Archive for the Category Liebe

 
 

Lieben

Die Liebe schenkt uns erst das Leben,

Erfüllung und Geborgenheit,

der Freude helles Glück,

den Hort, das Ziel nach langem Streben

der Sehnsucht nun Zufriedenheit,

des Lächelns Augenblick.


Doch Lieben heißt auch Leid ertragen,

denn das, was glücklich sein uns lässt,

macht so verwundbar auch.

Loslassen können ohne Klagen;

das Liebste hält man zu gern fest,

weil unser Herz es braucht.

Ingrid Drewing

Der Liebesbrief

Heut fand ich ihn, ganz tief in der Kommode,

schon leicht vergilbt, den ersten Liebesbrief.

Du schriebst aus Wien, es war zwar keine Ode,

doch deine Liebe sprach so wahr, so tief.


Zwar sind nun viele Jahre längst vergangen,

und fast vergessen ist die Stunde, als Du gingst;

und doch erinnere ich mich an dies Verlangen,

als du zum letzten Mal mich lieb umfingst.


Die Eltern zogen fort, hast folgen müssen;

dein Leben nun verlief in einem andern Land.

Von unsrer Jugend Liebe , unsren Küssen

blieb nur der Brief  in meiner Hand.


Das Glücksgefühl , das damals mich erfüllte ,

als ich ihn, heimlich lesend, fast verschlang,

das deine Liebe mir so schön enthüllte,

bewahre ich seitdem mein Leben lang.

Ingrid Drewing

Spätsommerliebe

Des Sommers Feuer schwelen,

der Tag entwächst dem Licht,

doch zwei verliebte Seelen

sehn Sonnenwende nicht.


Berauscht von ihrem Glücke

sie tief versunken stehn ,

in ihrem Liebesblicke

erblüht die Welt so schön.


Und selbst im Regengusse

verlieren sie sich nicht,

weil doch bei jedem Kusse

zärtlich ein Lächeln spricht.


Von Hoffnung, Liebe, Treue,

Geborgenheit zu zweit,

ein Frühlingstraum auf’s Neue

zwei Menschen Flügel leiht.

Ingrid Drewing

Du

Du, ist das,
was mir sagt, dass ich bin,
das mich lehrt, wer ich bin
und mich liebt, wie ich bin.

Ingrid Drewing

Dein Blick

Als hätte mich der Sonne Strahl gefunden

und aufgeweckt zu hellen Lebensstunden,

so war mir, als ich dich heut Morgen sah;

dort in der U-Bahn warst du mir so nah.


Du sahst mich an, mir zitterten die Hände,

als ich dir deinen Fahrschein gab zurück.

Du danktest mir, bald stiegst du aus behände

und schenktest lächelnd mir den Abschiedsblick.


Als hätte mich die Sonne sanft gefunden

und aufgeweckt zu hellen Lebensstunden,

so war mir, als ich dich heut Morgen sah.

Du und dein Blick, ihr seid mir immer noch so nah.

Ingrid Drewing

Sprachlos

Schon dreimal war er um den Block gefahren. Wie sollte er es ihr nur sagen?
Der sichere Arbeitsplatz, wie sie ihn alle Jahre genannt hatten, den gab es nicht mehr, betriebsbedingte Kündigung! Seit drei Monaten schleppte er diese Bürde mit sich herum, belog er sie, indem er morgens, wie gewohnt , um sechs Uhr aus dem Haus ging und die vermeintlichen 35 km zur Arbeit fuhr. Stattdessen bemühte er sich darum, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Von seinem Sparbuch, das er für besondere Überraschungen , Geburtstage, Weihnachten und Urlaub heimlich angelegt hatte, überwies er regelmäßig Beträge in der Höhe seines Monatsgehalts auf das gemeinsame Konto. Ja, er hatte an alles gedacht.
Er wollte es ihr erst dann beichten, wenn er wieder eine neue Anstellung hatte.Vor kurzem war sie von einer schweren Krankheit genesen, wie konnte er ihr da mit dieser Hiobsbotschaft kommen.
„In ihrem Alter wird es schwer sein, in diesem ohnehin strukturschwachen Raum einen neuen Arbeitsplatz in ihrem Beruf zu finden“, hatte man ihm unmissverständlich gesagt. 45 Jahre und zu alt! Hatte er nicht all die Jahre hervorragende Arbeit geleistet, und nun waren plötzlich nur noch Zwanzigjährige gefragt! Das soll mal einer verstehen!
Aber alles Sinnieren nutzte nichts, er musste sich eingestehen, dass er hier so schnell keine neue Arbeit finden würde. Er musste es seiner Frau endlich sagen; denn die Raten für das Häuschen würden sie auch nicht weiter bezahlen können. Auch waren seine Ersparnisse fast aufgebraucht.
Langsam schloss er die Wohnungstür auf. Sie erwartete ihn bereits lächelnd am Tisch. “Schön, dass du etwas früher nach Hause gekommen bist. Die Kinder sind noch auf dem Sportfest; so sind wir ungestört.Setz dich doch bitte! Ich habe nämlich etwas Wichtiges mit dir zu besprechen.“ „Ich auch mit dir“, sagte er leise und setzte sich zu ihr an den Tisch.“

Ingrid Drewing

Liebe

Wenn sie auf sanften Engelsschwingen

dich zärtlich holt aus dunkler Nacht ins Licht,

ertönt der Sternenträume Klingen,

so sonnenhell erstrahlt ihr Angesicht.


Und den rot glühenden Vulkanen

der Leidenschaft sie öffnet Tore weit,

beseelend Meer im Sehnsuchtsahnen,

zu schenken, zu beglücken, stets bereit.


Die Liebe reich erfüllt das Leben,

sie zaubert Lächeln in den grauen Tag,

leiht Flügel dir, lässt dich erbeben,

stärkt glücklich dich, wie sie es nur vermag.

Ingrid Drewing

Liebeserklärung

ICH HOL DIE STERNE DIR VOM HIMMEL

Sie denkt : Fällt dir nichts Bessres ein!

STÜRZ MICH FÜR DICH INS KAMPFGETÜMMEL.

Oh, nein, das lässt du lieber sein!

ICH WERDE DICH AUF HÄNDEN TRAGEN.

Trag doch den Korb,den ich hier hab‘!

ICH HÄTT’ DIR VIELES NOCH ZU SAGEN

Du hast wohl Zeit und nicht zu knapp.

DU BIST DIE SCHÖNSTE FRAU AUF ERDEN,

Ein Schmeichler oder weltfremd, blind!

DIE ICH SO GLÜCKLICH MACHEN WERDE.

Das glaub’, wer will, mein liebes Kind.

ICH BAUE UNS EIN SCHLOSS IM WIND;

Ein Windhund nur, der Schönes spricht

ENTFÜHRE DICH DORTHIN GESCHWIND

Sie sind der falsche Mann für mich.“

Ingrid Drewing

Stanniolvögel

Sie saß nachdenklich am Tisch und faltete aus dem Schokoladenpapier Vögel, einen nach dem anderen; Stanniolvögel, die fliegenden Kranichen glichen.
Wegfliegen, alles hinter sich lassen! Aber wohin? Sie konnte sich nicht einfach  ziellos treiben lassen. Sie hatte auch an das Kind zu denken, das sie unter ihrem Herzen trug.
Was war das nur für eine Welt? Vor einer Woche war Kennedy ermordet worden.Was zählte ein Menschenleben noch? Wo blieben Menschlichkeit und Liebe? Warum war etwas so Wunderbares wie das Kind ihrer Liebe in ihrem Fall plötzlich etwas Anstößiges? Warum machte die Gesellschaft es einer werdenden Mutter so schwer,wenn sie unverheiratet war? Sie liebte ihn, aber er stand nicht zu ihr, obwohl sie seit fünf Jahren heimlich verlobt waren und sie seinen Ring trug. Standesunterschiede im zwanzigsten Jahrhundert, dass es das noch immer gab!
Sie hatte nun auch ihre Prioritäten gesetzt und sich von ihm getrennt. Eine Abtreibung kam für sie nicht in Frage. Das war für sie mehr als eine reine Glaubensfrage. Das rührte an ihre Existenz, an den Sinn des Lebens. Auch hätte sie damit noch nachträglich ihre Liebe negiert. Sie musste einen Ausweg finden. Sie würde ihr Studium aufgeben und eine Erwerbsarbeit aufnehmen, die sich mit ihrer Situation vereinbaren ließ. Sie hatte ja  schon heimlich in benachbarten Städten in einigen Kinderheimen vorgesprochen ,um zu erfahren, ob sie dort arbeiten und auch ihr Kind nach der Geburt mitbetreuen könnte. Noch fehlten Zusagen. Aber sie war sich auch nicht ganz sicher, ob sie sich endgültig für diesen Weg  entscheiden wollte.
„Sag’ mal, mein Vögelchen, warum willst du wegfliegen?“, hörte sie plötzlich ihre Patentante sagen, die sie offenbar schon eine Weile beobachtet hatte und einen der Stanniolvögel in die Höhe hielt. Sie schaute auf, als sei sie bei schlimmer Tat ertappt worden, und zwang sich zu einem Lächeln, obwohl von ihrer Tante nun wirklich nichts  zu befürchten war. Hatte sie doch in den 21 Jahren ihres Lebens nur Liebe und Güte von ihr erfahren. Aber gerade deshalb schämte sie sich davor, ihr und ihrer Mutter Schande zu machen, wie das im Allgemeinen so genannt wurde.
„Mein Liebes, ich weiß, was in dir vorgeht. Ich kann es an deinem Gesichtsausdruck erkennen. Als ich schwanger war, hatte ich auch diese großen Augen und eine fast anämische Blässe. Das haben wohl alle Frauen unserer Familie, wenn sie in Hoffnung sind.  Du weißt, dass du nicht allein bist. Wir sind immer für dich da.“, sagte ihre Tante liebevoll.
Wie gut das tat! Der Bann war gebrochen. Da war sie , die Brücke, über die sie in ihr vertrautes Leben zurückgehen konnte, gemeinsam mit ihrem Kind.

Sie legte die Stanniolvögel zur Seite, vertraute sich ihrer Tante an und wusste, nun würde alles gut werden.

Ingrid Herta Drewing

Mutter und KInd

In einem Tuch geborgen,

und dicht getragen an der Mutter Herz,

erlebt das Kind den Morgen,

noch fühlt es nicht des Lebens Sorgen, Schmerz.


Ihr Herzschlag lässt es schlafen lind,

vertraut, in Träume wiegt es zart ihr Gang,

und wenn sie stillt ihr hungrig Kind,

beruhigt sie es wehmütig mit Gesang.


So einer Mutter selbstlos reine Liebe

erwächst hell aus des Alltags Bild,

ein Paradies dem Kinde, wünscht’, es bliebe,

bewacht von einem Engel mild.

Ingrid Drewing