Archive for the Category Jahreszeiten

 
 

Nebliger Morgen

Des Nebels kühler Morgengriff

vereist die Fensterscheiben,

im filigranen Raureifschliff ,

ein winterlich Betreiben .


Jedoch der Sonne goldne Hände

ziehn endlich dann den Vorhang auf.

Erstrahlend blickt sie ins Gelände

und weckt das müde Leben auf.


Schon wuselt ’s Eichhorn über Wiesen,

bringt Nüsse flugs in sein Versteck.

Ein Hund darf seinen Baum begießen ,

und sanft die Katze schleicht um’s Eck.


Auch wir sind längst in Schwung gekommen,

die Arbeit ruft , wir hören sie ;

tatkräftig ,nicht mehr so beklommen ,

erfasst uns jetzt fast Euphorie .


So mag der Herbst uns nun begleiten,

erstrahlend,sonnig , farbig schön;

dann können wir die Nebelzeiten ,

die er uns bringt , gut überstehn.

Ingrd Drewing


Abschied

Und fahlgelb schien uns der Septembermond,

als du gemeinsam mit dem Sommer gingst.

Dein Abschiedskuss, noch liebevoll betont,

und doch dies Fremdeln, als du mich umfingst.


Du warst zwar hier und dennoch schon gegangen.

Dein Blick, verlegen, wich dem meinen aus.

Darum verbarg ich sorgsam mein Verlangen

und folgte dir noch traurig vor das Haus.


Wer weiß, wohin die Liebe müde ging;

warum wir sie nicht bergen konnten,

obwohl sie einstmals uns so lieb umfing,

als glücklich wir in ihrem Glanz uns sonnten?

Ingrid Drewing

Herbstgerüche

Jetzt naht der Herbst mit seinen Wohlgerüchen,

erinnert an vergangne Kinderzeit,

als wir gespannt und brav in Mutters Küche

gewartet bis der gute Schmaus bereit.


Es roch nach Mus und leckrer Marmelade,

nach Pflaumen, Äpfeln, Nelken, Zimt, Anis,

ein kleiner Vorgeschmack der großen Gnade,

Adventszeitfreude, Weihnachtsparadies.


Auch auf den Feldern die Kartoffelfeuer

nach einem arbeitsreichen Erntetag

waren mir damals noch recht lieb und teuer,

wie wenig doch den Hunger stillen mag.


Es sind die kleinen Freuden, die wir lieben,

und ein verklärter Blick zurück nun schaut,

das, was uns rührte, zärtlich ist geblieben

als teurer Schatz, dem unser Herz vertraut.

Ingrid Drewing

Septembermorgen

Der Erde zarte Nebelhülle

entschleiert lind des Tages Licht;

vom Tau geküsst, sanft in der Stille,

erwacht ihr liebliches Gesicht.


Ein Strahlenspiel, unzähl’ger Perlen

Geschmeide ihre Wiesen schmückt,

und überm Schattenriss der Erlen

glänzt golden Sonne und beglückt .

Ingrid Drewing

Herbstnähe

Der Herbst streckt schon die Arme aus

und rüttelt an den Bäumen.

Wir folgen Ernteträumen

und tragen Frucht um Frucht nach Haus’.


Auch viele aus der Vögel Schar

sind südwärts fortgezogen;

wär’ gerne mit geflogen

in blaue Himmel, hell und klar.

Ingrid Drewing

Sommers Ende

Nun ist sie schon nach Süden weggeflogen,
die Mauerseglerschar in ihrer Pracht.
Der Abend scheint mir nicht mehr so gewogen;
mir fehlt ihr Schwirren vor Beginn der Nacht.

Ihr Wegflug weist schon auf des Sommers Ende,
obwohl er schwelend sich gefällt in Glut.
Die Frage, wer die Abschiedsbriefe sende,
verdrängt er lächelnd noch einstweilen gut.

Nach dem Kalender sind es noch vier Wochen,
die er mit Sonnenliedern für uns füllt.
Wir hoffen, dass er hält, was da versprochen,
bevor er sich in Reisekleidung hüllt.

So lasst uns denn das, was uns bleibt, besingen,
genießen jeden schönen, hellen Tag!
Wir selbst erschauen Glanz in allen Dingen,
verleihen ihm Bedeutung ohne Frag’.

Ingrid Drewing

Regentag

Der Regen spielt in d-Moll nun sein Lied,

und Sonnensehnsucht wohnt im Herzen.

In F-Dur klingen seufzend Terzen,

dein Blick das Grau des Wolkenhimmels flieht.


Erträumst dir Palmen, südliche Gestade

und Sternennächte, wo in mildem Wind

zu zweit du nächtens pflegst die Promenade,

um dann des Tags am Strand zu liegen lind.


Tauchst ein ins Blau der schimmernden Lagune,

wähnst dich im Paradies, so weiß der Sand,

wo ab und zu ein Fischer mit Harpune

die Fische fängt, Naturkind braun gebrannt.


Doch Regen prasselt dir in deine Träume,

naht sich doch ein Gewitter, der Monsun

erfasst die Bucht, es biegen sich die Bäume,

dein Paradies verwüstet ein Taifun.


Wachst auf, hast’s gut, im Regen hier zu sitzen,

geborgen unterm Schirm auf dem Balkon.

An solchen Tagen brauchst du nicht zu schwitzen,

und dir fliegt deine Habe nicht davon!

Ingrid Drewing

Maisonntag

Der Himmel blau, die Sonne steht,

und Frühlingsvögel singen,

von Süden sanft ein Lüftchen weht,

lässt Windspiele erklingen.


Im Schatten unsres Ambeerbaumes

lieg’ ich und träume in den Mai,

im hellen Grün des Frühlingsflaumes

fühle ich wohlig mich und frei.

Ingrid Drewing

Zeiterscheinung

Jetzt kommt die Zeit, da Männer grillen,

und Frauen im Bikini gehn,

mit großen, schwarzen Sonnenbrillen

begeistert in die Gegend sehn.


Verbrannter Fleischgeruch, der über

den hellen, grünen Gärten schwebt.

Gelächter brandet laut herüber,

man trinkt beschwingt sein Bier und lebt.


Am Lagerfeuer wie die Ahnen

versammelt sich die traute Schar,

und digital wähnt der Schamane

den Börsenkurs fürs Beutejahr.

Ingrid Drewing

Frühlingsbotschaft

Der Frühling kommt.
bemalt die Auen,
tupft weiß und lila,
gelb auf Grün;
die Krokusgrüppchen
keck ausschauen,
wie sie im Sonnenlicht
erglühn.

Und eine Amsel,
sehr geschäftig,
sucht einen Nistplatz
im Geäst.

Bald blühn hier

die Forsythien prächtig
zu ihrem Vogelhochzeitsfest

Ingrid Drewing