Drewing

Herbstgerüche

Jetzt naht der Herbst mit seinen Wohlgerüchen,

erinnert an vergangne Kinderzeit,

als wir gespannt und brav in Mutters Küche

gewartet bis der gute Schmaus bereit.


Es roch nach Mus und leckrer Marmelade,

nach Pflaumen, Äpfeln, Nelken, Zimt, Anis,

ein kleiner Vorgeschmack der großen Gnade,

Adventszeitfreude, Weihnachtsparadies.


Auch auf den Feldern die Kartoffelfeuer

nach einem arbeitsreichen Erntetag

waren mir damals noch recht lieb und teuer,

wie wenig doch den Hunger stillen mag.


Es sind die kleinen Freuden, die wir lieben,

und ein verklärter Blick zurück nun schaut,

das, was uns rührte, zärtlich ist geblieben

als teurer Schatz, dem unser Herz vertraut.

Ingrid Drewing

Vorahnung

Ich sah den Herbst

in deinen Zweigen

und hoffte dennoch,

dieser Sommer

währt noch lang.


Ein Blatt,

das abwärts gleitend

meine Wange streifte,

nahm mahnend Abschied,

und mir wurde

tränenbang.

Ingrid Drewing

Herbstbeginn

Nun schließt der Sommer bald die hellen Augen

und bettet sich für lange Zeit zur Ruh’.

Der junge Herbst will als Ersatz uns taugen,

beeilt sich und läuft lachend auf uns zu.

.

Er ist bekannt als lustiger Geselle.

Den Kindern trägt er Drachen in den Wind.

Auch in den Gärten ist er gern zur Stelle,

küsst Astern wach, macht Früchte reif geschwind.


Lässt Sonnenlicht noch pralle Trauben herzen,

damit sie Süße bringen in den Wein;

ist heiter, aufgelegt zu flotten Scherzen,

ruft schalkhaft: “Fangt die Hüte wieder ein!“


In frischer Luft und hehr im Golde strahlend

zeigt er uns üppig seiner Blätter Pracht,

bevor er sie, mit roten Tönen malend,

zum Flammenkleid der Wirbelwinde macht.


Lasst gönnen uns dem Sommer diese Pause,

begrüßen wir die nächste Jahreszeit!

Wer froh nach vorn schaut, fühlt sich wohl zu Hause,

wenn auch einmal ein wildes Wetter graut.

Ingrid Drewing

P h ö n i x

p-hoenix-kopieOh Feuervogel Leben!

Nun, da der Sommer endet

und, einem Maler gleich,

an Künsten reich

in Farben sich verschwendet,

wirst du, vom Licht gesendet,

für eine lange Zeit

in kühlen Höhen schweben,

bis du, zum Frühlingsflug bereit,

in strahlend neuem Flammenkleid

die Erde lässt erbeben.


Ingrid Drewing