Archive for the Category Natur

 
 

Mai-Abschied

Ein kühler, grauer Mai geht jetzt zu Ende,
nur ein paar Wonnetage hielt er warm.
Nun warten Gastwirt, Eismann auf die Wende
und hoffen wie auch wir, dass endlich fände
das Wetter seinen hellen Sonnen-Charme.

Geregnet hat es reichlich, zeigt ein Grünen
in Gärten, Wiesen, Wäldern, Flur und Feld.
Der Strandhafer weht saftig in den Dünen.
und Disteln grüßen zahlreich, stachlig kühne.
Am Strand werden schon Körbe aufgestellt.

Und wieder wächst die Hoffnung im Erwarten,
dass mit den Schwalben auch der Sommer kommt.
Im Freien lebt ’s sich schöner und im Garten
mag man jetzt froh die Arbeit starten,
damit uns dann auch reiche Ernte frommt.

Ingrid Herta Drewing

Auf einem grünen Zweige

Da sitzt das Vogeljunge,
zu früh dem Nest entsprungen,
piepst kläglich vor sich hin.
Die Welt will es erkunden,
weil Mutter schon seit Stunden
nicht flog mehr zu ihm hin.

Es weiß ja nichts vom Bösen,
von Katzen, die zwar dösen,
doch drohen als Gefahr.
Die Mutter kommt nicht wieder
zum Neste tief im Flieder,
weil sie schon Beute war.

Zum Glück naht nun sein Retter,
ein Junge, ein ganz netter,
der Tiere wahrhaft liebt.
Er nimmt es zart in Pflege,
um sorgsam es zu hegen,
bis es erstarkt dann fliegt.

Ingrid Herta Drewing

Pfingstwetter

Der Nordwind greift mit kühler Hand
wild in der Blütenbäume Zweige
und rüttelt sie, fährt über Land,
wo sich die schlanken Birken neigen.

Und dennoch glänzt der Himmel blau,
der Sonne Schein erquickt so strahlend
in Feld und Flur, in Wald und Au,
sich auch in unsre Herzen malend.

Ingrid Herta Drewing

Zaunkönigskinder

Das Nest ist leer, wo sind sie nur?

Die Mutter sucht die Jungen,

begibt sich auf des Piepsens Spur,

Stimmfühlung, Not gedrungen.

Zaunkönigs Heimstatt in der Hecke,

sehr kunstvoll dort gebaut.

Der Junge wollte nicht erschrecken,

hat nur mal nachgeschaut.

Jedoch die kleinen Vogelkinder,

sie flogen aus dem Nest.

Betroffen sah der kleine Sünder

sie hetzen ins Geäst.

Der Vogelmutter lautes Pfeifen

zeigt ihm den Kummer an.

Jetzt lernt der Bub recht gut begreifen,

dass Schlimmes er getan.

Ingrid Herta Drewing

Mittag

Des Mittags Stille

liegt sanft auf Haus und Garten.

Hoch steht die Sonne.

Der graue Kater

träumt auf der Balustrade,

zufrieden  schnurrend.

Zart fächelt der Wind.

Die Espen flüstern leise,

Frühlingsgeheimnis.

Ingrid Herta Drewing

Amberbaum im Frühling

Des Amberbaumes Sternenhände,
sie leuchten hell in lindem Grün.
Ich mag den kleinen Baum, er spendet
mir Schatten in des Sommers Glüh’n.

Noch sind die Blättchen zart, und Licht
durchflutet wohlig seine Zweige.
Der Frühling schreibt sein Lobgedicht
mit dieser Schönheit, die ihm eigen.

Und schenkt auch mir ein frohes Hoffen
in allem, was hier neu erblüht.
Das Leben hält die Türen offen,
beglückt nun zärtlich mein Gemüt.

Ingrid Herta Drewing

Regentag

Die grauen Wolken trüben
den Tag, und Regen fällt.
Kein Vogel mag heut’ üben
sein Lied in kühler Welt.

Ich blicke in den Garten.
Das nasse Laub, so grün!
Und dennoch heißt es warten
auf neu erwecktes Blüh’n.

Die Blumen traurig neigen
die Blütenköpfchen dort.
Kein heller Strahl will zeigen,
dass hier der Sonne Hort.

So bleibt mir nur, zu träumen
von warmer Frühlingszeit,
wenn Zwitschern in den Bäumen
mein müdes Herz erfreut.

Ingrid Herta Drewing

Tagesbeginn

Dunst über dem Tal,

die ersten Vögel zwitschern,

und Sonne geht auf.

Klare Perle, Tau

auf einem Huflattichblatt,

Geschenk des Tages.

Löwenzahnsonnen

strahlen im Grün der Wiese,

erhellen den Tag.

Ingrid Herta Drewing

Im Wind

Dohl

Es biegt der Wind die Birkenzweige,

die jungen Blätter flattern wild,

als habe nun zur Tagesneige

sich hier der Windsbraut Wunsch erfüllt.

Nur auf dem Dache dort die Dohlen,

sie sitzen da, fast unberührt,

erspähen keckernd, unverhohlen,

welch Schauspiel hier wird aufgeführt.


Im Hof sind Kinder, werfen Flieger,

die sie gebastelt aus Papier,

hoch in die Luft. Wer ist der Sieger?

Der Rote, der fliegt weit von hier!

Auch dieser Wettstreit geht zu Ende;

Die Mutter ruft zum Abendbrot.

Den Dohlen bleibt nun das Gelände.

Die Birke strahlt im Abendrot.

Ingrid Herta Drewing

Wanderfalken

Am Himmel Wanderfalken kreisen.

So nah der Sonne scheint ihr Drehen,

als wollten sie des Tanzes Weise

gemeinsam festlich dort begehen.

So fern dem Leben auf der Erde!

Sie wirken losgelöst, befreit,

als zähle nicht dies „stirb und werde!“

Sie fliegen jenseits aller Zeit.

So scheint mir ihrer beider Leben,

verbunden in dem sanften Wiegen,

ein seliges ,vereintes Schweben,

das leicht die Schwere kann besiegen.

Ingrid Herta Drewing