Dichtend leben

Diso

Es rinnt das Leben mir aus meinen Händen,
ermattet schon, kaum aus dem Schlaf erwacht.
Nur noch im Dichten mag ich mich verschwenden,
in Worten sacht mein zagend Ich erwacht.

Ich schreibe sie, als seien sie mein Leben
und tauche glücklich in die Verse ein,
als fände hierin mein vergänglich Streben
sich im Gedicht in seiner Heimstatt ein.

Die Wörter fließen, finden sich zu Sätzen,
als hauche mir ein fremder Sinn die Zeilen ein
und fange sie mit unsichtbaren Netzen
in Metren und in Reimen sorgsam ein .

Ob solch ein Fischzug wirklich mag gelingen,
obwohl doch niemand seine Netze warf,
ob Wohlklang kann entstehen in dem Singen,
das sich nur selber hören, prüfen darf?

Ich weiß es nicht, das wird sich alles zeigen,
wenn schließlich mir der letzte Morgen naht,
weil dann sogar die schönsten Klänge schweigen,
und die Musik verliert sich auf dem Pfad.

Dann mögen andre helle Flügel schwingen
und meiner Seele leichte Feder sein.
Ich kehre ein, wo alle schweren Dinge
sich lösen zärtlich auf im Lichte rein.

Ingrid Herta Drewing


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