Ermunterung

H eute, sagt die Hoffnung, wird es gut.

O hne Zweifel, glaube mir, vertraue!

F reu dich deines Lebens, fasse Mut!

F olge aufrecht deinem Weg und schaue!

N eues wartet hier auf dich, nimm es doch wahr!

U nd verschließ nicht ängstlich deine Augen!

N ur mit Zuversicht wirst du es stets Gewahr.

G laub’ an dich, dann wird dein Werk was taugen !

Ingrid Drewing

Kindheit

Oh ,Kind sein , Leben im Bewegen

und Staunen , was die Welt verspricht.

Ein jeder Tag , ein Farbensegen ,

es sieht mit wachem Augenlicht.


Ja , Kind sein , wenn es wohl geborgen,

den Tag , die Stunde frei verträumt;

noch fern sind der Erwachs’nen Sorgen ,

noch keine Pflichten , die versäumt .


Vertraut mit Pflanzen und mit Tieren ,

ein Garten , hell ,die kleine Welt ,

erobert erst auf allen Vieren ,

dann aufrecht ,schauend, was gefällt.


Mit viel Geschick etwas erbauen

aus Steinen oder auf Papier ,

der eignen Kraft im Spiel vertrauen ,

mutig erkundend das Revier.


Im Reich der Phantasie obsiegen,

im Märchen und auf hoher See ;

Piraten , die auf Meeren fliegen ,

Prinzessinnen , so weiß wie Schnee.


So schön , so zart , so müsst sie währen ,

doch bleibt sie uns nur kurz , die Zeit ,

in der wir reinen Sinnes ehren ,

was uns die Schöpfung hält bereit.


Ingrid Drewing


Herbstlicht

Ja, auch der Herbst beschert uns helle Tage.

Die Sonne funkelt klar,ein Diamant,

und gleißend brennt ihr Licht als Lustansage

des Lebens an das welkbereite Land.


Des Lebens, das in abertausend Farben

als Feuerwerk zum Abschiedsfest erblüht,

nun da die Sommerwunde im Vernarben

des Herbstes Hilfe reif und mild bemüht.


Und folgen jetzt dem Lichte lange Schatten,

und wird vergehen, was dem Blick gefällt,

so regt sich Neubeginn doch im Ermatten

und Hoffnung, dass uns gütig Gott erhält.

Ingrid Drewing

Schöner Tag

An einem schönen Tag wie diesem

geht man recht schwungvoll an sein Werk,

und selbst der größte Nörgelzwerg

hofft, dass für ihn die Blumen sprießen.

Die Sonne trägt das himmelblaue,

mit Gold bestickte Strahlenkleid.

Die Wolken werden blass vor Neid,

und fliehen nach dem Morgengrauen.


Der Mensch fühlt sich erfrischt, getragen,

denn Licht durchflutet lacht der Tag.

Vergessen sind jetzt Trübsal, Klagen,

weil er sich nun auch selber mag.

Ingrid Drewing

Kinder

Kinder sind wie Sonnenstrahlen,

schenken unsrem Leben Licht,

denn ihr Lachen alle Qualen,

grauen Tages Frust durchbricht.

Kinder sind der Liebe Boten,

schauen offen in die Welt.

Ihre Augen staunend loten

aus, was wichtig ist, gefällt.


Kinder sind der junge Morgen,

gehen singend in den Tag,

lassen uns vergessen Sorgen,

auch des Alltags Müh und Plag.


Kinder, an des Lebens Quelle,

sprudeln munter, spielend leicht,

sind erwartungsfroh zur Stelle,

wenn uns Hoffnung kaum erreicht.


Kinder sind von Gott gegeben,

uns in Liebe anvertraut,

sollten sorgsam sie umhegen,

schützen, lieben, gütig pflegen,

leiten recht, erziehen traut.

Ingrid Drewing

Nebel

Die Nebelgeister stieben

früh morgens um das Haus.

Vom Fluss her, den sie lieben,

ziehn sie ins Land hinaus.


Sie legen sich auf Straßen

in dichtem ,hellem Grau,

verwischen Kronen, Maße

der Bäume ungenau.


Mit ihren feuchten Händen

erfassen sie die Stadt,

ihr trüb’ Werk zu vollenden,

bis endlich Sonne hat

mit ihren Strahlenlanzen

sie ganz zurückgedrängt.


Nun darf das Leben tanzen

im Licht, das ihm geschenkt.

Ingrid Drewing

Grauer Herbsttag

Ein grauer Himmel hält den Tag gefangen.

Es ist so still, kein Vogel singt.

Mir ist, als künde sein Verlangen

der Spätherbst an, und Nebelbangen

in dichten Schwaden vorwärts dringt.


Doch dadurch lasse ich mich nicht verdrießen,

bereite mir ein warmes Nest,

bei Kerzenschein Musik genießen,

den Tee mit Kandiszucker süßen,

ein gutes Buch zum Lesefest.


So trotze ich des Herbstes Ungeheuer,

die er nun hin und wieder schickt.

Die Poesie, mir lieb und teuer,

beglückt, erwärmt mit ihrem Feuer,

zum Licht mich Phantasie entrückt.

Ingrid Drewing

Garten im Herbst

Der kleine Grillplatz liegt verlassen

im Garten, wo das Laub sich häuft,

und auf der Bank, der regennassen,

nur eine Dohle trippelnd läuft.


Fliegt über den Lavendelbusch

hinauf ins Reich der Bäume,

so schnell davon, in einem Husch,

wie unsre Sommerträume.


Doch Herbst ist gnädig und gewillt,

uns all sein Gold zu schenken;

der Früchte Korb ist reich gefüllt,

wer mag da Trübes denken ?

Ingrid Drewing

Fernbeziehung

Anfang

Ein Vöglein hat es mir gesungen;
so wundersam hat es geklungen,
dass ich verzaubert stehe,
dein liebes Bild nur sehe,
von Liebe ganz durchdrungen .

Ach, wenn ich auch ein Vöglein wäre,
ich flöge über Wald und Meere
wie in dem schönen Liede.
Vor Sehnsucht bin ich müde.
Oh, wenn ich bei dir wäre!

Ende

Hab deine E-Mail heut‘ gelesen,
schreibst, unsre Liebe sei’s gewesen,
entfernt , so ohne Nähe,
auch wenn ich’s anders sähe.
So sei nun mal dein Wesen.

Ingrid Drewing
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Träume

In meiner blauen Sehnsuchtskiste

bewahre ich schon lange einen Traum.

Ich schau ihn manchmal an, als müsste

er sanft erwachen; doch dann merk’ ich, kaum


will er sich zur Erfüllung regen,

halte ich schnell, fast scheu, mich wieder fern.

Mir ist, als müsse ich den Zauber hegen,

der ihn umgibt wie einen fremden Stern.


Denn vieles, was so zart und leise

uns wartend glücklich werden lässt, vergeht,

wenn seine wundersame Weise

im grauen Licht des Alltags nicht besteht.

Ingrid Drewing