Archive for the Category Winter

 
 

Winterjammer

Ach,dieser regennasse Tag
hat nichts vom Winter,den wir lieben;
grau , garstig,kalt,was niemand mag,
sich Wolken vor die Sonne schieben.

Der Regen leckt den letzten Schnee
vom Dache,fleckig noch bedeckt,
und Nebel wabert übern See,
hält Büsche, Bäume gut versteckt.

Nur wer zur Arbeit muss,geht raus,
auch noch zu dringenden Terminen,
ansonsten bleibt man gern zu Haus
nach einem Blick aus den Gardinen.

Manch einer, ausgesucht von Viren,
liegt krank mit Grippe nun im Bett,
keucht hustend,geht auf allen Vieren,
anstatt mit Schatz ins Kabarett.

Dies öde Winterinterim,
kurz vor der Frühjahrsmüdigkeit,
empfindet mancher halb so schlimm,
vertreibt er lesend sich die Zeit.

Ingrid Drewing

Winters Abschied

Die Sonne streichelt

das kahle Haupt des Winters.

Eiszapfen weinen.

* * *

Erste Schneeglöckchen,

dort im Vorgarten, läuten

zart den Frühling ein.

Ingrid Drewing

Bach im Winter


Noch fließend , aber eisverhangen ,
fast filigran dein Spitzenkleid;
am Wasserfall jedoch in langen
Eiszapfen starrst du wehrbereit.

Die Gräser, raureifüberzogen,
spielen ins Eis an Ufers Rand,
und Amseln, die herangeflogen,
lockt Wasser in dein Niemandsland.

Doch wenn dich streift der Sonne Blick,
funkelst du glitzernd und kristallen.
Ich steh‘,gebannt im Winterglück,
betrachte es mit Wohlgefallen.

Ingrid Drewing

Wintergedanken

Der Winter hat sie aufgefressen
die pralle , runde Lebenskraft.
Es liegt ein lähmendes Vergessen
auf allem , was sonst sprudelnd schafft.

Der Mensch , der zwar in Wärme lebt,
wirkt irgendwie auch eingefroren,
im Mantelgrau,dick eingewebt,
im Pelz versteckt den Kopf,die Ohren.

Noch deckt der Schnee die kahlen Bäume,
die einsam dort am Wege stehn.
Es sind nur zarte Frühlingsträume,
Schneeglöckchen, die wir einzeln sehn.

Doch wissen wir , hier wird gar bald
die Welt erglühn im Farbenklang,
und singen wird der Frühlingswald,
ergrünend blühn im Vogelsang.

Ingrid Drewing

Winterspaziergang

Gedämpft sind meine Schritte,
sanft rieselnd fällt der Schnee.
Wie eine stumme Bitte
liegt eiserstarrt der See.

Durch einen Vorhang schreite
ich einsam in der Stille ,
empfinde diese Weite
beglückt als Teil der Fülle

Des Lebens, das im Träumen
nun sammelt neue Kraft
und bald in Frühlings Räumen
erneuernd sich erschafft.

Ingrid Herta Drewing

Wintertag

Ja , staunend steh ich wieder ,
Natur ,in deinem Garten.
Der Winter ,fern der Lieder,
lässt Frühlingsträume warten.

Doch schon zeigt sich geschäftig
ein schwarzer Amselmann,
sucht Futter , dass er kräftig
im Frühling singen kann.

Dort auf dem Teich die Enten
ziehn schnatternd übers Eis,
ergattern Futter , Spenden,
das Kind wirft’s zu mit Fleiß.

Und rote Abendsonne,
malt alle Himmel an.
Ich schaue froh gesonnen,
was Künstler Winter kann.

Ingrid Drewing