Täuschung

Und unterm Tagesmond die Wolke schwebt.

Ein Jet kreuzt ihren Weg dort in der Höhe.

Sein Streifen trennt wohl beider lichte Nähe,

bis er sich auflöst, hell ins Blau verwebt.

Die Erdenperspektive lässt sich täuschen;

was voneinander weit entfernt ist, scheint uns nah.

Doch umgekehrt ergeht ’s uns mit Geräuschen,

es blitzt, und später hör’n wir Donner da.

Und möchte man auf Wattewolken schweben,

so bleibt der Wunsch nur schöne Illusion.

Was weiß und weich sich mag vom Blau abheben,

ist nur des Wasserdampfs Kondensation.

So vieles, was der Mensch klar hört und sieht,

erweist sich später als der Täuschung Lied.

Ingrid Herta Drewing


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