Archive for the Category Gesellschaftskritisches

 
 

Schein

Die zarte Schöne ,

ein kunstvoller Tuschestrich.

China mit Maske.

Ersatz

Die IFA ,jedes Jahr ein Hit ,

zeigt, dass die Technik hier ist fit,

beglückt Besucher mit Finessen,

medial erweckt sie Interessen,

reizt Kauflust und lockt an die Kunden

mit Neuem, was man hat erfunden.

Vom Publikum erstaunt umringt,

befragt , was man in Zukunft bringt,

verkündet ein Professor stolz,

Objekte lieben, dieses soll’s

in Kürze ganz alltäglich geben,

Gefühl mit Robotern erleben.

Statt menschlicher Geselligkeit ,

sei elektronisch stets bereit

zum Knutschen , Knuddeln ,weich im Wuscheln,

ein künstlich Wesen ,schön zum Kuscheln.

Ein Knopfdruck ,in Sekundenzeit

Sei man von Einsamkeit befreit.

Er sprach dies mit Verheißungsblick,

als läge darin größtes Glück.

Ich sah und hört’ es mit Entsetzen.

Wie kann man daran sich ergötzen,

anstatt sich menschlich zu begegnen,

ein Surrogat so abzusegnen?

Was wäre das für eine Welt,

in der der Mensch sich so verhält,

wenn er ,dem Leben fern, allein,

verstrickt im Automatensein,

ohne Gefühl und ohne Liebe

nur ein Modul im Schaltkreis bliebe?

Ingrid Drewing

Übertreibung

Um Haaresbreite, seltsam klingt dies Wort.

So dünn und fein wie Haare nun mal sind.

Die Übertreibung findet sich oft dort,

wo wir verstummen sollten, weil wir sprachlos sind.


So vieles gibt es, was wir nie erfassen

mit unsren Händen und trotz wachem Sinn.

Und vieles müssen wir geschehen lassen,

weil unsre Kräfte dort nicht reichen hin.


Doch niemals

dürfen wir zu Unrecht schweigen.

Da hat man laut und klar zu sagen NEIN!

Die Menschenrechte gilt es aufzuzeigen,

hier darf auch Übertreibung Helfer sein.

Ingrid Drewing

Spiegelwesen

Im Spiegel gefangen,

als Wesen des Lichts,

nach Schönem verlangend,

verloren sie sich.


Der Zauber war mächtig,

was heißt da Physik?

Sie wähnten sich prächtig

und träumten von Glück.


Von Eitlem gebunden

in kalter Magie,

für immer entschwunden

dem Leben sind sie.


Mag sein, dass die Liebe

noch Rettung erreicht,

bevor spiegeltrübe

ihr Bildnis erbleicht.

Ingrid Drewing

Geklont

Gestern traf ich meinen Klon ,

wie waren wir erstaunt.

Er lächelte gequält , und schon

hat er mir zugeraunt ,

ich möge mich von dannen schleichen ,

er sei das Original.

Ich dachte nicht daran zu weichen

und blieb bei ihm im Saal.


Ich fragte ihn , was er so mache ,

ob er zufrieden sei.

Zufrieden? Ha , dass er nicht lache ,

es gäb‘ nur Quälerei .

Zumal , wenn er mich so betrachte ,

gealtert ,faltig sei mein Kinn.

Ich meinte , was er so verachte ,

das zeige meinen Lebenssinn .


“ Mag sein“ ,sprach er , doch zieh‘ er’s vor

in Form , ganz glatt zu sein ,

von Fuß bis Bauch ,von Brust bis Ohr ,

gentechnisch ginge das recht fein .

Schier faltenlos sei seine Stirn ,

wieso dann meine nicht ?

„Weil ich zum Denken nutz mein Hirn ,

du ignoranter Wicht!“


Verärgert ging ich nun davon ,

ich wollt‘ ihn nicht mehr sehen,

den aufgemotzten Plastikklon,

in seiner Hülle stehend .

Ich bin doch Ich ,er Nicht-Ich nur ,

was soll das ganze Spiel?

NUR SCHÖN sein will ich nicht die Spur ,

ich hab‘ ein andres Ziel.


Will leben , lieben , lachen , singen ,

grad ,wie es mir gefällt ,

und pfeif auf Konformismus , Dinge ,

wie sie hofiert die Welt.

Will sein ein Individuum,

kein solches Kunstgebilde ,

das zeitlos puppenhaft befällt

in Serie die Gefilde .


Und ist mein Leben einst zu Ende ,

dann möge das so sein.

Ich reiche meinem Gott die Hände

und hoff‘ , er holt mich heim .

.

Ingrid Drewing


Die Rechte und die Verantwortlichkeit für dieses Gedicht liegen beim Autor (Ingrid Drewing).

Wirtschaftsverwundet

Zahlen,
erschreckend groß,
fast unvorstellbare Summen
schwirren bedrohlich im Nachrichtenäther,
Wirtschaftskrise

Spekulanten,
süchtig spielend,
Welt wirbelnder Derivatenblasen,
Wirtschaft weltweit verwandelt in
Wüste

Arbeitslos,
seit Jahren
unvermittelbar, zu alt,
abgestempelt in den Akten,
Angst

Ingrid Drewing

Obamamanie

Verständlich, doch vermessen ist dies Hoffen,
ein Mensch mit gutem Willen und Verstand ,
der löse alle Fragen , die noch offen,
und heile alle Wunden in dem Land,
das angetreten,in der Welt zu lenken.

Man sollte ganz vernünftig doch bedenken,
auch er ist nur ein Mensch, Obama,
mit Charisma; auch Dalai Lama
zeigt dies.Doch konnt er mit Bedacht
nicht Tibet retten vor der Chinamacht.

Drum achte man auf Maß auch im Erwarten,
gewähr‘ ihm Hilfe jetzt noch nach dem Starten.
Steh‘ stützend wahrhaft hinter diesem Mann,
wenn er besonnen herrscht;vielleicht sodann
erfrischt sozial sich weltweit, nicht zu spät,
auch international die Solidarität.

Ingrid Drewing