Archive for the Category Leben

 
 

Sommernacht

Ein gelber, großer Mond

hängt in des Kirschbaums Zweigen,

wo er als König thront;

man möchte sich verneigen.


Dem Zauber zart erlegen,

der diese Stunde bannt,

fühl ich des Sommers Segen

sanft liegen überm Land.


Und träume meine Lieder.

In dieser lauen Nacht

schlüpf’ ich ins Mohngefieder,

ein Sternentraum erwacht.

Ingrid Drewing

Sommerabend

Es weht ein milder Abendwind,

vertreibt die dumpfe Schwüle.

Jetzt sitzt im Freien man so lind,

genießend, Wohlgefühle.

Ein gutes Buch, ein netter Plausch,

der Amsel süße Sänge;

ein guter Trunk im Blütenrausch

verschönt des Tages Länge.


Und dann im Glanz die Sternennacht

lädt ein zu sanftem Träumen.

Gern weilt man, bis der Tag erwacht

dort unter Sommerbäumen.

Ingrid Drewing

Orte der Erinnerung

Zwischen Buchs und Malvenhecken

spielten früher wir Verstecken,

freudig aufgeregt.

Heute, noch bewegt,

folge ich den Kindheitswegen,

träume von der Zeit, dem Segen,

liebevoll gehegt


Und am Tor, dort in die Linde,

schnittest du tief in die Rinde

unser Zeichen ein,

sollt’ für immer sein.

Ja, das Herz, es ist geblieben,

aber unser beider Lieben

passte nimmer rein.


Jetzt noch rührt mich leises Schauern

und der Wehmut zartes Trauern,

fühl noch deinen Kuss,

als ein fernes Muss

uns das Abschied nehmen lehrte.

Nähe, die wir so begehrten

fand hier ihren Schluss.

Ingrid Drewing

Nacht auf dem Lande

Wie still die Nacht im Lande ruht,

nur Uhren gehn spazieren.

Du hörst den eignen Herzschlag gut,

kannst Leben buchstabieren.


Kein Hupkonzert, kein lauter Ruf!

Hier schläft die Welt in Frieden.

Das Klackern eines Pferdehufs

fehlt ebenso hienieden.

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Magst sammeln dich in solcher Nacht

und zählst am Himmel Sterne,

denkst an die laute Großstadtmacht,

dies Leben in der Ferne.

Ingrid Drewing

Sommernostalgie

Oh sing mir Wind! Sing in den Wiesen

dein Lied, die Gräser flirren lind,

den Sonnenmittag zu begrüßen!

Der Lerche Sang, dem hellen süßen,

lauschte ich träumend schon als Kind.


Aus Wiesenblumen einen Kranz

flocht ich, trug ihn als Krone, Zier.

Und Elfen luden mich zum Tanz,

vor Glück war ich benommen ganz

im Spiel der Phantasie mit mir.


Oh sing mir Wind die alten Lieder!

Ein süßes Weh mein Herz bewegt,

lausch längst vergangnen Klängen wieder

und lass’ mich sanft im Grase nieder,

erfühle, was ich einst gehegt.

Ingrid Drewing

Apriljuni

Dieser Juni spielt April,

Wetterkapriolen.

Mal zeigt er sich kalt, dann will

Sonnenbrand er holen.


Gehst du ohne Schirm, wird’s nass,

prasseln Wolkenbrüche,

oder’s Sonnenbutterfass

macht die Wetterküche.


Deckst im Garten du den Tisch,

liebst die Luft im Freien,

holt’s der Wind mit einem Wisch,

nichts kann dort gedeihen.


Nun, was soll’s, wir können nicht

unser Wetter machen,

doch ein fröhliches Gesicht,

lasst uns drüber lachen!

Ingrid Drewing

Sonnentag

Ein Tag so hell, als habe man die Welt

geradewegs aus einem Ei gepellt,

so klar und rein, so frisch und mild die Luft

und reich erfüllt mit süßer Blüten Duft.

Der Himmel weit, erglänzt in zartem Blau,

in grünem Kleide grüßen Wald und Au.

Der Mensch, befreit, genießt den schönen Tag,

die gute Zeit, vergisst nun Müh und Plag.

Ingrid Drewing

Wolkenbild

Hoch steht die Wolke überm Haus,

schneeweiß, so flauschig hell wie Watte.

Als lugt es aus den Federn raus,

grüßt freundlich, ziegelrot das Haus,

im Hintergrund das Blau, das satte.


Die Wolke nur für eine Weile

des Malers Blick gefangen nimmt,

dann wird sie schnell durch Windes Eile

als Zeichen einer neuen Zeile

in eine andre Form getrimmt.


Zieht weiter, würde ganz verschwinden,

gäb’s nicht dies Bild, das sie gebannt.

Ein Augenblick und ein Empfinden,

Natur und Mensch sich hier verbinden

in Kunst,ein Lebensunterpfand.

Ingrid Drewing

Wanderung

Wolkentag,

verstummend im Grau.

Verschlungen der Pfad

bergauf.

Kein Sonnenfinger,

kein Zephir

streicheln die Wange,

kräuseln das Wasser

des Sees,

flüstern zärtlich.

Nur

Wetterfichten im Nebel,

zerzaust.

Aber

im Sternenmantel die Nacht

hüllt mich ein,

und ein Feuer grüßt hell

in der Hütte.

Ingrid Drewing

Vollmondnacht

Gleich den grünen Efeuranken

winden sich in mir Gedanken

nächtens aufwärts hin.

Mag doch schlafen wie die Braven,

doch mir fehlt der Sinn.

Vollmond schaut mit großen Augen,

hält sehr lange aus.

Wie soll ich zum Schlafe taugen,

wenn er schleicht ins Haus?


Sagt: “Zieh’ mit mir, geh und reise,

ich zeig dir den Weg!“

Steh ich auf und gehe leise

auf den nahen Steg.


Höre dort die Frösche quaken,

toll vom Silberlicht.

Ja, sie können auch nicht schlafen!

Schuld des Mondgesichts.

Ingrid Drewing