Mauersegler-Abschied

Schon sind des Sommers muntre Boten,

der Mauersegler schnelle Schar,

gezogen südwärts, denn hier drohte

des Wetters Unbill jetzt im Jahr.

Mir fehlen sie im Tagesbild,

wie sie so sanft am Himmel schweben

und auch den Abend noch beleben,

durch Straßenschluchten preschend wild.

Sie als des Sommers Vorhut sagen,

da sich der Sonnenbogen neigt

und kürzer werden alle Tage,

dass sich hier bald der Frühherbst zeigt.

Ingrid Herta Drewing

Sommeradonisröschen

So zart und filigran wie deine Blätter,
blickst du nun blühend aus dem grünen Nest,
Adonisröschen, wächst im Sommerwetter,
in Wiesenwogen feierst du dein Fest.

Ich finde dich zu meiner Freude wieder
im Blumenkasten auf dem Fensterbrett.
Hier singst du deine zarten Blüten-Lieder;
der Frühlingswind hat dich gebracht so nett.

Geschenke macht der Wind, legt in die Erde
so heimlich manches Samenkorn hinein.
Ich wart’ geduldig, hoff’, dass daraus werde
ein Pflänzchen schön wie du, mein Röselein.

Ingrid Herta Drewing

Am See

Zartweiße Schleier,
ein Hauch am Morgenhimmel
des Sommertages.

Die Segel gehisst,
gleiten zwei Boote dahin,
im Tanz auf dem See.

Ich steh’ am Ufer,
sehe den Reiher fliegen,
den Silbervogel.

Naturferne

Statt auf Wiesen sich zu kugeln,

wollen Kiddies heute googeln,

sitzend wagt man viel.

Nur noch Daumenspiel

kennen manche dicken Buben,

hocken meist nur in den Stuben,

Playstation mobil.

Virtuell die Welt erfahren,

keinen Wind spür’n in den Haaren,

nur mit Bild im Bilde,

elektronisch Wilde,

fern von Feldern, Baum und Strauch,

dicker wird da nur der Bauch,

dünner wird der Sinn,

ohne Weltgewinn.

Sturm

Dem Sturme trotzen, aufrecht stehen,
mag er auch toben noch so wild,
Gefahren klaren Auges sehen,
dem Unvermeidlichen genügen,
und, ohne fraglos sich zu fügen,
gestalten seiner Zukunft Bild.

Ingrid Herta Drewing


Foto: Ingmar Drewings Zeichnung Nr.278

(www.drewing.de)

Kräuterdüfte

Ich fahr’ durch den Lavendelbusch
und atme ein behände
den wunderbaren, herben Duft,
das Öl an meinen Händen.

Geschenke, die der Sommer bringt,
der Kräuter Wohlgerüche,
ein Duft, der köstlich zu mir dringt
in meiner kleinen Küche.

Basilikum und Thymian,
auch Salbei ist’s und Rosmarin,
Dill, Minze und des Lorbeers Blatt;
sie sind mir so genüsslich grün.

Ich kenne sie aus Kindertagen;
gereiht zum Trocknen hingen sie
und spendeten im Wintergarten
mir süß der Düfte Harmonie.

Ingrid Herta Drewing

Sommergabe

So grünt der Sommer mir
in stillem Hoffen.
Des Lebens helle Tür
ist weit, weit offen.

Nun gilt ’s zu wagen
den ersten Schritt,
ein sanftes Tagen
geht schwingend mit.

So blüht der Sommer mir,
ich seh’ sein Lächeln.
Er schenkt es sanft auch dir,
ein zartes Fächeln.

Ingrid Herta Drewing

Chaotisches

Wie seltsam geht es zu auf dieser Welt!
Wie schrecklich wüten kann Natur:
Den einen Hitzebrände sie bestellt,
den andern droht Land unter nur.

Des Wassers Kräfte und des Feuers Biss,
im Übermaß tobt sich das Chaos aus,
bringt Menschen dort um Leben, Ernte, Haus;
Zerstörung, Tod in jedem Fall gewiss.

Und dort ,wo die Natur sich ruhig verhält,
da öffnen dumm wir dann dem Tod die Pforten,
in unsrem Hochmut, der so blind uns hält,
vernichten wir die schönen Lebensorte.

Ingrid Herta Drewing

Letzte Seite

Schon bald ist auch das letzte Blatt beschrieben,

dann wird dies Blanko-Buch geschlossen,

das vieles weiß vom Leben und vom Lieben

und Suchen nach den Wörtern, unverdrossen.

Es birgt sie nun, die vielen Augenblicke,

Gefühle, die poetisch hier gebannt,

die Freude und der Seele sanfte Blicke,

die schauend fühlt sich der Natur verwandt.

Und wer dies Büchlein wieder nimmt zur Hand

und liest, eintauchend ins Gedicht,

dem wird dies Schauen wohl bekannt,

weil es zu ihm aus jeder Zeile spricht.

Ingrid Herta Drewing

Sommerabend

Der Abend nimmt dich sanft in seine Arme
und gönnt dir eines langen Tages Ruh;
mit Sommerhänden schenkt er dir dies’ warme
und milde Lächeln, Abendrot dazu.

Die letzten Schiffe nähern sich dem  Hafen,
beschaulich fahren sie dort auf dem Fluss;
errötend spiegelt er der Sonne Kuss,
bevor im Dunkel seine Wellen schlafen.

Und nun, da alles seine Träume findet
im Silbersternenmantel dieser Nacht,
fühlst andächtig du, was dich hier verbindet;
du löschst das Windlicht, schließt dein Buch ganz sacht.

Und dankst dem Schöpfer für dies schöne Leben,
das Tag für Tag dir hier wird neu gegeben.

Ingrid Herta Drewing