Archive for the Category Besinnliches

 
 

Nebliger Wintermorgen

Verschleiert liegend, tief in Schlaf versunken,

fast ausgestorben scheint die kleine Stadt.

Sonst quicklebendig, nun, so nebeltrunken,

sie sich ganz still zurückgenommen hat.

Ich gehe sinnend, auf den Zauber wartend,

der sie aus diesem Winterschlaf erweckt,

hoff’, dass sie, sonnig in den Tag dann startend,

den hellen Glanz des Lebens neu entdeckt.

Der Sonne Strahlen, spielend in Facetten,

seh’ ich vor mir, hör’ froher Kinder Sang.

Die Träume, die mich aus dem Grauen retten,

verwandelt  Phantasie in sanften Klang.

Darf lauschen einer Amsel Jubilieren

und weiß: Bald wird der Frühling hier brillieren.

Ingrid Herta Drewing

Liebe

Duftrose

Ja, Liebe, dir zu widersprechen,

ist uns versagt, du hast die Kraft,

das stärkste Bollwerk sanft zu brechen,

und heilst, wo tief die Wunde klafft.

Du meisterst kühn den Sturm der Meere,

und Eis schmilzt hin in deiner Glut.

Du überbrückst der Wüste Leere

und lenkst in Bahnen wilde Flut.

Wo du in deinem Rosenkleide

die dunkle Erde zart berührst,

erblüht sie grünend, fern dem Leide,

und wird ins helle Licht geführt.

Ingrid Herta Drewing

Sommergruß

Blankolav

Ein Hauch von Sommer mich empfängt.

Lavendelduft steigt in die Nase;

Mein Blanko-Buch spielt nun die Vase,

die mir beim Schreiben Grüße schenkt.

Lavendelblüten hab’ ich hier

sanft in die Seiten eingebettet

und habe, so vorsorgend, mir

des Julis Träume zart gerettet.

So wirkt wohl vieles, was vergangen,

in unsre Gegenwart hinein,

und lässt uns traulich auch empfangen,

was uns beglückt in unsrem Sein.

Ingrid Herta Drewing

Zwischenzeit

Zeit

Ihm schenkte Zeit das Alter und das Wahre.
Denn wissend schaut er, staunend und beglückt,
hier weit, fast ins Unendliche entrückt,
in einen Raum, der fern der Erdenjahre.

Das Leuchten eines Sternes, der verglühte,
erreicht nun ihn, hier lebend in der Zeit,
verspricht dem Menschen, dass, nach Erdenblüte,
ein Aufbruch hin zu Neuem sei bereit.

Ingrid Herta Drewing

(Foto von Ingmar Drewings

Nightly Sketch Nr.93

www.drewing.de)

Leben

Athen,ini

Ein neuer Anfang folgt dem Ende.
In Strecken von uns eingeteilt,
die Endlosschleife zeigt die Wende,
in der mit uns die Zeit enteilt.

Zu gerne würden wir ihn halten,
den Augenblick, der uns erfüllt.
Das Leben aber liebt Gestalten,
im Nebel gern das Glück verhüllt.

So tasten wir uns, mutig strebend,
durch ’s Dunkel, suchend, in den Tag.
Der Liebe Fackel, Licht uns gebend,
in diesem Dasein uns belebend,
den rechten Weg wohl weisen mag.

Verheißung

Es wächst die Einsamkeit

hoch in den Sternenmond,

die fahle Efeuranke an der Mauer

im Staub der müden Zeit,

die allem innewohnt.

Im Wald verloren trägt das Leben Trauer.

Die Blätter jener Bäume,

die im zarten Grünen,

jäh unterbrochen, auf die Erde fielen,

und alle Hoffnungsträume,

die dahin mit ihnen,

nun in des Kosmos’ großem Kreislauf spielen.

Da sei ein Wiederkehren

in anderer Gestalt,

erzählt die Mär. Das dunkle Raunen

verheißt dies Licht, das hehre.

Es möge scheinen bald,

wovon der Weise spricht mit  Staunen.

Ingrid Herta Drewing

Der Liebe Augen

eine Rose

Ja, es hat die Liebe große Augen,
blickt so offen, schön in diese Welt,
lässt ein Staubkorn noch zu Gutem taugen,
sieht das Dunkel, wie es sich erhellt.

Liebe ist der Hoffnung heiße Quelle,
sprudelt leicht, lebendig in den Tag,
hilft uns gütig über manche Schwelle,
schenkt die Freude, mildert uns die Plag.

Liebe lässt sogar den Tod vergessen,
überdauert auch die schlimmste Zeit.
Nur in ihrem Reich kann man ermessen,
welches Glück dies Leben hält bereit.

Ingrid Herta Drewing

Nebelmeer

Ach, dieses Wintergrau macht gar so müde.
Ich möcht’ den Nebelvorhang, diesen langen,
zur Seite ziehen, um dann unverhangen
der Sonne Licht zu sehen, Glanz im Süden.

Ich wünsche mir die klare Winterwelt,
das Blau des Himmels über weißem Schnee.
Doch alles, was ich heute draußen seh’,
wirkt als Kulisse, für den Schlaf bestellt.

Um nicht ins Nebelmeer zu tauchen, sinken,
zünde ich Kerzen an. Im warmen Licht
zu Hause träumen, Phantasie mag winken,
Musik mir klangvoll Heiterkeit verspricht.

Musik, die uns in allen Lebenslagen
wird Wohlgefühl und Freude nicht versagen

Ingrid Herta Drewing

Das neue Jahr

Brautstrauß

So zart und lebensfroh das junge Jahr

am Morgen rosig in die Zukunft blickt,

uns viel versprechend, hoffnungsvoll entzückt,

obwohl, was kommen wird, ist noch nicht klar.

Wir, die es lautstark, feuerbunt begrüßen,

erwarten manches, wollen vieles nicht,

ersehnen uns des Friedens warmes Licht,

Gesundheit, Wohlstand soll das Leben süßen.

Es gibt so vieles, was wir nicht gestalten,

wir hoffen, jenen, die jetzt herrschend walten,

verleihe Gott den Geist, gerecht zu sein.

Denn nur, wenn alle Menschen hier auf Erden

menschlich gesehen und behandelt werden,

kehrt Harmonie in dieses Leben ein.

Ingrid Herta Drewing

Sylvester-Gedanken

EngelBei Tannengrün und Kerzenschein

sitz ich beschaulich hier allein

und lausch der Neunten Klingen,

hör’ unsren Chor schön singen.

Diesen Kuss der ganzen Welt,

den die Freude hell bestellt,

nach von Schillers Worten,

würde ich gern orten.

Mit dem Küssen wird’s nichts werden,

denn noch immer hier auf Erden

frönt dem Hass die Meute,

Gift in unsrem Heute.

Kann nur hoffen, dass im Kleinen

Liebe wird uns Menschen einen.

Gemeinsam dann und stark

man Schweres auch ertrag’!

Ingrid Herta Drewing