Archive for the Category Besinnliches

 
 

Tod

Enlros

Jäh bricht der Tod ein in des Menschen Leben,
das eben noch verheißungsvoll erblüht’,
und Dunkel legt sich lähmend auf das Streben,
die Frage nach dem Sinn wird neu bemüht.

Der Schmerz der Überlebenden, die Klage
um den geliebten Menschen, der gestorben,
sie zeigt uns nun zu deutlich, das wir vage
dies Dasein nur verstehen, kaum erworben.

Wenn kalt die Hand des Todes nach uns fasst,
wird uns bewusst, wie wertvoll dieses Leben,
einmalig uns als ein Geschenk gegeben,
und nicht, wie oft empfunden, eine Last.

Drum meidet doch den Streit um Nichtigkeiten,
beginnt einander liebend zu begleiten!

Ingrid Herta Drewing

Am Strand

Meer

Ein stiller Sonntag ruht noch in den Gassen,

und Mittagssonne thront am Firmament.

Nur eine weiße Wolke zieht, verlassen

scheint dieser kleine Ort, den kaum wer kennt.

Am Strand, Kiel oben, Fischerboote liegen,

heben sich farbig ab vom hellen Sand,

wo sich die aufgespannten Netze wiegen

im leichten Winde, der hier weht aufs Land.

So einsam hab’ ich keinen Weg beschritten,

und dennoch war das Leben mir so nah.

Von allem weit entfernt, was einst durchlitten,

erschien mir dieses Erdendasein klar.

Es schenkt uns Ruhe die Besonnenheit,

die uns von Last und Sorgen sanft befreit.

Ingrid Herta Drewing

Mondsolo

Luna

Nun wird der Tagesmond im Blau erblassen;
noch gestern sang er silbern in die Nacht.
Ich konnte meinen Blick nicht von ihm lassen,
als ich von seinem Scheine aufgewacht.

Wohl im Kontrast nur kann sich vieles zeigen
und wirkt auf dieser Bühne kurze Zeit.
Der Mond, vor dessen Kraft sich Meere neigen,
er liebt für seinen Auftritt Dunkelheit.

Umringt vom Tanz und Funkeln vieler Sterne,
erscheint er dann, bietet sein Solo dar,
als gäbe es nur ihn, man glaubt es gerne.
In seinen Bann zieht er uns silberklar.

Denn mag auch manches anderswo bestehen,
es macht uns das betroffen, was wir sehen.

Ingrid Herta Drewing

Erdung

Enlros Und würde mir ein Engel jetzt auch preisen
die Pforte in ein fernes Paradies,
ich fürchte wohl, ich würde nicht verreisen,
mir ist dies Erdenleben kein Verlies.

Hier lebe ich und fühle  mich verwurzelt
und nehme in mich auf mit allen Sinnen
das Schöne  dieser Welt, blühend Beginnen.
Hier hause ich, bin nicht nur hingepurzelt.

So bete ich zu Gott um mein Verweilen
auf der geliebten Erde noch die Zeit,
bis meiner Lebens-Sehnsucht Träume heilen,
und sich ermattet hält mein Geist bereit.

Dann mag der Engel kommen und mich führen
in dieses Jenseitsreich ewiger Macht.
Vielleicht werd ich auf andre Weise spüren,
was Gott aus Sternenstaub noch hat vollbracht.

Ingrid Herta Drewing

Der Schlüssel

Key

Des Menschen Schlüssel ist die Frage,
sie öffnet ihm verschlossne Türen.
Schon seit der Frühgeschichte Tage
lässt er sich wissbegierig führen.

Es ist dies drängende Warum,
das ihn bewegt und weiter bringt.
Ansonsten säße er noch dumm
in Bäumen, wo kein Vogel singt.

Und dennoch weiß er, wenn er weise,
die letzte Antwort ist verwehrt.
Sie bleibt ihm auf der Erdenreise,
trotz Schlüssel, glaubend nur geklärt.

Ingrid Herta Drewing

tp://www.drewing.de/blog,“Key

Steinalt

DSCI0001

Wie friedlich diese Landschaft scheint,

im Lebensgrün des Frühlings flutend.

Die Fauna, sich nicht minder sputend,

im Bild harmonisch ist vereint.

Der alte Fels, Millionen Jahre,

aus Kalk im Meere einst entstand,

zeigt sein Gesicht zerfurcht, das klare,

im Aufschluss an der steilen Wand.

Als wisse er um all dies Werden,

Vergehen, Wachsen, neu Entstehen

auf dieser wandelbaren Erde,

die er, hier lächelnd, kann verstehen.

Ingrid Herta Drewing

www.drewing.de „landscape“Original

Kunstgenuss

Stinfi

Ein Mensch, gebildet, Kunst beflissen,

im Modern-Art-Museum stand

und fragte staunend sein Gewissen,

ob’s Kunst sei, was sich dort befand

Groß eine Faust prangt als Skulptur,

nach oben hin geöffnet nur,

den Mittelfinger deutlich zeigend,

die Linie senkrecht aufwärts steigend.

Was hier zum Himmel aufgereckt,

der Schauende zwar schnell entdeckt;

doch sagt er sich nun unverhohlen,

man wolle ihn nur frech verkohlen.

Ingrid Herta Drewing

Foto von Ingmar Drewings Zeichnung Nr.133
(www.drewing.de)

Wandlung des Frosches

DSCI0009

Und hoffend sprangst du munter auf die Stufen,

wähltest den breiten Weg zum Festtagssaal.

Von Ferne warnte dich zwar noch ein Rufen,

die Mahnung, dies sei nicht die rechte Wahl.

Ersehnend Wandlung, endlich ein Erlösen,

befreit zu sein von dunklem Zauberbann,

entfliehend  aus der Macht des Ruinösen

ins Leben, das die Liebe schenken kann.

Ach hoffnungsgrünes, kleines Froschgesicht,

wie kämpftest du, welch sehnendes Verlangen!

Sie blickte dich befremdet an, dein Bangen,

dein klopfend Herz, sie sah und fühlt’ es nicht.

Doch als Fortunas Abscheu dich verwarf,

du dich dort wieder fandest an der Wand,

erwachten klar, dich heilend, messerscharf

erkannt, Selbstwertgefühl und dein Verstand.

Ingrid Herta Drewing

Verlorenes Schaf

Schaf

Was macht ein klitzekleines Schaf

hoch auf dem Fels im Meere?

Verloren steht es da, ganz brav,

und starrt ins Ungefähre.

Was hat der Zeichner sich gedacht?

Wollt’ er an Mitleid rühren?

Wer hat das Schaf dorthin gebracht?

Kein Schiff kann dahin führen.

Ich hab’s, das Schaf ist gar nicht echt,

als Stofftier fiel es runter

vom Schlitten, als der Knecht Rupprecht

am Mondstrahl glitt hinunter.

Drum muss, zum Glück, der Tierschutzbund

keinen Protestbrief schreiben.

Der kleine Prinz auch lächelt und

kann noch als Fan hier bleiben.

Ingrid Herta Drewing

Foto
zu Ingmar Drewings Zeichnung Nr.115
„Dessine Moi Un Mouton“
(www.drewing.de )

Eschers Bilder

Und deine Bilder, die die Blicke streifen,
sie gaukelnd leiten zu verwirrter Sicht,
verzaubern, lassen uns in Räume schweifen ,
die wir erschauen, aber fassen nicht.

Denn immer, wenn wir meinen, klar zu sehen,
erkennen wir, uns blendet nur der Schein,
und alles ernste, wissende Verstehen
entlässt uns fragend nach dem wahren Sein.

So ist’s mit vielem, was wir kühn behaupten;
es löst sich plötzlich auf, ist Schall und Rauch.
Wir bleiben Suchende, selbst wenn wir glaubten
am Ziel zu sein, den Sinn zu wissen auch .

© Ingrid Herta Drewing