Archive for the Category Natur

 
 

Bitte

Nein, Herbst, ich will den Sommer nicht schon lassen,

wenn er sich gütig warm und licht noch gibt.

Zwar könnt’ ich seine Hitze manchmal hassen,

doch seine grünen Blicke sind mir lieb.

Auch mag ich ihn, wenn seidig seine Lüfte

umschmeicheln uns in einer milden Nacht,

die Sternenträume des Jasmins, die Düfte

und Blütenfeuer, die er sanft entfacht.

Die Reife, die er bringt, die goldnen Ähren,

den blauen Himmel, helles Morgenlied,

obwohl er garstig sein kann und höchst störend,

wenn er gewitternd über Land ’mal zieht.

Wart’ bitte noch ein Weilchen! Im Kalender

ist doch erst in drei Wochen dein Termin.

Dann kannst du kommen, färben am Geländer

die Blätter jener Ranken, die jetzt grün.

Ingrid Herta Drewing

Hummelmusik

Die Hummel spielt heut’ virtuos
der Blütenharfe Lied.
Schwirrt sie vom Blütenstiele los,
bebt dieser, wie man sieht

So bringt sie den Lavendelbusch
nun flugs in zartes Schwingen,
wie sie von Blüt’ zu Blüte huscht;
die Elfen hören ’s klingen.

Und überall darf sie dabei
vom süßen Nektar nippen.
Flugsicher kann sie, schwindelfrei,
hier in den Lüften wippen.

Still schaue ich ihr Spiel hier an,
sie pflegt es täglich wieder,
und habe meine Freude dran,
hör’ Sommers süße Lieder.

Ingrid Herta Drewing

Spätsommergefühl

Warm ist es, und Lavendelblütendüfte

umschmeicheln lieblich mich zur Abendzeit.

Mild strömt der Wind nun von den Felsenklüften,

und sanfte Röte leuchtet himmelweit.

Ich spür’ des Sommers Atem in den Lüften,

der zärtlich sich noch immer hält bereit.

Herzt warm sein Blumenvolk; die stolzen Rosen

lässt er in Gärten flammendrot erglühen,

küsst Äpfel, Pfirsiche und Aprikosen,

schenkt ihnen Reife nach dem zarten Blühen.

Da mag die Jahreszeit der Herbstzeitlosen

sich weit auf Berges Wiesen hoch bemühen.

Wir feiern hier noch froh die hellen Tage,

auch wenn der Regen ’mal dazwischen zischt.

Des Sommers Wärme bleibt doch ohne Frage.

Schnell hat die Sonne Wolken weggewischt.

So zeigt sich uns im Hoffnungsgrün die Welt,

bis ihr des Herbstes Malerkunst gefällt.

Ingrid Herta Drewing

Herbstlich

Der Herbst klopft schon ans Fenster,
jedoch ich mag noch nicht
die nebligen Gespenster,
verhüllend Ort und Licht.

Der Sommer soll noch flirren
im blauen Himmelskleid
und zärtlich uns verwirren
in Lebenslust und Freud.

Ingrid Herta Drewing

Libelle

Libellchen, zartes Wesen,
du hast dich wohl verirrt,
bist hier noch nie gewesen,
nie in die Stadt geschwirrt!

Vielleicht hat dich getrieben
dazu der Sommerwind,
zogst mit ihm nach Belieben
hier flirrend hin, geschwind?

Es mag in nahen Gärten
ein Teich dir Heimat sein.
Vielleicht suchst du Gefährten,
fühlst dich nun hier allein?

Ich seh’ dich zierlich fliegen
Und hoff’, du kommst nach Haus.
Im See sich Wellen wiegen
und breiten Rosen aus.

Ingrid Herta Drewing

Pflanzen

Grün schlüpft und lugt es durch die Ritzen.

Es findet jede Pflanze hin zum Licht.

Mag sie auch tief im Dunkel sitzen,

so ändert sich ihr Streben dennoch nicht.

So kraftvoll suchend, so beständig,

dabei dem Regen wehrend und dem Wind,

zeigt sie sich heliotrop, lebendig,

besiegt auch Steine, die im Wege sind.

Sie könnte Sinnbild sein in ihrem Streben,

dem Menschen, wenn er zagend fast versagt,

ihm zeigen, dass die Hoffnung auf das Leben

die Mühe lohnt, die er so oft beklagt.

Ingrid Herta Drewing

Ausgleich der Natur

„Das Jahr des Wassers“, jetzt fast Ironie!
So ungleich ist’s verteilt auf dieser Erde:
In Wasserfluten sterben Mensch und Vieh,
woanders brennt’s, lähmt Dürre Mensch und Herde.

Natur hat ihre eigenen Gesetze
Wir Menschen kommen uns zwar mächtig vor,
verfangen uns jedoch in unsren Netzen,
die Folge unsrer Fehler tritt hervor.

Wer Wälder abholzt, die das Wasser halten,
die Flüsse zwingt in ein Kanal-Korsett
und glaubt, er könne in den Auen walten,
auf lange Zeit dort siedeln ruhig und nett,

der hat vergessen, welche Kräfte hier
natürlich sind weltweit auf dem Planeten.
Denn nur vermessen glauben wir,
wir könnten diese Schwelle übertreten.

Beenden sollten wir maßloses Streben;
Es gilt, vernünftig mit Natur zu leben.

Ingrid Herta Drewing

Abend im August

Der Abend senkt nun blinzelnd seine Lider,

von ferne nur noch Fluggeräusche grummeln

und wo sich sonst Insekten summend tummeln,

dort schließen sich die Blüten sorgsam wieder.

Die Sonne, fast im Wolkenbett versunken,

zum Abschied rötet sie den Himmel nun.

Es geht der Tag jetzt, der so sonnentrunken

sich vormals zeigte, um sanft auszuruhn.

Bald naht die Nacht auf ihren dunklen Schwingen,

lässt nur dem Silbermond die lichte Bahn.

Er darf im Chor der Sterne Solo singen,

und Schnuppen fallen leuchtend, Wünsche-Wahn.

Und mag sich heute Nacht auch mancher Wunsch erfüllen,

der Menschen Sehnsuchtsträume sind wohl nicht zu stillen.

Ingrid Herta Drewing

Ironie

Es sollte ja das „Jahr des Wassers“ sein,
dass wir besinnen uns auf seinen Wert.
Dort, wo die Hitze fährt  die Brände ein,
ist Wasserfülle regnend  sehr begehrt.

Jedoch den Regen, den Monsun jetzt bringt,
die Wassermassen, sie zerstören nur;
das Pundjab in den Fluten fast ertrinkt
und dennoch dürstet, Rückschlag der Natur.

Auch in Europa meldet man Land unter,
in China rutscht die Erde auf die Stadt.
Es klagt der Mensch, der sorglos, allzu munter
die Wälder abgeholzt, die Au besiedelt hat.

Nun gleicht Natur die Frevel furchtbar aus,
vertreibt den Menschen hier von Hof und Haus.
„Das Jahr des Wassers“ titelt Ironie,
denn diese Wasserflut wollten wir nie.

Ingrid Herta Drewing

Mauersegler-Abschied

Schon sind des Sommers muntre Boten,

der Mauersegler schnelle Schar,

gezogen südwärts, denn hier drohte

des Wetters Unbill jetzt im Jahr.

Mir fehlen sie im Tagesbild,

wie sie so sanft am Himmel schweben

und auch den Abend noch beleben,

durch Straßenschluchten preschend wild.

Sie als des Sommers Vorhut sagen,

da sich der Sonnenbogen neigt

und kürzer werden alle Tage,

dass sich hier bald der Frühherbst zeigt.

Ingrid Herta Drewing