Archive for the Category Besinnliches

 
 

Sommermorgen

Ein frischer Morgen hisst die blaue Fahne
nach einer Nacht, die kühl und sternenklar.
Die ersten Sonnenstrahlen lassen ahnen,
dass heut’ ein heller Tag  wird für uns wahr.

Schon wiegen sich die Schwalben in den Lüften,
die Grünfink Scharen wirbeln flugs dahin,
und Bienen folgen zarten Blütendüften.
Ich sitz’ auf dem Balkon, froh ist mein Sinn.

Gekuschelt noch in eine warme Weste,
schau ich mir an dies schöne Morgenbild,
seh’, wie die Vogelmutter trägt zu Neste
und höre, wie das Leben, sanft gewillt,

nun munter wird, den Sommertag ergründet
und konzertierend seinen Rhythmus findet.

Ingrid Herta Drewing

Phönix III

Ja, Feuervogel Leben,
in deinem goldnen Tanz
mag traulich ich auch schweben,
mich wirkend froh verweben
in diesem hellen Glanz.

Auf Gottes schöner Erde,
im satten Hoffnungsgrün
zeigt mir dies „stirb und werde!“
den Weg, die klare Fährte,
und führt mich hin zu ihm.

Ingrid Herta Drewing

Ausweg

Es fassen in die Stille deine Blicke,
beschwören Bilder, deren Kraft allein
dir weist zum Leben hin die feste Brücke,
und dich beglückt in deinem Einsamsein.

Erinnerung ruft jene Stimmen wieder,
die schon verklungen, aber noch vertraut;
Gesichter , Gesten, wohl bekannte Lieder,
dein Auge inniglich und lieb erschaut.

Ein mildes Lächeln aus vergangnen Zeiten
mag zärtlich breiten seine Arme aus,
um dich behutsam, treulich zu geleiten
ins Leben, auf den neuen Weg hinaus.

Ingrid Herta Drewing

Segelflug

Wolkenleicht am Himmel schwebend,
gleitet sanft er leicht dahin.
Segelflug, das ist sein Leben,
dafür gibt er vieles hin.

Denn hier oben über Feldern
darf er frei im Aufwind fliegen,
sieht herab auf dunkle Wälder,
die wie grüne Kissen liegen.

Alles Irdische dort unten
wirkt so klein und weit entfernt.
In den hellen Segelstunden
hat er Lebenssicht gelernt.

Lässt sich von den Nichtigkeiten
auch im Alltag nicht erdrücken,
sieht die hellen, frohen Seiten,
die sein Leben reich beglücken.

Ingrid Herta Drewing

Hummelflug

Es müht sich eine Hummel, Fuß zu fassen

bei einer zarten Glockenblume.

Sie will sich auf der Blüte niederlassen,

den Nektar holen, Nahrungskrume.

Jedoch sie hat dabei kein Glück.

Das sanfte Blümchen schwankt im Winde,

zieht so verneinend sich zurück.

Die Hummel keinen Halt dort findet.

Sie fliegt nun weiter zur Margerite,

lässt sich dort nieder unbeschwert

und saugt aus deren gelber Mitte

den Nektar, den sie so begehrt.

Am rechten Ort, zur rechten Zeit,

da findet meistens sich das  Glück.

Das Leben hält so viel bereit,

nicht immer sieht’s der erste Blick

Ingrid Herta Drewing

Margerite

Sie schlummerte drei Jahre, Margerite,
in meinem Garten; plötzlich nun erwacht,
blüht sie in vieler Schwestern Mitte
und hat ihr Sternenlächeln mitgebracht.

Du siehst, das Leben wächst ganz ohne Eile.
Es sammelt in der Erde seine Kraft.
Darum, oh Mensch, schätz’ das Verweilen,
beschaulich du dann Schönes auch erschaffst.

Ingrid Herta Drewing

Sommerglück

Der Sommer schenkt uns lange Tage,

es badet die Natur im Licht,

und alles, was zuvor nur vage

im Grauen währte, zaghaft fragend,

das zeigt sich nun in klarer Sicht.

Und wohlig in den warmen Strahlen

– der Himmel zeigt sich hell und offen –

darf Leben frohe Bilder malen,

das Schöne heilt die dunklen Qualen.

Es blühen Glaube, Liebe, Hoffen.

Ingrid Herta Drewing

Rechtzeitig

Was lebt, das sucht sich seine Zeit
und auch den Ort für seine Weile.
Wir Menschen, meistens nicht gescheit,
uns jagt des Tages Eitelkeit,
sind oft bedenkenlos in Eile.

Obwohl wir es doch wissen sollten,
dass alles, was so rasch entsteht,
noch eh’ es etwas hat gegolten,
längst als vergangen wird gescholten
und schnell im Tageslicht vergeht.

Nur was solide wird gebaut,
was wir gehegt und treu erschaut,
das wird uns auch beglücken.
Mag ’s auch die Zeit entrücken,
es bleibt uns innig lieb vertraut.

Ingrid Herta Drewing

Sommerlächeln

Der Sommer öffnet golden seine Pforten,
und in den Gärten duften die Reseden.
Es flüstern Rosenblüten allerorten
von Sehnsucht, Liebe, Glück; die zarten Worte,
sie leuchten glühend und erfreuen jeden.

Und wohlig auch empfängt ein sattes Grünen
den Blick, der träumend sich darin verliert.
Die Efeuwand, sie wuchert im Erblühen
und schützt die Vogelkinder, die nun ziehen
zaghaft ins Freie, zwitschernd ungeniert.

Besuchen mich schon mal am frühen Morgen
– ich sitz beim Frühstück gern auf dem Balkon-
Sie kommen dann, ein Krümchen sich zu borgen,
das Wasser aus der Tränke zu besorgen
und fliegen flatternd wieder flugs davon.

Ingrid Herta Drewing

Frühsommer

Ein Flüstern in den Wäldern;

das Bächlein plätschert sacht.

Es blühen blau die Felder,

Lavendelduft in Pracht.

Und wispernd in den Wiesen

flirrt zart der Sommerwind,

der rote Mohn mag grüßen

das schön bekränzte Kind.

Es tanzt dort, selig träumend,

und singt sein helles Lied.

Im Schatten alter Bäume

ich sitz‘, froh mein Gemüt.

Und  fühle mich geborgen

in diesem Sommerglück,

ich  frage nicht nach  Morgen,

verwehr’ der Zeit den Blick.

Ingrid Herta Drewing