Archive for the Category Besinnliches

 
 

Lichtkinder

Alles drängt doch hin zum Licht,

in der Blumenwiese Blühen,

grünes, farbiges Bemühen,

hin zur Sonne heißt die Pflicht.

Und auch in der Bodenkrume,

wenn die Pflanze sanft erwacht,

findet keimend sie nach oben

durch der Erde dunkle Nacht.

Des Lichtes Kinder sind wir alle,

Pflanzen, Tiere, Menschenschar,

werden, leben auf und fallen

in dem Kreislauf wunderbar.

Ingrid Herta Drewing

Calendula

Calendula, du Blumenschöne,
jetzt bist du wieder hell erblüht;
dein Sonnenantlitz sendet Töne
mir golden strahlend ins Gemüt.

Erfreutest mich schon nach dem Kriege,
als ich war Kind, im Trümmermeer
war mir dein Anblick Lebenswiege,
du wuchst, wo alles schien so leer.

Ich war noch klein, und deinen Namen,
den hab’ ich damals nicht gekannt
wohl sammelte ich deinen Samen,
hab’ dich „mein Sonnenkind“ genannt.

Das bist du mir bis heut’ geblieben.
Nun schau ich schon nostalgisch hin.
So vieles, was als Kind wir lieben,
erfreut im Alter noch den Sinn.

Ingrid Herta Drewing

Bergauf

Auf verschlungenen Pfaden

führt langsam der Weg bergauf,

fröhliche Eskapaden

bestimmen hier nicht den Lauf.

Hier heißt es sich konzentrieren,

bündeln die Kräfte, den Sinn,

zielgerichtet parieren,

Gefahrenstopp im Beginn.

Mögen auch Stürme toben,

Wolken am Himmel dräuen,

ist doch die Hütte dort oben,

die dir Schutz gibt von Neuem.

Ingrid Herta Drewing

Virtuell gelebt

Die Stellvertreter, die so viele haben,

Idole, die bestimmen fast ihr Sein

sie weisen schnell auf jene Gaben,

die man gern hätte ganz für sich allein.

Die Medien sind die großen Tummelplätze,

hier aalt man sich und lebt im schönen Schein.

Es gilt zu orten der Dramatik Schätze,

zu lullen sich in Sensationen ein.

Statt selbst zu handeln, lebt man virtuell,

ob es Gefahr, ob’s heiße Liebe ist.

Identitäten wechseln hier recht schnell,

so dass man seine eigne fast vergisst.

So mag wohl mancher, ohne nachzudenken,

sein eignes Leben achtlos dort verschenken.

Ingrid Herta Drewing

Kraft der Stille

In der Stille hörst du Klänge,

in der Stille wirkt das Wort,

und der Poesie Gesänge

werden dir zum Lebenshort.

Sie verleihen dir die Schwingen,

dich zu tragen in das Licht,

wo der goldnen Vögel Singen

aller Nächte Schmerz durchbricht.

Und beglücken deine Tage,

öffnen alle Himmel weit,

heilen dich von Sorgen, Klage,

finden liebend dich, bereit.

Froh dem Nächsten zu begegnen,

hellen Blickes, sanft die Hand,

glaubend, Gott wird gütig segnen,

was die Freude schön verband.

Ingrid Herta Drewing



Im Blickpunkt

Ja, vieles, was wir auf der Welt bestaunen,
hat Wert nur für die Stunde und den Tag,
für kurze Zeit ins Licht gestellte Launen,
ein Strohfeuer, das wer entzünden mag.

Was lange währt, wächst meistens still, verborgen
und zeigt bescheiden sich trotz seiner Kraft.
Sich zu verschenken, widmend auch dem Morgen,
weicht es auch Schwerem nicht, wenn es erschafft.

So viele Künstler, Forscher und Gelehrte,
im Schatten wirkten sie in ihrer Zeit.
Ihr Werk, das in der Güte sich bewährte,
steht für die Menschheit heute noch bereit.

Wer schärft den Blick uns, lehrt uns, was gediegen,
damit wir nicht der Mode Wahn erliegen.

Ingrid Herta Drewing

Taten

Wer nur in Worten haust, gerät in Not,
auch andre Werke gilt es zu erbringen.
Den Tatenlosen wird das Wort zum Brot,
verstecken sich, verschleiern alle Dinge.

Zwar heißt es, sinnvoll alles zu bedenken;
jedoch nicht auszusitzen alle Zeit.
Es darf nicht sein, die Zukunft zu verschenken,
weil man zu klugem Handeln nicht bereit!

Ingrid Herta Drewing

Lebenszeit

Die Jahre sind so schnell dahin gegangen,
die Binsenweisheit, die das Leben lehrt.
Kaum hat ein Leben leuchtend angefangen,
ist es vorbei, fällt welkend hin zur Erd’.

Zum Glück muss man es nicht gerafft erleben.
Die Zeit, sie zieht sich in der Kindheit hin,
auch in der Jugend Glück, wenn wir erbeben,
sind wir dem Augenblick verhaftet, froh der Sinn.

Auch lernen wir, das Dasein zu gestalten,
und filtern, was uns wesentlich, heraus.
Die so gefüllte Zeit, ein sorgsam Walten,
schenkt uns Geborgenheit, wir sind zu Haus

Drum würde man gern immer hier verweilen,
jedoch das Leben muss zu neuen Ufern eilen.

Ingrid Herta Drewing

Vor Sonnenaufgang

Wie ich sie liebe, diese Stille,

wenn Tag und Nacht einander grüßen,

bevor der Sonne goldne Fülle

wird strahlend sich ins Tal ergießen.

Ein Dämmern, zarter Wimpernschlag,

und sanft erblickt die kleine Welt

im Morgenlicht den jungen Tag.

Die Lerche singt, steigt hoch im Feld.

Schon bald erklingen tausend Stimmen

in einem hellen Jubelchor.

Das Leben will sich freudig trimmen

und steht erwartungsvoll am Tor.

Ingrid Herta Drewing

Sommermorgen

Das ist ein Sommermorgen, den ich mag.
Ein klarer Himmel grüßt in hellem Blau.
Die Schwalben tanzen schwebend in den Tag,
vom Fluss her bringt der Wind ein Lüftchen lau.

Die Sonne, kaum erwacht, gefällt sich strahlend,
blickt zärtlich lächelnd auf die kleine Stadt,
die goldnen Grüße auf die Fenster malend,
bis ihren Weckruf man vernommen hat.

Nun findet Leben seine Spur, versonnen,
ins Licht noch blinzelnd, steht es langsam auf.
Der Alltag winkt, die Arbeit wird begonnen,
ein neuer Tag nimmt sanft nun seinen Lauf.

Ein Tag, der schon am Morgen Freude bringt
und lieblich in des Sommers Armen schwingt.

Ingrid Herta Drewing