Gewissheit

Irgendwann einmal,
wenn ich
schon lange
nicht mehr
schreiben kann,
noch
mit den Lippen
Worte
zu formen vermag
ruft mein Herz
deinen Namen
und ich weiß,
mir wird Antwort.
Ingrid Drewing

Irgendwann einmal,
wenn ich
schon lange
nicht mehr
schreiben kann,
noch
mit den Lippen
Worte
zu formen vermag
ruft mein Herz
deinen Namen
und ich weiß,
mir wird Antwort.
Ingrid Drewing

Dies Leben hier auf Erden zu erschauen
in seiner Vielfalt, Farbe, seinem Glanz;
uns auch mit seiner Schöpfung zu betrauen,
zeigt Gottes Liebe uns Geschöpfen ganz.
In seiner Güte hat er uns geliehen
die Erde, die uns reich im Leben hält.
Wir sollten sorgsam sein und uns bemühen,
dass wir sie schützen, halten wohl bestellt.
Ein jedes Wesen, jede Pflanze hier auf Erden
ist einzigartig, lässt uns dies verstehen,
damit wir Gottes Gärtner, gute Hüter werden.
Nur so wird unser Leben nicht vergehen.
Ingrid Drewing
Es warb ein weißer Schmetterling
um eine Rosenblüte,
die duftend ihn im Licht empfing
in ihrer Blumengüte.
Doch blieb er flüchtig, nur als Gast,
den Nektartrunk begehrend,
dann flattert’ er davon, schien fast
ihr Dornenlied zu hören.

Es liebt dies Los der Schmetterling,
von Blum’ zu Blüte fliegen,
schwirrt tanzend hell im Sonnenring,
lässt sich vom Winde wiegen.
Ingrid Drewing
Und fahlgelb schien uns der Septembermond,
als du gemeinsam mit dem Sommer gingst.
Dein Abschiedskuss, noch liebevoll betont,
und doch dies Fremdeln, als du mich umfingst.
Du warst zwar hier und dennoch schon gegangen.
Dein Blick, verlegen, wich dem meinen aus.
Darum verbarg ich sorgsam mein Verlangen
und folgte dir noch traurig vor das Haus.
Wer weiß, wohin die Liebe müde ging;
warum wir sie nicht bergen konnten,
obwohl sie einstmals uns so lieb umfing,
als glücklich wir in ihrem Glanz uns sonnten?
Ingrid Drewing
Ein regennasser Abend, so triste wie Brigittes Stimmung. Müde und abgespannt betrat sie das Treppenhaus des vierstöckigen Mietshauses, in dem sie wohnte.
Noch den Briefkasten leeren und dann schnell nach Hause , duschen, etwas essen, die Beine hochlegen , entspannen und noch ein bisschen lesen.
Langsam trottete sie die Treppen hoch zu ihrer kleinen Wohnung.Na ,wundervoll! Die Birne war mal wieder hin, jetzt durfte sie im Dunkeln zu ihrer Wohnung hinauf steigen.Aber was war denn das? Ihre Wohnungstür war einen Spalt breit geöffnet. Irgendwer musste da unerlaubt eingedrungen sein.Und ihre schwerhörigen Nachbarn hatten natürlich nichts davon bemerkt.Aber Einbrecher, bei ihr? Als ob es da etwas zu holen gäbe! Nun vielleicht haben die mir ja etwas mitgebracht, sagte sie sich leicht sarkastisch.
Was sollte sie machen, in die Wohnung gehen und nachschauen oder gleich die Polizei anrufen? Man konnte ja heutzutage nicht vorsichtig genug sein. Dennoch öffnete sie die Tür weit und schlich hinein. Um sich nicht zu verraten, ließ sie das Flurlicht ausgeschaltet. Im Wohnzimmer brannte Licht, es schimmerte unter der Türe durch. Der Einbrecher war also noch da. Nein, es waren offenbar zwei. Sie hörte, wie der eine laut sagte: “ Los, beeil dich, sieh zu, dass du die Schmuckschatulle bald findest! Sie kann jeden Augenblick kommen, und dann hetzt sie die Bullen auf uns.“ Sie ist schon da, Jungs, und von wegen Schmuckschatulle, da könnt ihr lange suchen! Mein bisschen Modeschmuck ist in der alten Kaffeetasse im Küchenschrank. Wie waren diese dämlichen Diebe nur darauf gekommen, ausgerechnet bei ihr einzubrechen? Aber sie musste dennoch vorsichtig sein, dass sie nicht entdeckt wurde. Es waren schon Menschen für weniger umgebracht worden.Als sie sich gerade wieder ins Treppenhaus begeben wollte, um mit ihrem Handy die Polizei anzurufen, öffnete sich die Wohnzimmertür. Eine Sekunde lang stand sie steif vor Schreck da, aber dann versteckte sie sich schnell hinter der geöffneten Tür. Da hörte sie plötzlich die Stimme ihrer Nachbarin: „Mensch, Peter, du hast schon wieder mal vergessen die Wohnungstür zu schließen, als du den Wasserkasten nach oben gebracht hast. Da kann uns ja jeder überfallen. Und alles nur, weil du nicht schnell genug zu deinem Fernsehkrimi kommen kannst!“ Erleichtert trat Brigitte hinter der Tür hervor, wollte erklären, was geschehen war, als Frau Sorge, die sie im Dunkeln nicht erkannt hatte, laut aufschrie und dann ohnmächtig auf dem Veloursläufer zusammensackte. Herr Sorge fand sie erst, als Brigitte schon damit beschäftigt war, seine Frau in die stabile Seitenlage zu bringen, sie auf die Wange patschte und laut bei ihrem Namen rief. Er war sehr von ihrer Hilfe angetan und bedankte sich dafür, dass sie so schnell herbeigeeilt sei, um zu helfen. Denn er war so sehr in den Fernsehkrimi vertieft gewesen, dass er den Schrei seiner Frau erst sehr spät registriert hatte.Glücklicherweise erholte sich Frau Sorge sehr schnell wieder von dem Schock. Und als Brigitte ihr Missverständnis aufgeklärt hatte, dass sie im Dunkeln, wohl auch weil sie so müde war, die Wohnung verwechselt hatte, konnten sie sogar über den vermeintlichen Einbrecher lachen.
Ingrid Drewing
Die Liebe schenkt uns erst das Leben,
Erfüllung und Geborgenheit,
der Freude helles Glück,
den Hort, das Ziel nach langem Streben
der Sehnsucht nun Zufriedenheit,
des Lächelns Augenblick.

Doch Lieben heißt auch Leid ertragen,
denn das, was glücklich sein uns lässt,
macht so verwundbar auch.
Loslassen können ohne Klagen;
das Liebste hält man zu gern fest,
weil unser Herz es braucht.
Ingrid Drewing

Noch blüht der Klee im Grün der Wiesen
und Gänseblümchens Sterngesicht
blickt freundlich, scheint uns zu begrüßen,
obwohl bereits der Herbst besticht.
Rotgelb färbt er der Bäume Blätter,
ist Gast im Hagebuttenstrauch,
begegnet uns mit Regenwetter,
doch Sonnengold verströmt er auch.
Dem Eichhorn hilft er Nüsse suchen
für einen langen Wintertraum,
verstreut die Eckern unter Buchen,
verweilt auch im Kastanienbaum.
Die Früchte, glänzend, braun und rund,
befreit er aus dem Stachelnest.
Das Kind bestaunt beglückt den Fund,
hält ihn als Schatz im Händchen fest.
Den Trauben schenkt er letzte Süße
so er im Sonnenschein erglänzt,
und uns erfreuen Winzers Grüße,
wenn er den Festtagswein kredenzt.
Ingrid Drewing
In einer Reihe,
zusammengeklappt,lehnen
Stühle an Tischen.
Lampions, Girlanden
in verblichenen Farben
hängen nass im Baum.
Blätter fallen sacht
decken die blanken Tische.
Der Herbst ist zu Gast.
Ingrid Drewing

Septemberabend, still im Garten
sitz ich, umspielt von lauer Luft,
genieß der Rosen letzten zarten,
betörend süßen Blütenduft.
Wie schwer das Abschiednehmen fällt,
erkennst du jetzt im Herbst des Lebens;
die Sonnenuhren abgestellt,
im Schwelen zündelst du vergebens.
Du musst leb wohl dem Sommer sagen,
der Sonnenbogen tiefer sinkt.
Statt Amselsang der Krähen Klagen
nur krächzend aus den Wipfeln dringt.
Genieß des Herbstes goldne Tage
sein Lied gewiss noch schön erklingt,
wenn auch des Nebels Schleier vage
dich kühlem Winter näher bringt.
Ingrid Drewing

Herbsttag im Garten, klares Blau
des Mittags lädt uns ein zu schweigen.
Die Sonne wärmt, die Luft ist lau,
und Blattgold schimmert in den Zweigen.
Nur ab und zu ein Rascheln, leise,
fast flüsternd, aus den Bäumen fällt
die Haselnuss auf ihrer Reise,
bevor das Eichhorn sie behält.
Ingrid Drewing