Archive for the Category Besinnliches

 
 

Hoffnung

Wo sie nicht ist, da gibt es kein Erbarmen.

Wer sie nicht kennt, hat richtig nie gelebt.

Wer sie verschmäht, der liegt in Todes Armen,

doch wer sie hegt, mit Engelsflügeln schwebt.


Die Hoffnung schenkt uns Kraft und Selbstvertrauen.

Sie trocknet Tränen, tröstet dich im Schmerz.

Sie lässt dich aufrecht gehend Zukunft schauen

und sät die Freude in das müde Herz.


Sie nährt des Lebens Quelle, und der Liebe

schreibt sie Vertrauen hell ins Angesicht.

Auch Schönheit, Poesie, dies alles bliebe,

der Hoffnung bar, nur Flimmern ohne Licht.

Ingrid Drewing

Ausweg

Es fassen in die Stille deine Blicke,

beschwören Bilder, deren Kraft allein

dir weist zum Leben hin die feste Brücke,

und dich beglückt in deinem Einsamsein.


Erinnerung ruft jene Stimmen wieder,

die schon verklungen, aber noch vertraut;

Gesichter , Gesten, wohl bekannte Lieder,

dein Auge inniglich und lieb erschaut.


Ein mildes Lächeln aus vergangnen Zeiten

mag zärtlich breiten seine Arme aus,

um dich behutsam, treulich zu geleiten

ins Leben, auf den neuen Weg hinaus.

Ingrid Drewing

Anmut

Sie schien der Sterne hellen Glanz im Haar zu tragen

und schritt so federleicht, gewandt auf weißem Kies,

doch niemand fand die Worte, arglos sie zu fragen,

wohin sie ging und was ihr Kommen nun verhieß.


So als sei Anmut nur geliehen hier auf Erden,

uns überlassen kurz von einem fremden Stern,

der in der Silbernacht sie lässt erglühend werden,

von einer Zauberhand geleitet, die uns fern.


Und immer, wenn wir sie bei Tageslicht erschauen,

sind wir ergriffen und erfüllt von zartem Sehnen,

als riefe sanft ein Lächeln, hieße uns vertrauen

dem Paradies, dem mild die Träume wir entlehnen

Ingrid  Herta Drewing

Wetterleuchten

Mir war, als fühlte ich beim Wetterleuchten,

das mir von ferne sandte sein Signal,

des Lebens Schönheit und auch seine Qual,

der Jahre Glanz und Klang und die verscheuchten

Gedanken an ein Ende ohne Wahl.


Wer weiß, dass er bald Abschied nehmen muss,

dem scheint das Dasein so unsagbar schön.

Wie gern er bliebe, wenn es heißt zu gehn!

Doch wartet schon sein Boot am dunklen Fluss

und Hoffnung auf ein fernes Wiedersehn.

Ingrid Drewing

Sicht und Sinn

Und eine Wolke, die am Himmel schwebte,

so klein und weiß, ja fast verlassen sich befand

im Blau, das sie kontrastreich doch belebte,

bis sie im Sonnenlicht, sich langsam lösend, schwand.


So sanft stirbt vieles, löst sich auf im Licht,

im breiten, hellen Strom des Erdenlebens.

Der Mensch erkennt oft die Bedeutung nicht,

wild strampelnd in dem Strudel seines Strebens.


Schwach wie wir sind, sehn wir uns groß im Traum,

beachten vieles hier auf Erden kaum

und suchen nach dem Glück in weiter Ferne.


Doch alles, sei es auch unscheinbar klein,

erfüllt hier seinen Sinn im großen Sein,

im Galaxienraum der hellen Sterne.

Ingrid Drewing

Auf See

Wir fühlen uns von sanftem Wind getragen,

begleitet durch den Ozean der Zeit.

Es brechen sich die Wellen und die Fragen

an Klippen, die das Leben hält bereit.


Das kleine Boot, dem Schiffbruch knapp entronnen,

schwimmt immer noch ganz tapfer auf dem Meer.

Die Segel sind gehisst, nun wird begonnen

die letzte Fahrt, das Steuern fällt schon schwer.


Wir halten Kurs, ein guter Stern uns leitet,

und finden wohl die Insel unterm Wind.

Das Boot im Sonnenlicht dahin nun gleitet.

Es kehrt die Seele heim, ein freudig Kind.

Ingrid Drewing

Traum

Mir träumte schön von einem Garten,
gar reich erfüllt von Blütenduft,
wo singend bunter Vögel Arten
erheben leicht sich in die Luft.

Dort äsen Rehe auf der Wiese,
ganz ohne Scheu ,doch elegant,
und alter Bäume grünes Sprießen
schenkt Schatten dort mit milder Hand.

Und Menschen wandeln zeitlos, heiter,
ihr Lächeln von der Liebe spricht.
Sie sind des Glückes Wegbereiter
und fürchten Tod und Stunde nicht.

Es scheint, sie haben längst vergessen
dies’ irdisch Los, auch Müh und Plag,
so sanft sind sie, von nichts besessen,
was ihren Geist zu lähmen mag.

Sie singen, und sie musizieren
und widmen sich der Poesie.
Die Zeit im Schönen zu verlieren,
ist ihres Liedes Melodie.

Und unter Sternen traulich leben
in Frieden und in Harmonie.
Ich sah den Ort im Traum entschweben.
Doch blieb ein Hauch
von Poesie.

Ingrid Drewing