Spätherbst
Wolken verhangen
der Tag, ein Regengesicht
Novemberansage
Weiße Frostspuren,
des Nebels kühle Schritte,
Raureif am Morgen.
Ingrid Herta Drewing
Wolken verhangen
der Tag, ein Regengesicht
Novemberansage
Weiße Frostspuren,
des Nebels kühle Schritte,
Raureif am Morgen.
Ingrid Herta Drewing

Wie mich der Tag heut angebleckt,
der Sonnenschein schier abgeschleckt,
ganz unerwartet schön.
So mag der Spätherbst mir gefallen,
hat abgelegt des Nebels Fallen,
lässt Licht uns strahlend sehn.
Im Garten blühen plötzlich Veilchen,
von wegen Frühlings-Warte-Weilchen,
und Ringelblumenglanz.
Hier grünt und blüht es um die Wette,
mir ist es, als ob Frühling hätte
eröffnet seinen Tanz.
Die Vögel trillern auch schon wieder
und flöten ihre Liebeslieder.
Wie mag das sein?
Für heut’ verschieb’ ich die Gedanken,
lass mich von Luft und Licht umranken,
genieß’ das Sein.
Ingrid Herta Drewing

Ein warmer Wind weht aus Südwest,
die Luft ist lieblich, lau.
Das Amselpaar turtelt im Nest.
Es weiß ja nicht genau,
dass dies nur wieder Wetterlaunen.
Das nächste Tief, schon auf der Lauer,
bringt Kaltluft, stört das Knospenstaunen.
Die Milde ist von kurzer Dauer.
Genießen wir dies Interim,
am Abend noch Flanieren.
Der Spätherbst zeigt sich nun nicht schlimm,
lädt ein uns zum Spazieren.
Es tut so gut, wenn milde Luft
die Wange zart uns streichelt,
und spät erwachter Blüten Duft
uns frühlingshaft umschmeichelt.
Ingrid Herta Drewing
Kein Stern am Himmel, auch kein Mond,
nur noch im Nebelhauch diffus
Laternen glimmen.
Ich geh’ die Straße, wie gewohnt,
vermisse dort den lieben Gruß
der alten Dame, die hier wohnt,
und Kinderstimmen.
Auf deren Platz spielt nun der Wind
des Herbstes wildes Blätterspiel
im Nebelschleiertanz.
Ich eile da vorbei geschwind,
will schnell erreichen noch mein Ziel,
zu Haus mich wärmen, wohlig lind,
bin durchgefroren ganz.
So grau Novembers Angesicht
ward lang genug gesehen.
Es nährte banges Fragen.
Ich sehne mich nach Luft und Licht
und munterem Geschehen,
was Lebensfreude uns verspricht.
Die Hoffnung hab’ das Sagen!
Ingrid Herta Drewing

Am Mittwoch schien die Sonne,
am Donnerstag war’s kalt,
am Freitag Regentonne,
am Samstag Nebelwald.
Die Wetterkapriolen,
die der November hat.
Sie, ich sag’s unverhohlen,
machen mich wettermatt.
Ich freu mich auf Dezember,
auf klares Winterlicht.
Die Platte „I remember…!“
muss ich dann spielen nicht.
Dann wandre ich im Freien,
im Schnee an frischer Luft,
um mich auch einzureihen
hernach bei Glühweinduft.
Ingrid Herta Drewing

Mild streichelt Sonne mein Gesicht,
ein frischer Wind kämmt mir das Haar.
Jedoch , das stört mich heute nicht ,
ich fühl mich wohl im warmen Licht
des Mittags und der Luft, so klar.
So radle ich durch Feld und Wald ,
genieße froh der Farben Pracht ;
an manchen Bäumen mach ich Halt ,
die Zeichen sehe ich alsbald ,
verspür des Herbstes Macht.
Nach oben schauend in den Blätterregen ,
der schwebend hin zur Erde fällt ,
seh‘ ich mich himmelwärts bewegen ,
erschauernd in dem goldnen Segen ,
solang der sanfte Wind anhält.
Und Zärtlichkeit , noch im Vergehen ,
zeigt hier als Gnade die Natur.
Was sterbend fällt , wird auferstehen ,
sagt mir ein tieferes Verstehen.
Hab‘ Hoffnung nur !
Ingrid Herta Drewing

Nun , da die lichten Tage schwinden,
und Nebel grau die Sonne fängt,
gilt es das Schöne aufzufinden,
in unser Leben einzubinden,
damit uns Trübsinn nicht bedrängt.
Der Kerzen Glanz erhellt die Räume,
erwärmt das Herz und auch den Sinn.
Und trauern draußen noch die Bäume,
hier zaubern helle Farben Träume,
Behaglichkeit und Blickgewinn.
Und lieblich führen uns die Klänge
und Rhythmen herrlicher Musik
heraus aus Zeit bedingter Enge,
den vielen ernsten Alltagszwängen
hin zu der Seele wahrem Sieg.
Ingrid Herta Drewing

Sie war nur eine kleine Rose,
die einsam blühte, dort am Dornenstrauch.
Er stand gefärbt, die Blätter lose ,
vom Herbst berührt, im Heiderauch.
Sie hatte wohl sehr lange Zeit geschlafen,
bis sie ein Sonnenstrahl nun wach geküsst,
als Werden und Vergehn einander trafen
an einem Ort , der ihr Geheimnis ist.
Ihr rosa Leuchten ,hell und zartgesichtig ,
erstrahlte wie ein Lächeln, sanft und schön,
und alles, was im Herbst vergehend ,nichtig,
ließ sie im Frühlingshoffen neu ersteh’n.
Ingrid Herta Drewing

Mit seinen feuchten Nebelhänden
verwischt November die Konturen,
bedeckt des goldnen Herbstes Spuren,
um uns sein Einheitsgrau zu senden.
Wer Farben liebt, holt sie ins Leben,
das sanft nach innen nun gekehrt.
Dem Menschen ist die Kraft gegeben,
sich zu gestalten, was verwehrt.
So schafft er wohlig sich die Räume,
fühlt Wärme, wenn schon herrscht der Frost;
erfüllt sich helle Blütenträume,
genießt im Winter frische Kost.
Wenn auch jetzt fehlt der Sonne Strahlen,
so wissen wir, ihr Liebesblick
wird golden uns gar bald bemalen
das weiße, klare Winterglück.
Ingrid Herta Drewing
| Es löscht der Herbst das Licht in den Kastanien,
und Schatten krächzen rostig im Geäst. Verblichen blicken auf Balkonen die Geranien, noch zehrend von des Sommers Jubelfest.
Doch strahlend blüht im Garten noch die Rose, entfaltend ihre purpurfarb’ne Pracht. Sie grüßt im Nebelgrau als Zeitenlose, die sonnengleich noch Glut entfacht. Ingrid Herta Drewing |