Archive for the Category Wetter

 
 

Regentage

Der Regen hat die Sommerträume

in wilden Schauern weggespült.

Nass hängt das Blattwerk in den Bäumen.

Es hat sich merklich abgekühlt.

Und graugesichtig blickt die Stadt,

die unlängst noch im Farbenspiel

sich in der Leichtigkeit gefiel,

dich heute an nur regenmatt.

Das Einheitsgrau am Himmel dort,

es lässt dich leicht ermüden;

gern zögst du mit den Vögeln fort

und träumst vom Blau im Süden.

Ingrid Herta Drewing

Kirschbaum nach dem Unwetter

Der Kirschbaum, bar der Blüten, die der Regen
und Sturmwind ihm genommen vor der Zeit,
wird nun den Bienen nicht zum Pollensegen,
trägt keine Früchte, die auf Sommers Wegen
sonst gastlich für die Vogelschar bereit.

Jedoch in seinem grünen Blätterhaus
verweilen gerne Amseln und auch Dohlen.
Auch Ringeltauben kennen sich hier aus;
es findet sich noch manch’ Insektenschmaus,
den sie sich sorgsam von den Zweigen holen.

Und mir wird er im Sommer Schatten schenken,
an Tagen, wenn die Sonne gleißend sticht.
Ich muss nicht unterm Hut den Kopf versenken
und kann in Ruhe alles klar bedenken,
behütet von des Baumes grünem Licht.

Ingrid Herta Drewing

Gewitter

Es drängen Wolken vor die Sonne,

die jetzt noch heiß vom Himmel sticht.

Sie quellen berghoch auf, zerronnen

ist bald das blaue Himmelslicht.

Und ein Gewitter droht zu nahen;

der Wind frischt auf, stürmt, böig schnell.

Von fern’ wir schon die Blitze sahen,

die Feuerspuren, zackig, grell.

Jetzt ist es da, und Regen prasselt;

der Hagel tanzt wild auf dem Dach.

Hell zucken Blitze, Donner rasselt,

laut krachend stürzt der Baum am Bach.

Es tost und tobt, als hab’ die Hölle

die Teufelsbrut zur Erd’ gesandt,

damit sie alles hier entstelle,

was lieblich blüht auf grünem Land.

Doch endlich ist der Spuk zu Ende!

Nun klart es auf; ein Regenbogen

umarmt  hell farbig das Gelände

und Sonne strahlt, ist uns gewogen.

Ingrid Herta Drewing

Erster Mai

Maiglö

Nun ist es Mai, und Tränen tropft der Regen,
doch Hoffnung auf die hellen Tage bleibt.
Für Pflanzen ist dies Wetter wohl ein Segen,
ein schwacher Trost, den Frühlings Laune schreibt.

Wer in den Mai heut’ wollte fröhlich tanzen
im Freien, trauend auf das Sonnenglück,
muss leider nun im Saale sich verschanzen,
darf Strahlen suchen in der Liebsten Blick.

Die Arbeitnehmer, die sich draußen finden,
sind gut beschirmt und feiern ihren Tag.
Die Kundgebung, Spaziergang unter Linden,
man steht zur Tradition, weil man es mag.

So kann uns auch das Wetter nicht verdrießen,
weil wir für uns den Sonnenschein beschließen.

Ingrid Herta Drewing

April

Haswe

April und seine frechen Wetterlaunen,
wer kennt ihn nicht, ward nie von ihm gefoppt.
Auch Osterhasen bringt er flugs ins Staunen,
wenn er ihr heimlich Werk gewitternd stoppt.

Sogar mit Schnee bedeckt er wild die Blüten;
die Hagelschauer sind ihm gar nicht fremd.
Und früher riss sein gar so stürmisch’ Wüten
von Wäscheleinen Opas bestes Hemd.

Der Mensch folgt diesen Launen selbst auch scherzend,
schickt Ahnungslose keck in den April.
Am ersten Tag des Monats, nichts verschmerzend,
sogar das Fernsehen Enten senden will.

Ja, manche Lüge kommt so wahr daher,
dass sie beschworen wird noch hinterher.

Ingrid Herta Drewing

Tauwettter

Den Schnee, der neulich in der Nacht
in Fülle war gefallen
in seiner weißen, weichen Pracht,
hat nun mit seiner klaren Macht
der Regen fast ganz weggebracht,
und dies missfällt uns allen.

Vereinzelt grüßen weiße Inseln
im grauen Matsch der Gassen,
als habe eines Malers Pinsel,
beeindruckt durch des Schnees Gewinsel,
neben dem dunklen Farbgerinnsel
sie in dem Bilde noch belassen.

Da tröstet kaum der milde Wind,
der heute aus Südwesten weht.
Und traurig sieht so manches Kind
den Schlitten an im Keller-Spind
und seine Ski, die auch dort sind.
Wie schnell des Winters Freud’ vergeht!

Ingrid Herta Drewing

Sturmesnacht

feuerstrahl

Tobend braust der Sturm um’s Haus

und lässt die lock’ren Läden klappern

wie aufgeregter Menschen Plappern,

die Mut sich machen, wenn es graust.


Aufflackern Lichter der Laternen,

und heulend pfeift es im Kamin,

die dunklen Wolken vor den Sternen

so rasend schnell vorüber ziehn.


Bedrohlich biegen sich die Bäume,

Gewitter naht, es blitzt und kracht,

vorbei sind Schlaf und sanfte Träume;

das ganze Haus ist aufgewacht.


Schon prasselt Hagel gegen’s Fenster,

und Regen klatscht fest an die Wand.

Es sind Äquinoktialgespenster,

die wüst hier rauschen über Land.


Gar ängstlich nun die Kinder schauen

und flüchten zu den Eltern hin.

Sie finden Schutz in dem Vertrauen,

dass sie bei ihnen sicher sind.


Im Bett der Eltern,dicht zusammen,

gekuschelt, finden sie den Halt;

zwar leuchten Blitze hell wie Flammen,

doch hier im Nest ist’s wohlig bald.


Mag es dort draußen stürmen,wüten,

bald schlafen sie ,geborgen, ein .

Die Eltern werden sie behüten

und stets in ihrer Nähe sein.

Ingrid  H. Drewing

Schöner Tag

An einem schönen Tag wie diesem

geht man recht schwungvoll an sein Werk,

und selbst der größte Nörgelzwerg

hofft, dass für ihn die Blumen sprießen.

Die Sonne trägt das himmelblaue,

mit Gold bestickte Strahlenkleid.

Die Wolken werden blass vor Neid,

und fliehen nach dem Morgengrauen.


Der Mensch fühlt sich erfrischt, getragen,

denn Licht durchflutet lacht der Tag.

Vergessen sind jetzt Trübsal, Klagen,

weil er sich nun auch selber mag.

Ingrid Drewing

Wetterlaune

Wolkenschafe, wild
stieben über den Himmel,
vom Windhund gehetzt.

Ingrid Drewing

Apriljuni

Dieser Juni spielt April,

Wetterkapriolen.

Mal zeigt er sich kalt, dann will

Sonnenbrand er holen.


Gehst du ohne Schirm, wird’s nass,

prasseln Wolkenbrüche,

oder’s Sonnenbutterfass

macht die Wetterküche.


Deckst im Garten du den Tisch,

liebst die Luft im Freien,

holt’s der Wind mit einem Wisch,

nichts kann dort gedeihen.


Nun, was soll’s, wir können nicht

unser Wetter machen,

doch ein fröhliches Gesicht,

lasst uns drüber lachen!

Ingrid Drewing