Archive for the Category Natur

 
 

Gewittersturm

Der Sturm auf seinen Wolkenrossen
jagt schaurig tobend übers Land,
es peitscht sein treuer Trossgenosse,
der Regen, wild mit nasser Hand.

Sie biegen Bäume, fluten Straßen,
und mit des bösen Hagels Macht
zerstören frech sie, ohne Maße,
was Frühling schön hervorgebracht.

Die Halme auf den Feldern liegen,
die junge Frucht fällt ab vom Baum.
Die Vogelbrut reißt aus den Wiegen
der Nester dieser dunkle Traum.

Und Blitz und Donner, Kampfgesellen,
sie stecken manches Haus in Brand
und rasen weiter mit den schnellen
Geschossen in der Feuerhand.

Der Mensch, gewöhnt an die Gefahren,
kämpft gegen die Naturgewalt.
Doch muss er häufig dann erfahren
die Ohnmacht, die ihn zwingt zum Halt.

Ingrid Drewing

Maulwurf

Ein Maulwurf macht sich breit im Garten,

der Rasen ist nun sein Besitz,

wo seine Hügel als Standarten

verkünden, dass er Land stibitzt.


Die Drossel sucht hier gern nach Futter,

den Regenwurm im Schnabel schwingt,

ihn flugs ganz schnell als gute Mutter

den Jungen hin zum Neste bringt.


Wir Menschen, wenn wir Ball dort spielen,

sind auf die Hügel nicht erpicht;

beim Fangen muss man ständig schielen,

sonst stolpert man und fasst ihn nicht.


So sinnt man, wie man ihn vertreibe,

den Gräber dort im Untergrund;

doch ihm gefällt die Wiesenbleibe,

und Hügel wachsen, braun und rund.

Ingrid Drewing

Der Vogelbaum

Der Kirschbaum, wahrlich eine Pracht

für Amsel, Drossel , Fink und Star;

wenn rot es in den Zweigen lacht,

versammelt er der Vögel Schar.


Beim reich gedeckten Früchtemahl

stört nicht einmal die Krähe.

Die Dohlen, fünfe an der Zahl,

sie nisten in der Nähe.


Die Kirschen locken süß und rot,

und wenn noch ein paar Maden

erhöhn das Speiseangebot,

ist Vogelpromenade.


Sogar ein Ringeltaubenpaar

diniert dort im Geäst.

Sie feiern hier in jedem Jahr

ihr Frühlingshochzeitsfest.


Der Gärtner lässt dies Baumgeschenk

hier für die Vögel stehen

und freut sich, dessen eingedenk,

sie singend hier zu sehen.

Ingrid Drewing

Aprilkäfer

Wärmer wird es, zeigt das Jahr,

im April schon blüht der Flieder,

und was sonst im Maien wieder

typische Erscheinung war,

ist drei Wochen früher da.


Spargel schießt, ausschlagen Bäume,

der Kastanien Kerzenträume,

alles grünt und blüht, ist da,

leider auch der Käfer Schar.


Sonst im Maien erst erwartet,

doch jetzt ist er ausgeartet;

im April schwärmt er nun aus,

Maikäfer, des Landwirts Graus.


Laben sich an sanften Sprossen,

und, wenn sie genug genossen,

fliegen sie auf neues Feld

und zerstören Pflanzenwelt.


Giftig naht nun auch die Spritze.

Was bei Busch noch Onkel Fritze

von der Handarbeit geborgt,

wird heut maschinell besorgt.


Oft fällt dieses Gift aus Lüften,

und die süßen Maiendüfte

sind dann leider schnell vorbei,

auch die Käferkrabbelei?

Ingrid Drewing

Einsames Glück

Einsam lebend in der Stille

höre ich der Tage Klang,

eines Menschenlebens Fülle

strahlt im Schwanen-Abendsang.

Immer noch ein sanftes Sehnen

in der lenzbeglückten Zeit,

alle Sinne schauen Schönes,

das die Erde hält bereit.

Zart keimt auch ein leises Hoffen,

dass dies irdisch’ Glück noch währt;

scheint mir doch der Himmel offen,

wenn das Leben mich betört.

Ingrid Drewing

Mittagsruhe

Mittag ist, die Katze ruht

sanft auf der Balustrade;

nach ihrer Promenade

tut ihr nun ein Schläfchen gut.

Von der Katze kann man lernen:

die Ruhepausen nutzen,

nicht unentwegt nur putzen,

sich dezent vom Stress entfernen.

In Ruhe atmen und den Traum

Erwirken und erleben,

sich Zeit für alles geben

in unsrem schönen Erdenraum.

Ingrid Drewing

Abendrot

Am Himmel wachsen Cirrusweben,

dsci0016so kurz vor Sonnenuntergang,

und Espenblätter zitternd beben

im Wind,der streicht den Hang entlang.

Der kühle Abend meldet sich,

verweile noch im Garten,

im Freien bleibend möchte ich

das Abendrot erwarten.

Sobald am Himmel rote Glut

die Bläue brennend tönt,

der warmen Farben milde Flut

die Landschaft sanft verschönt,

werd‘ ich  das wunderschöne Bild

mit meinen Augen trinken

und kann dann,wenn mein Durst gestillt,

in tiefe Andacht sinken.

Ingrid Drewing

Frühlingselfchen

Blüteninseln

im Himmelblau,

Vogelsang, summende Bienen,

weißer Traum des Kirschbaums,

Frühlingslieder.

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Menschen

im Park

flanieren, froh gestimmt

unter hell blühenden Bäumen,

Osterspaziergang .


Ingrid Drewing

Abenddämmerung

In des Abends Dämmerstunde
hören wir sie tirilieren;
Amselhähne geben Kunde,
singend ihr Revier markieren.

Auf Antennen und Kaminen
in des Häuserwaldes Kronen
diese kleinen Sänger thronen,
Schnabel weit dem Klange dienen.

Und ihr Melodienreigen
hell die Stadtlandschaft erfüllt,
bis die Abendnebel steigen
und die Nacht sie sanft umhüllt.

Ingrid Drewing

Löwenzahnsieg

Eine grüne Sternrosette
grüßte mich heut Morgen,
Frühlings Löwenzahnstafette
brach aus Asphaltporen.

Lebensvoll das Grau verdrängend
hat er es geschafft,
sich durch enge Ritzen zwängend,
strotzend grün vor Kraft.

Was ich sah, ist mir ein Sinnbild;
es zeigt: Das Harte fällt.
Weiches auch erzielt Gewinn, mild
wohltuend in der Welt.

Ingrid Drewing