Archive for the Category Besinnliches

 
 

Herbstrose

Es löscht der Herbst das Licht in den Kastanien,

und Schatten  krächzen rostig im Geäst.

Verblichen blicken auf Balkonen die Geranien,

noch zehrend von des Sommers Jubelfest.

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Doch strahlend blüht im Garten noch die Rose,

entfaltend ihre purpurfarb’ne Pracht.

Sie grüßt im Nebelgrau als Zeitenlose,

die sonnengleich  noch Glut entfacht.

Ingrid Herta Drewing

Mauerfall ’09

dsci0002Ja, mögen alle Mauern dieser Welt

auf solche Weise zügig fallen,

wie diese hier, symbolisch aufgestellt,

in Dominos zu Boden prallen.


Die Mauern in den Herzen und den Köpfen,

sie müssen schwinden und die Schranken

der egoistischen Gedanken,

die sich im Kreise dreh’n ums Werte Schöpfen.


Das Bild der Einen Welt, es sollte leiten

wohl unser täglich Tun und Planen.

Die Liebe hisse ihre Fahnen,

gemeinsam gehen in die neuen Zeiten !

Ingrid Herta Drewing

Spätherbst-Idylle

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Jetzt kommt die Zeit,

da schätz‘ ich warme Puschen

und heißen Tee, mit Kandis gut gesüßt,

wenn abends schon vermummte Schatten huschen,

und auf den Straßen man nur flüchtig grüßt.


Das warme Nest behaglicher Gefühle

erwartend, eil‘ ich rasch nach Haus,

zieh mit dem dicken Mantel, Schalgewühle,

auch alle Tagessorgen hurtig aus.


Im lauschig warmen Zimmer sitzen, lesen,

leise Musik erklingt, umspielt mein Ohr;

und du in meinem Arm, geliebtes Wesen,

liest mir beglückt aus Rilkes Dichtung vor.

Ingrid  Herta Drewing

Schöne Erde

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Vielfältig, schön ist das Antlitz der Erde,

hell erscheinend im Glanze des Lichts.

Jeder Strahl , der in Farben sich bricht,

enthüllt es mit Zaubergebärde ,

dies liebliche Leben und Werden ,

das im Dunkel als Hoffnung noch spricht.


Vielfältig , schön sind die Klänge der Erde,

leise ertönend , tiefbrausend ,laut.

Jedes Lied , das erklingt ,zart vertraut ,

entkleidet mit Geigergebärde

die Seele der stummen Beschwerde ,

Harmonie wird in Liebe erschaut.


Vielfältig ,schön sind die Düfte der Erde,

herb und würzig, süß , lieblich und mild.

Jede Blüte , sich öffnend , erfüllt ,

weithin duftend, die Wiesenmeere ,

und die Bäume ,Kräuter und Ähren

verströmen sich zärtlich und wild

in der Erde betörendem Bild.

Ingrid Herta Drewing

Herbstfeuer

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Gezündelt hat der Herbst im Garten;

aus Büschen, Bäumen lacht es golden, rot.

Er mischt der Farben helle Karten,

und Flammendrot ist nun Gebot.


„ Wer hält dagegen?“, mag er rufen.

Der Himmel zeigt sein sanftes Abendrot,

und Wind wirft Blätter auf die Stufen.

Nichts bringt des Herbstes Feuerwerk in Not.


Als gelte es sich einzubrennen

ins Guinnessbuch als beste Jahreszeit,

lässt er sein Goldgesicht erkennen,

gehüllt in eines Königs Purpurkleid.


Wir freuen uns, sind hingerissen

von dieser Schönheit, diesem Farbkontrast,

zumal wir mit Bestimmtheit wissen,

dass bald dies’ leuchtend’ Leben ist verblasst.

Ingrid Herta Drewing

Sterne

Wie klar die Sterne,

in den Nächten funkeln

in ihrem silberhellen Licht,

aus weiter Ferne

finden aus dem Dunkel,

das tief das All nimmt in die Pflicht.

galaUnd viele Sterne

schon vor langer Zeit verglüht,

verkünden uns im Glitzertanz,

wir sehn es gerne,

dass längst Verlorenes erblüht

am andern Ort in neuem Glanz.

Ingrid Herta Drewing

Herbstbild

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Noch blühen Rosen,

doch der Sonnenblumensterne

erstarrter Blick zeigt leere Augen.

Der Vögel Kosen

galt den prallen Früchtekernen,

herausgepickt, als Mahlzeit taugend.


Des Nebels Hände

feucht nach zarten Blüten greifend,

verschenkten gnädig Perlentau.

Und im Gelände,

wo noch späte Äpfel reifen,

liest auf das Fallobst eine Frau.


Auch unser Leben

wird einmal zur Erde fallen

wie diese Äpfel, Licht gereift,

sich nun ergeben.

Doch hoffe ich, dass uns dann alle

so gütig Gottes Hand ergreift.

Ingrid Drewing

Herbstkirschen

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Dort, wo im Juni süße Kirschen reiften,

erglüht der Baum in feuerrotem Kleid.

Die Dohlen, die als Diebe ihn oft streiften,

besuchen ihn in Scharen auch zur Zeit.


Als träumten sie vom Sommer, seinen Gaben,

erinnert durch die rote Blätterpracht,

wie wir uns gern noch in Gedanken laben

an Sonnenglut und wilden Meeres Macht.


Doch mag es sein, sie spüren, dass das Leben

im Farbenrausch des Herbstes sich versprüht,

bevor die Kälte nach den Nebelweben

todähnlich alles Schöne überzieht.

Ingrid Herta Drewing

Musik

Es nimmt ein Lied mich zart gefangen,

entführt in Klänge, Harmonien,

so schwebend leicht wie Wolken ziehen.

Mein Herz, zuvor im Weh befangen,

fühlt sich beschwingt, im Licht erblühend.


Musik mit ihren Zauberhänden

vermag, was sonst nur Liebe kann,

uns zu ergreifen tief, den Bann

zu lösen, Lebensmut zu spenden,

denn sie rührt unsre Seele an.

Ingrid Herta Drewing

Fremde Schuhe

In fremden Schuhen viel zu lang gelaufen,

gefolgt dem, der voran dir schritt;

den Kopf verwirrt, Gedanken sorglos kaufend,

schwammst du in jeder Welle mit.


Besinne dich auf deine eignen Gaben!

Es gibt den Weg, der zu dir passt.

Vergiss, was andre dir befohlen haben,

sie sind auf Erden auch nur Gast.


Geschenkt ist dir dies eine, ja dein Leben,

und frei bist du, ein Kind in Gottes Hand.

Sein Segen liegt auf deinem guten Streben,

drum wag es, nimm dein Leben in die Hand!

Ingrid  Herta Drewing