Archive for the Category Besinnliches

 
 

Abend im August

Der Abend senkt nun blinzelnd seine Lider,

von ferne nur noch Fluggeräusche grummeln

und wo sich sonst Insekten summend tummeln,

dort schließen sich die Blüten sorgsam wieder.

Die Sonne, fast im Wolkenbett versunken,

zum Abschied rötet sie den Himmel nun.

Es geht der Tag jetzt, der so sonnentrunken

sich vormals zeigte, um sanft auszuruhn.

Bald naht die Nacht auf ihren dunklen Schwingen,

lässt nur dem Silbermond die lichte Bahn.

Er darf im Chor der Sterne Solo singen,

und Schnuppen fallen leuchtend, Wünsche-Wahn.

Und mag sich heute Nacht auch mancher Wunsch erfüllen,

der Menschen Sehnsuchtsträume sind wohl nicht zu stillen.

Ingrid Herta Drewing

Sturm

Dem Sturme trotzen, aufrecht stehen,
mag er auch toben noch so wild,
Gefahren klaren Auges sehen,
dem Unvermeidlichen genügen,
und, ohne fraglos sich zu fügen,
gestalten seiner Zukunft Bild.

Ingrid Herta Drewing


Foto: Ingmar Drewings Zeichnung Nr.278

(www.drewing.de)

Sommergabe

So grünt der Sommer mir
in stillem Hoffen.
Des Lebens helle Tür
ist weit, weit offen.

Nun gilt ’s zu wagen
den ersten Schritt,
ein sanftes Tagen
geht schwingend mit.

So blüht der Sommer mir,
ich seh’ sein Lächeln.
Er schenkt es sanft auch dir,
ein zartes Fächeln.

Ingrid Herta Drewing

Chaotisches

Wie seltsam geht es zu auf dieser Welt!
Wie schrecklich wüten kann Natur:
Den einen Hitzebrände sie bestellt,
den andern droht Land unter nur.

Des Wassers Kräfte und des Feuers Biss,
im Übermaß tobt sich das Chaos aus,
bringt Menschen dort um Leben, Ernte, Haus;
Zerstörung, Tod in jedem Fall gewiss.

Und dort ,wo die Natur sich ruhig verhält,
da öffnen dumm wir dann dem Tod die Pforten,
in unsrem Hochmut, der so blind uns hält,
vernichten wir die schönen Lebensorte.

Ingrid Herta Drewing

Letzte Seite

Schon bald ist auch das letzte Blatt beschrieben,

dann wird dies Blanko-Buch geschlossen,

das vieles weiß vom Leben und vom Lieben

und Suchen nach den Wörtern, unverdrossen.

Es birgt sie nun, die vielen Augenblicke,

Gefühle, die poetisch hier gebannt,

die Freude und der Seele sanfte Blicke,

die schauend fühlt sich der Natur verwandt.

Und wer dies Büchlein wieder nimmt zur Hand

und liest, eintauchend ins Gedicht,

dem wird dies Schauen wohl bekannt,

weil es zu ihm aus jeder Zeile spricht.

Ingrid Herta Drewing

Sommerabend

Der Abend nimmt dich sanft in seine Arme
und gönnt dir eines langen Tages Ruh;
mit Sommerhänden schenkt er dir dies’ warme
und milde Lächeln, Abendrot dazu.

Die letzten Schiffe nähern sich dem  Hafen,
beschaulich fahren sie dort auf dem Fluss;
errötend spiegelt er der Sonne Kuss,
bevor im Dunkel seine Wellen schlafen.

Und nun, da alles seine Träume findet
im Silbersternenmantel dieser Nacht,
fühlst andächtig du, was dich hier verbindet;
du löschst das Windlicht, schließt dein Buch ganz sacht.

Und dankst dem Schöpfer für dies schöne Leben,
das Tag für Tag dir hier wird neu gegeben.

Ingrid Herta Drewing

Efeu

Ja, hätte ich die Kraft der Efeuranken,
die sanft sich hoch an grauen Mauern ziehen,
so möchte ich ergrünend in Gedanken
dem Alltagsgrau und allem Leid entfliehen.

Dem Regen trotzen, wiegen mich im Winde,
den Frost ertragen und der Sonne Glut,
im Hoffnungsgrün verzweigend, ohne Rinde,
dem Sturme wehren, nie verlieren Mut.

Und schützen wie die Efeuwand das Leben,
ein Hort für Vögel, die hier sorglos brüten
Ja, sie vermag auch denen Schutz zu geben,
die zart beschwingt hier ihre Jungen hüten.

Als Mensch steh’ ich, bewundre staunend nur
die Kraft und Schönheit der Natur.

Ingrid Herta Drewing

Ataraxia

Der Gleichmut blättert dir die Tage hin,
als gelte es nur Falschgeld abzuzählen,
als sei die Zeit vorbei, bedacht zu wählen,
dass alles folge einem rechten Sinn.

Wohin ist sie gegangen, deine Stärke,
die dich begeisterte und trug auf Schwingen?
Wohin der volle Klang, das helle Singen,
das dich beflügelte in deinen Werken?

Die Strecke ist zu eben, breit die Bahn;
da magst du Neues nicht für dich entdecken.
Von fern zwar Katastrophen dich erschrecken,
jedoch sie können dir nicht wirklich nah’n.

Wem so viel scheint beendet und beschlossen,
der starrt geradeaus nur, unverdrossen.

Ingrid Herta Drewing

Nomade

Mein Auge schmerzt, es hat zu viel gesehen,

bedarf der Ruhe wohl, ersehnt den Schlaf.

Die Füße, sie sind wund vom langen Gehen,

vom Warten und vom in der Schlange Stehen.

Ich fühle mich wie ein verlornes Schaf.

In allen Wettern, fern der grünen Weide,

mich mühend auch in steinigem Gelände,

in Disteln suchend, kaum die Dornen meidend,

zu stillen jenen Hunger, den ich leide,

und hoffend, dass ein grünes Blatt sich fände.

Bin sesshaft nun; die Sonnenuntergänge

erlebe ich jetzt stets gefasst am gleichen Ort.

Ich male schön mir meine sichre Enge,

beklage nicht des Alltags graue Zwänge

und bleib’ Nomade nur in Phantasie und Wort

Ingrid Herta Drewing

Vom Glück

Man muss so vieles, was es gibt, nicht haben.
Zufriedenheit schenkt uns das wahre Glück,
sich freuen können an den kleinen Gaben
und lächelnd schenken einen lieben Blick.

Den Nächsten, der uns braucht, wohl zu verstehen,
weit öffnen unsre Seele, Herz und Sinn;
mit wachem Blick durch dieses Leben gehen
und nicht nur ständig wittern Geld, Gewinn.

Was uns beglückt, ist  meist‘ nicht zu bezahlen.
Es schenkt sich uns, macht tief im Innern reich.
Das Raffen, Gieren führt zu Seelenqualen,
treibt auch in Trübsal, führt ins Abseits gleich.

So freue dich an dem, was dir gegeben.
Die Gottesgaben leuchten, die Natur
lässt täglich so viel Schönes dich erleben.
Du musst den Blick dafür bewahren nur.

Ingrid Herta Drewing