Archive for the Category Gesellschaftskritisches

 
 

Krone der Schöpfung

Die Kröte in dem dunklen Erd-Zuhause,

sie weiß, wie sie sich vor der Sonne schützt.

Der Sommerhitze brütend wildem Grause

entgeht sie so im Kühlen, recht gewitzt.

Doch mancher Mensch lässt sich recht gerne grillen

und legt sich bar an heißen Sonnenstrand;

den Schönheitswahn der Bräune dort zu stillen,

verleugnet er Gefahren, die bekannt.

So wider bessres Wissen falsch zu handeln,

schafft diese Schöpfungskrone jederzeit.

Kein Tier, das mit uns muss auf Erden wandeln,

gebärdet sich so dumm im Hochmutskleid.

Wir, die die Umwelt unentwegt zerstören,

entpuppen uns als Fehler der Natur,

wenn wir nicht endlich auf die Mahner hören,

die Umwelt schonen, finden rechte Spur.

Natur kann ohne uns wohl immer sein;

wir aber sind nur Teil von ihr und klein.

Ingrid Herta Drewing

Erstaunlich

Ein Hund, der in der Straße Mitte
in tiefem Schlafe ruhte,
ward nicht von Fahrern,
wie’s hier Sitte
geweckt durch Hupgetute.
In großem Bogen um das Tier
lenkten sie ihre Wagen,
wechselten fraglos ihr Revier
und hatten keine Klagen.
In Bhutan war’s, wo dies geschah;
erstaunt  sah ich das Bild.
Der Mensch ist der Natur dort nah,
sein Glaube stimmt ihn mild.
In uns’rem Land erwacht schon Freude,
wenn mal für Menschen wird gestoppt.
Wie oft fühlt man sich fast als Beute,
von wilden Fahrern arg gefoppt.
Gelassenheit, lehrt die Geschichte,
ist  ganz gewiss ein guter Rat;
die Hektik macht sonst das zunichte,
was man als Mensch zu schützen hat.
Ingrid Herta Drewing

Vuvuzela

Vuvuzela, dieses Wort klingt schön,

doch agierend mag ich sie nicht sehn

und erst recht nicht hören diese Tröte,

deren Töne bringen Ohr’n in Nöte.

Vuvuzela wird zum Höllengraus,

der die Ohren arg mit Lärm belastet.

Dröhnend hallt ’s aus vielen Stadien raus,

mancher möcht’ gern aus dem Lärmzelt hasten.

Kannst dein eignes Wort nicht hören,

glaubst, dass Schwärme von Hornissen

nahen, stechen, Wut verbissen,

böser Geister Macht beschwörend.

In Südafrika gibt’s dies als  Brauch,

und man sollte ihn dort auch belassen.

Doch ich fürchte, man wird sie hier auch

stärker hören müssen in den Gassen.

Menschen, wenn sie sich in Massen

sammeln, werden meist sehr laut.

Die Natur scheint Gott verlassen,

weil man nicht mehr auf sie schaut.

Ingrid Herta Drewing

Zeiterscheinung

Jetzt kommt die Zeit, da Männer grillen,
und Frauen im Bikini gehen,
mit großen, schwarzen Sonnenbrillen
begeistert in die Gegend sehen.

Verbrannter Fleischgeruch, der über
den hellen, grünen Gärten schwebt.
Gelächter brandet laut herüber,
man trinkt beschwingt sein Bier und lebt.

Am Lagerfeuer wie die Ahnen
versammelt sich die traute Schar,
und digital wähnt der Schamane
den Börsenkurs fürs Beutejahr.

Ingrid Herta Drewing

Ersatz

Die IFA,jedes Jahr ein Hit ,
zeigt, dass die Technik hier ist fit,
beglückt Besucher mit Finessen,
medial erweckt sie Interessen,
reizt Kauflust und lockt an die Kunden
mit Neuem, was man hat erfunden.

Vom Publikum erstaunt umringt,
befragt , was man in Zukunft bringt,
verkündet ein Professor stolz,
Objekte lieben, dieses soll’s
in Kürze ganz alltäglich geben,
Gefühl mit Robotern erleben.

Statt menschlicher Geselligkeit ,
sei elektronisch stets bereit
zum Knutschen , Knuddeln ,weich im Wuscheln,
ein künstlich’ Wesen, schön zum Kuscheln.
Ein Knopfdruck ,  in Sekundenzeit
Sei man von Einsamkeit befreit.
Er sprach dies mit Verheißungsblick,
als läge darin größtes Glück.

Ich sah und hört’ es mit Entsetzen.
Wie kann man daran sich ergötzen,
anstatt sich menschlich zu begegnen,
ein Surrogat so abzusegnen?

Was wäre das für eine Welt,
in der der Mensch sich so verhält,
wenn er ,dem Leben fern, allein,
verstrickt im Automatensein,
ohne Gefühl und ohne Liebe
nur ein Modul im Schaltkreis bliebe?

Ingrid Herta Drewing

Falschspieler

Die Noten in den Wind geblasen,

kein Goodman, Goldman Sachsophone.

Den Anlegern gezeigt die Nase,

Investment-Spott in Ton und Hohn.

Diese Musik scheint mir zu flüchtig.

Wer ist schon so vergnügungssüchtig?

Ingrid Herta Drewing

zu Ingmar Drewings Zeichnung

Ölpest

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Hier wächst das neue Leben; in den Bäumen
zeigt sich der Frühling, blühend rein umloht.
Doch fern von diesen hellen, zarten Träumen
naht schleichend auf der Welt ein fremder Tod.

Es drohen Katastrophen dort dem Leben;
nicht nur Natur, der Mensch hat sie gemacht.
In seiner Gier und seinem eitlen Streben
dringt er in Zonen vor, oft unbedacht.

So klebrig zäh, wie diese Ölpest wirkt,
vernichtend, was das Meer an Leben birgt,
hält auch die Menschheit fest am Wachstumswahn.

Aufwachen müssen wir und klar ermessen,
dass wir den Schutz der Umwelt nicht vergessen,
sonst ebnen wir dem eignen Tod die Bahn.

Ingrid Herta Drewing

Seltsame Blüten

PelblütNicht nur was so kriecht und fliegt,
uns sehr oft am Herzen liegt,
dass auch Flora uns bewegt,
zeigen Gärten, die man pflegt.

Ja, sogar in seinen Räumen
mag der Mensch es nicht versäumen,
sich mit Blüten zu umgeben,
sie verschönern ihm das Leben.

Mancher hat in der Garage
seine kleine Hanfplantage,
und in Kellern, fast vergessen,
arbeiten noch Druckerpressen,
wo man Blüten, abgestimmt,
zart auf Euro-Norm hin trimmt.

Findet Polizei Erklärung
für die nachgemachte Währung,
endet schnell der Blütentraum
bei JVA im Gitterraum.

Ingrid Herta Drewing

Inspiriert von Botany

Bierbird

Seltsame Vögel findet man seit Jahren
darunter auch bei uns den Bierebird.
Im Frühling, Sommer sieht man ihn in Scharen
in Gärten sitzen bei dem Bierenwirt.

Im Gegensatz zu seinen Fluggenossen,
die gern die Körner picken, wenn die fest,
mag er ’s als Malz, gebraut, in Maß gegossen,
weil er es durch die Kehle laufen lässt.

Hat er getrunken Gerstensaft ausgiebig,
dann kommt es leider auch recht häufig vor,
dass er laut grölend, streitsüchtig und kiebig
den andern Bierbirds haut’ die Maß auf ’s Ohr.

Doch soll’s auch zahme Exemplare geben,
die plaudern und die Maß genüsslich heben.

Ingrid Herta Drewing

Inspiriert durch „A League Of His Own“

Seltsame Tiefseefunde

Tief Elektromüll, den man sonst gar

dreist deponiert in Afrika,

ward auch schon heimlich, unberappt,

dort tief auf hoher See verklappt.

Als unbekannte Meereswesen

hat man da neulich aufgelesen

den Fönfisch und die Turnschuhqualle,

den Staubsaugrüssler ohne Schnalle,

das Toasterfischchen, Radioglimmer,

den Lampenwusler, Lockendimmer.

Es sei sogar ein Kühlschrankhai

gesehen worden und dabei

’ne Fernsehröhrwurmkolonie,

voll Glühdrahtschwebkrebssympathie.

Wer glaubt, das sei ’ne Zeitungsente,

es gebe doch den Umweltschutz,

bedenke, dass der Welt Talente

sind oft  gelenkt von Eigennutz.

Ingrid Herta Drewing

Foto, Original www.drewing.de

„Marine Marvels“