Archive for the Category Natur

 
 

Die Amseln und der Kater

Amsel

Im Nest, dort in dem Apfelbaum,

da hegen Amseln ihre Jungen.

Sie rasten und sie ruhen kaum,

dem Fiepsen folgend,nun gezwungen.

Dem Kater ist dies nicht entgangen,

es lockt ihn an dies Vogelnest.

Sich eins der Amselchen zu fangen,

das wäre ihm ein wahres Fest.

So schleicht er heimlich in der Nähe

und lauert auf der kleinen Brut,

um dann, wenn niemand ihn so sähe,

zu kühlen sich sein Mütchen gut.

Jedoch die Amseleltern, helle,

entdecken ihn dort unterm Strauch,

sind zeternd nun sogleich zur Stelle

und lautstark zeigen sie’s ihm auch.

Wild flatternd, lauthals schimpfend, wüten

sie fast schon eine Stunde dort.

Und es gelingt ihr Kinderhüten,

entnervt trollt sich der Kater fort.

Dies zeigt, wenn Schwache standhaft bleiben,

gemeinsam sie den Feind vertreiben.

Ingrid Herta Drewing

Steinalt

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Wie friedlich diese Landschaft scheint,

im Lebensgrün des Frühlings flutend.

Die Fauna, sich nicht minder sputend,

im Bild harmonisch ist vereint.

Der alte Fels, Millionen Jahre,

aus Kalk im Meere einst entstand,

zeigt sein Gesicht zerfurcht, das klare,

im Aufschluss an der steilen Wand.

Als wisse er um all dies Werden,

Vergehen, Wachsen, neu Entstehen

auf dieser wandelbaren Erde,

die er, hier lächelnd, kann verstehen.

Ingrid Herta Drewing

www.drewing.de „landscape“Original

Gelbe Tulpen

DSCI0007 KopieTulgel

Drei Tulpenknospen blick’ ich hier
seit ein paar Tagen prüfend an,
und es will wohl erscheinen mir,
dass ich sie wachsen sehen kann.

Schon strahlt in gelblich heller Blüte
eine, entfaltend sich im Raum.
Als ob sie ein Geheimnis hüte,
die andere sich öffnet kaum.

Andächtig schaue ich, wie Leben,
hier werdend, sich im Lichte regt.
Es zeigt Natur ihr zartes Weben,
wie sie erneuernd sich bewegt.

Ingrid Herta Drewing

Verlorenes Schaf

Schaf

Was macht ein klitzekleines Schaf

hoch auf dem Fels im Meere?

Verloren steht es da, ganz brav,

und starrt ins Ungefähre.

Was hat der Zeichner sich gedacht?

Wollt’ er an Mitleid rühren?

Wer hat das Schaf dorthin gebracht?

Kein Schiff kann dahin führen.

Ich hab’s, das Schaf ist gar nicht echt,

als Stofftier fiel es runter

vom Schlitten, als der Knecht Rupprecht

am Mondstrahl glitt hinunter.

Drum muss, zum Glück, der Tierschutzbund

keinen Protestbrief schreiben.

Der kleine Prinz auch lächelt und

kann noch als Fan hier bleiben.

Ingrid Herta Drewing

Foto
zu Ingmar Drewings Zeichnung Nr.115
„Dessine Moi Un Mouton“
(www.drewing.de )

Tauwetter

Amsel

Die Sonne macht kein Federlesen,

greift strahlend in des Winters Flaus.

Nur noch im Schatten weist sein Wesen

im Schneegewand die Herrschaft aus.

Und in Synkopen tropft ’s vom Dache,

Eiszapfenlied, das leise klingt.

Doch schon im Baume, dort am Bache

die Amsel ihr Revier besingt.

Nun wird es nicht mehr lange währen,

bis Winters kaltes Regiment

uns gänzlich wird den Rücken kehren,

und die Besatzung hat ein End’.

© Ingrid Herta Drewing

Vollmondaversion

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Ach, Mond,
du Störenfried der Nacht,
nun lass mich endlich schlafen,
grüß Sterne und entfern‘ dich sacht
zu Mondkalb oder Schafen.

Ich möchte nämlich endlich ruhn,
drum stört mich sehr dein Licht,
denn du zeigst mir seit Stunden nun
dein rundes Mondgesicht.

Du willst nicht weichen?
Also gut,verlass nun ich das Zimmer
werd müde aus dem Bett mich schleichen.
Hauptsach‘,ich seh dich nimmer.

Doch was ist das?
Jetzt jault der Hund ,
es ist ja nicht zu glauben.
Mondsüchtig ist das Tier wohl und
wird nun den Schlaf mir rauben.

Jetzt reicht’s ,ich schalte an das Licht;
mache die Nacht zum Tage.
Wir sehen so das Mondlicht nicht.
Vorbei ist nun die Plage.

Ingrid Herta Drewing

Leben

Wie Wellen rinnen
in großen Kreisen,
schon im Beginnen
in Fernen weisen,
so auch unser Leben
wächst und sich weitet,
gütig begleitet,
im Nehmen und Geben ,
im Hoffen und Streben ,
im Können und Üben ,
im Sehnen und Lieben,
zum Ufer gesendet,
ausklingend
endet.

Ingrid Herta Drewing

Begegnung auf See

In silberfarb’nem Bogen

folgte er meinem Boot ,

sprang spielend aus den Wogen,

tauchte , pfeilschnelles Lot.


Ja , einer der Delphine

begleitete mich sacht ;

ich sah in seine Miene ,

mir schien’s , als ob er lacht‘.


Mein Boot , es lag , recht schnittig ,

mit Segeln gut im Wind;

doch der Delphin , unstrittig ,

schwamm so gewandt ,geschwind.


Nach etwa einer Meile

ließ er mich dann zurück ,

gebannt für eine Weile

von diesem Augenblick.

Ingrid Herta Drewing


Aster Novae Angligae

Dein grünes Filigrangefieder
entfaltete sich lange Zeit,

und nun, da herbstlich grüßt das Jahr

bist du, noch grünend, wunderbar

zu erstem Blühen still bereit.

Ich stehe staunend hier
und frag‘ mich immer wieder:
Was wirkt in dir?
Wer komponiert die Lieder,
die nun zur rechten Zeit ,
da alles schweigt, gesungen?
Wer hieß dich warten,
gab das Stichwort: Sei bereit

und schließt den Vorhang,
wenn der letzte Ton verklungen?

Ingrid Herta Drewing



Schöne Erde

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Vielfältig, schön ist das Antlitz der Erde,

hell erscheinend im Glanze des Lichts.

Jeder Strahl , der in Farben sich bricht,

enthüllt es mit Zaubergebärde ,

dies liebliche Leben und Werden ,

das im Dunkel als Hoffnung noch spricht.


Vielfältig , schön sind die Klänge der Erde,

leise ertönend , tiefbrausend ,laut.

Jedes Lied , das erklingt ,zart vertraut ,

entkleidet mit Geigergebärde

die Seele der stummen Beschwerde ,

Harmonie wird in Liebe erschaut.


Vielfältig ,schön sind die Düfte der Erde,

herb und würzig, süß , lieblich und mild.

Jede Blüte , sich öffnend , erfüllt ,

weithin duftend, die Wiesenmeere ,

und die Bäume ,Kräuter und Ähren

verströmen sich zärtlich und wild

in der Erde betörendem Bild.

Ingrid Herta Drewing