Archive for the Category Besinnliches

 
 

11.September

Neun Jahre ist es nun schon her,
ein Tag der Trauer, folgenschwer;
hier brach die heile Welt entzwei,
und wir als Zeugen warn dabei.

Ins strahlende Septemberblau
Twintowers, Wolkenkratzerbau
ragen mit rußigen Fahnen,
zwei Fackeln zum Himmel mahnen.

Entsetzen starrt aus allen Mienen,
gebannt schaun wir zum Bildschirm hin,
betroffen folgend Zeilenschienen,
entschlüsseln wir der Worte Sinn.

Des Terroranschlags Todesspur,
zwei Jets als Bomben eingesetzt
von Islamisten , die hier stur
im Hass gemordet, aufgehetzt.

3000 Tote sind zu zählen,
und Tausende Verletzte quälen
sich heut‘ noch, krank an Leib und Seel‘;
so mancher, dem das Liebste fehlt.

Gedenkt der Menschen, ihrer Namen,
die sinnlos hier zu Tode kamen,
auch derer, die hernach im Krieg
gefallen für erhofften Sieg!

Wo Hass und Dummheit sich verweben,
zerstören sie das Licht, das Leben.
Der Mensch, wenn er verweilt im Wahn,
bewegt sich auf des Todes Bahn.

Ingrid Herta Drewing

Auf dem Weg

Ich möcht’ beim Schreiben mich besinnen
auf das Gefühl, das echt und wahr,
und Bilder, Klänge reimend spinnen,
die mich erfüllen im Beginnen
mit Worten, deren Sinn auch klar.

Es mag die Freude mir erfinden
die Melodie, die mich bewegt
und in empathischem Empfinden
dem Lebensnahen eng verbinden,
damit mein Lied auch andre trägt.

Und würde es dann zum Gedicht,
dem einen, das ich so darf nennen,
so reuten mich die Mühen nicht,
und wüchs‘ mir auch ein Bartgesicht,
nichts könnt’ von diesem Glück mich trennen.

Ingrid Herta Drewing

Spätsommer-Mittag

Mittag ist es, Glocken läuten.
In die Stille trägt ihr Klang
zartes, fühlendes Bedeuten,
dieses späten Sommers Sang.

Träumend sitze ich im Garten,
dort, wo die Reseden blüh’n;
deren duftende Standarten
mich umwehen goldengrün.

Nähme gern die Zeit gefangen,
haltend diesen Augenblick,
dass ein späteres Verlangen
trüg ’s ins Leben mir zurück.

Nicht verweilt, was wir erleben,
denn die Zeit hält ihren Schritt.
Doch der Seele frohes Beben
schreibt die Glücksmomente mit.

Ingrid Herta Drewing

Sonntagsfrühe

Es träumt der Sonntag in der kleinen Stadt,

die ausruht von der langen Woche Mühe.

Der Regen nieselt leicht, die Sonne hat

dem Nebel überlassen ihre Frühe,

und alles wirkt noch unwirklich und matt.

Kein Vogel singt und putzt sich sein Gefieder,

gezogen sind die Sänger in den Süden;

die Amsel spart sich auf die süßen Lieder.

Ein Hund bellt, an der Leine folgt dem Rüden

sein müder Mensch, mit halbgesenkten Lidern.

Dann klart es auf, die Kirchenglocken rufen

die ersten frommen Pilger auf den Plan.

Sie geh’n hinauf auf der Kapelle Stufen,

begrüßen an dem Tor den Herrn Kaplan

und Säulenheilige, die Künstler schufen.

Die Sonne strahlt, ein guter Tag fängt an.

Ingrid Herta Drewing

Hummelmusik

Die Hummel spielt heut’ virtuos
der Blütenharfe Lied.
Schwirrt sie vom Blütenstiele los,
bebt dieser, wie man sieht

So bringt sie den Lavendelbusch
nun flugs in zartes Schwingen,
wie sie von Blüt’ zu Blüte huscht;
die Elfen hören ’s klingen.

Und überall darf sie dabei
vom süßen Nektar nippen.
Flugsicher kann sie, schwindelfrei,
hier in den Lüften wippen.

Still schaue ich ihr Spiel hier an,
sie pflegt es täglich wieder,
und habe meine Freude dran,
hör’ Sommers süße Lieder.

Ingrid Herta Drewing

Altersglück

So ungezwungen, wie du wohl als Kind

die Stunden und die Tage stets begonnen,

da Pflicht, Termine fremde Worte sind,

weil spielend du dir Träume schön gesponnen,

ja, fast so ähnlich geht es dir jetzt wieder,

hast endlich Zeit, zu tun, was dir gefällt,

bestimmst dein Leben und den Takt der Lieder,

wählst nun bewusst, was dich in Atem hält.

Das ist des Lebensabends Ideal,

dass du beglückt nach arbeitsreichem Walten,

die eignen Fähigkeiten deiner Wahl

nun neu belebst in musischem Gestalten.

Und dankbar darfst du auch dein Land hier sehen,

das dir die Zeit erlaubt, den Weg zu gehen.

Ingrid Herta Drewing

Sterntaler

Die Sterne fallen nicht aus allen Himmeln
und regnen, dich bereichernd, sanft herab.
Ein Rappen wird nicht über Nacht zum Schimmel,
weil eine Fee ihm ihren Zauber gab.

Auch wenn du teilst dein Brot, die letzte Habe,
den Dankes-Lohn, den streichen andre ein.
Das Märchen zeigt im Bild die goldne Gabe,
doch Erdenreichtum bringt es wohl nicht ein.

Das was dir wird, in Gold ,nicht zu ermessen.
Es ist das Glück, das deine Seel’ ergreift,
die alles gebend, selbstvergessen,
wird von dem Hauch des Ewigen gestreift.

Dies Märchen wird wohl manchmal wirklich wahr,
und wer’s erlebt, erkennt ein Wunder klar.

Ingrid Herta Drewing

Pflanzen

Grün schlüpft und lugt es durch die Ritzen.

Es findet jede Pflanze hin zum Licht.

Mag sie auch tief im Dunkel sitzen,

so ändert sich ihr Streben dennoch nicht.

So kraftvoll suchend, so beständig,

dabei dem Regen wehrend und dem Wind,

zeigt sie sich heliotrop, lebendig,

besiegt auch Steine, die im Wege sind.

Sie könnte Sinnbild sein in ihrem Streben,

dem Menschen, wenn er zagend fast versagt,

ihm zeigen, dass die Hoffnung auf das Leben

die Mühe lohnt, die er so oft beklagt.

Ingrid Herta Drewing

Ausgleich der Natur

„Das Jahr des Wassers“, jetzt fast Ironie!
So ungleich ist’s verteilt auf dieser Erde:
In Wasserfluten sterben Mensch und Vieh,
woanders brennt’s, lähmt Dürre Mensch und Herde.

Natur hat ihre eigenen Gesetze
Wir Menschen kommen uns zwar mächtig vor,
verfangen uns jedoch in unsren Netzen,
die Folge unsrer Fehler tritt hervor.

Wer Wälder abholzt, die das Wasser halten,
die Flüsse zwingt in ein Kanal-Korsett
und glaubt, er könne in den Auen walten,
auf lange Zeit dort siedeln ruhig und nett,

der hat vergessen, welche Kräfte hier
natürlich sind weltweit auf dem Planeten.
Denn nur vermessen glauben wir,
wir könnten diese Schwelle übertreten.

Beenden sollten wir maßloses Streben;
Es gilt, vernünftig mit Natur zu leben.

Ingrid Herta Drewing

Befreiungsgesang

Wer einsam lebt, hat Zeit, um nachzudenken.
Es drängt ihn nichts auf seiner stillen Bahn,
kein andrer sucht ihn auf, um abzulenken.
Er bleibt gelassen, wächst im eignen Wahn.

Die Stimme schläft, die Sprache wächst nach innen.
Es scheint, dass alle Lippen ruhen aus.
Nur wenn sein Singen sanft löst ab das Sinnen,
tritt er lebendig aus sich selbst heraus.

Und findet hin zur Freude in den Klängen;
sein Ohr, es dürstet doch nach Stimme, Laut.
Dann löst er sich befreit aus dunklen Zwängen,
reißt ein die Mauern, die er um sich baut.

Er wagt den Schritt, geht auf den andern zu
und findet durch Gesang den Weg zum Du.

Ingrid Herta Drewing