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Leben

Die Jahre deines Lebens sind bemessen,

auch kennst du nicht den Tag, die Stunde,

wann du verlassen wirst die Runde,

dies Dasein hier für immer musst’ vergessen.


Besiegst dies Los im täglichen Verdrängen,

damit du leben kannst und lieben,

mit andern dich im Menschsein üben,

in Traum und Phantasie entflieh’n der Enge.


Im Glauben, auch in hellem, frohem Hoffen

erwartest du ein Paradies, das offen

am Ende deiner Erdenpfade.


Doch ganz dem Ruf des Lebens zugewandt,

fühlst du, als Kind des Lichtes auch gesandt,

schon hier auf Erden Gottes Gnade.


Ingrid Drewing

Mai

Der Mai zeigt sich als kecker Wicht,

sprüht froh mit frischem Regen;

die Bäume duscht er im Gesicht,

zupft Blüten ab verwegen.


Doch hat er prächtig über Nacht

als Gärtner großer Güte

den grünen Glanz hervorgebracht

aus seiner Wundertüte.


Die Erde blütenreich geschmückt,

den Brautstrauß lieb gebunden.

Das Vogelvolk im Nestbauglück

hat singend sich gefunden.


Wir Menschen fühlen, leicht und frei,

auch uns lacht jetzt das Leben;

trotz Krise, Sorgeneinerlei

woll’n wir nur vorwärts streben.

Ingrid Drewing

Abend auf dem Balkon

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Ein Flugzeug schneidet silbern Himmelsblau,

ein leichtes Dröhnen, das sich sacht entfernt.

Zum Abendbrot ruft lautstark eine Frau

ihr Kind im Hof, das Rollschuh fahren lernt.

Ein Fenster klappert, wird dann fest geschlossen,

und wiederum geöffnet eine Tür,

die Pflanzen des Balkons noch schnell gegossen.

Zwei Häuser weiter übt noch wer Klavier.

Und endlich krönt der Amsel Lied die Stille,

von fern tönt leise Abendglockenklang.

So endet eines Frühlingstages Fülle,

hauchzart errötend, Sonnenuntergang.


Ingrid Drewing

Nachmittag im Frühling

Nachmittagssonne, und ihr sanftes Licht

lädt zum Verweilen ein in Park und Garten,

wo zarter Blüten Duft von Frühling spricht

in vielen farbenfrohen Blumenarten.


Vom nahen Spielplatz helle Kinderstimmen

verbreiten wie die Vögel Heiterkeit.

Im Blütenmeer sorgt das Gesumm der Immen

und Hummeln für Beschaulichkeit.


Nur manchmal stört die friedliche Idylle

ein Martinshorn; zur Unfallstätte fährt

der Notarztwagen, zeigt, dass Lebensfülle

und Glück bleibt selten lange unversehrt.

Ingrid Drewing

Primaballerina

Du schwebst und tanzt die Pirouetten

so federleicht, als sei dies nur ein Traum,

in den die Engel dich gerufen hätten,

mit dir zu fliegen in des Himmels Raum.


Musik verleiht dir sanfte Flügel,

und deine Arme zart im Takte schwingen,

ein Pegasus im Seelenzügel

hebt dich empor, lässt helle Sterne singen.


Wir schauen staunend, der Magie erlegen,

wenn uns dein Tanz mit Zauberkraft entrückt,

vergessen Alltagssorgen, die zugegen,

von Kunst und Schönheit andächtig entzückt.

Ingrid Drewing

Abend

Der Abend grüßt des Rosenhimmels Licht,

legt seine langen Schatten auf die Wege,

bis auch das letzte, süße Tongedicht

der Amsel leis’ verhallt im Waldgehege.


Schon strahlend hell der Abendstern nun funkelt,

und nach und nach glimmt auf in Fenstern Licht,

Glühwürmchen, das noch sanft verklärt im Dunkel

der Nacht von Tag und Leben leuchtend spricht.


Wir Menschen betten bald die müden Glieder

und finden in den Träumen milde Ruh’;

manch einer vor dem Bildschirm senkt die Lider,

im Flimmerschein ein Flüstern, fernes Du.

Ingrid Drewing

Sesshaft

Allmählich werde ich zur Pflanze,

schlag Wurzeln, bleib auf meinem Fleck,

lass Blicke in die Weite tanzen

und folge sicher einem Zweck.


Vom Himmel hole ich das Licht

mir wach mit meinen Sinnen heim

lebe die Tage im Gedicht;

hier sind die Wurzeln und der Keim.

Und wüchse einstmals mir die Blüte,

der Worte Schönheit klar und wahr;

dann wüsst’ ich um der Früchte Güte,

dass dieser Weg ein weiser war.

Inridb Drewing

Vergissmeinnicht

Vergissmeinnicht, du blauer Stern,

der dort am Bach die Wiese ziert,

dein Lächeln grüßt mich schon von fern,

eh sich der Blick im Blau verliert.

Ja, dort, es bleibt mir unvergessen,

hab’ einst im Frühling mit Marie

ich traulich lieb am Bach gesessen.

„Vergiss mein nicht!“, so sagte sie.


„Wenn in der Heimat bist zurück,

die du verlässt für lange Zeit,

ich einen Blütenstrauß dir pflück,

erwart’ dich hier im Festtagskleid.“


Vergissmeinnicht, du blauer Stern,

nun zierst du auch ihr kühles Grab.

Ach, ich würd’ sagen ihr so gern,

dass ich sie nie vergessen hab’.


Ingrid Drewing

Mittagsruhe

Mittag ist, die Katze ruht

sanft auf der Balustrade;

nach ihrer Promenade

tut ihr nun ein Schläfchen gut.

Von der Katze kann man lernen:

die Ruhepausen nutzen,

nicht unentwegt nur putzen,

sich dezent vom Stress entfernen.

In Ruhe atmen und den Traum

Erwirken und erleben,

sich Zeit für alles geben

in unsrem schönen Erdenraum.

Ingrid Drewing

Abendrot

Am Himmel wachsen Cirrusweben,

dsci0016so kurz vor Sonnenuntergang,

und Espenblätter zitternd beben

im Wind,der streicht den Hang entlang.

Der kühle Abend meldet sich,

verweile noch im Garten,

im Freien bleibend möchte ich

das Abendrot erwarten.

Sobald am Himmel rote Glut

die Bläue brennend tönt,

der warmen Farben milde Flut

die Landschaft sanft verschönt,

werd‘ ich  das wunderschöne Bild

mit meinen Augen trinken

und kann dann,wenn mein Durst gestillt,

in tiefe Andacht sinken.

Ingrid Drewing