Sommergruß

Blankolav

Ein Hauch von Sommer mich empfängt.

Lavendelduft steigt in die Nase;

Mein Blanko-Buch spielt nun die Vase,

die mir beim Schreiben Grüße schenkt.

Lavendelblüten hab’ ich hier

sanft in die Seiten eingebettet

und habe, so vorsorgend, mir

des Julis Träume zart gerettet.

So wirkt wohl vieles, was vergangen,

in unsre Gegenwart hinein,

und lässt uns traulich auch empfangen,

was uns beglückt in unsrem Sein.

Ingrid Herta Drewing

Zwischenzeit

Zeit

Ihm schenkte Zeit das Alter und das Wahre.
Denn wissend schaut er, staunend und beglückt,
hier weit, fast ins Unendliche entrückt,
in einen Raum, der fern der Erdenjahre.

Das Leuchten eines Sternes, der verglühte,
erreicht nun ihn, hier lebend in der Zeit,
verspricht dem Menschen, dass, nach Erdenblüte,
ein Aufbruch hin zu Neuem sei bereit.

Ingrid Herta Drewing

(Foto von Ingmar Drewings

Nightly Sketch Nr.93

www.drewing.de)

Eiszeit

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Der Winter hat uns nun recht fest im Griff,
zeigt viele  Seen und Flüsse zugefroren.
Gar eisig peitscht der Wind uns um die Ohren,
und auch zur Insel rüber fährt kein Schiff.

Es türmen sich hoch auf aus Eis die Schollen,
und Frost sich nistet ein für ein paar Wochen.
Du denkst, nun sei die Eiszeit ausgebrochen,
die wir vielleicht dem Klimawandel zollen.

Dabei ist’s nur der harte Winter wieder,
wie wir ihn früher doch wohl oft gekannt.
Er weckt Erinnerungen, Kindheitslieder,
ein Lächeln hinter kühler Glitzerhand.

Schön sind sie, so im Wechsel, Jahreszeiten,
wenn sie dem Leben einen Weg bereiten.

Ingrid Herta Drewing

Erinnerungen

DSCI0061 Kopierosaheck

Die Lagerstatt im weichen Moos,
des Waldes sanftes Rauschen,
wir lagen in des Sommers Schoß
und fühlten unser Glück so groß,
wollten mit keinem tauschen.

Des Lebens Zeit zog hin in Hast,
auch Schlimmes ward erfahren.
Jetzt ist der Winter unser Gast,
der kühl uns bei den Händen fasst
und nüchtern zählt die Jahre.

Doch er vermag uns nicht zu rauben
den Sommertraum, September.
Es turteln der Erinn’rung Tauben,
die an die Macht der Liebe glauben
noch zärtlich im Dezember.

Ingrid Herta Drewing

Mauerblümchen

Im Schatten einer Mauer

wuchs zart ein Blümelein.

Es lag dort auf der Lauer

nach hellem Sonnenschein.

Und da zu seinem Glücke

entstand ein großer Riss,

und durch der Mauer Lücke

traf es ein Strahl gewiss.

Das Blümchen wuchs zur Blume

und schoss ganz hoch hinaus.

Das Ende seines Ruhmes:

Man rupft  ’s als Unkraut aus.

Ingrid Herta Drewing

Leben

Athen,ini

Ein neuer Anfang folgt dem Ende.
In Strecken von uns eingeteilt,
die Endlosschleife zeigt die Wende,
in der mit uns die Zeit enteilt.

Zu gerne würden wir ihn halten,
den Augenblick, der uns erfüllt.
Das Leben aber liebt Gestalten,
im Nebel gern das Glück verhüllt.

So tasten wir uns, mutig strebend,
durch ’s Dunkel, suchend, in den Tag.
Der Liebe Fackel, Licht uns gebend,
in diesem Dasein uns belebend,
den rechten Weg wohl weisen mag.

Winternacht

Die schwarzen Flügel ausgebreitet,

birgt sanft nun Nacht die müde Stadt.

Die Häuser, die der Schnee verkleidet,

im Mondlicht ruhen friedlich matt.

Nuit

Die Welt , in Watte eingehüllt,

könnt’ milder nicht im Bild erscheinen.

Als habe sich ein Wunsch erfüllt,

und alles sei mit sich im Reinen.

Ingrid Herta Drewing

Fotografie der Zeichnung Nr.62 „La Nuit“
von Ingmar Drewing(www.drewing.de)

Streichholz-Romanze

DSCI0021Ein Streichholzmann mit Namen Hans,
traf Liz, die junge, flotte Schachtel.
Sie war so reibefrisch im Glanz
und schön, auch ohne Make-up-Spachtel.

Und Hans, der sah sie mit Verlangen,
wollt’ stets in ihrer Nähe bleiben,
doch schüchtern war er, zu befangen,
sich ihr mit rotem Kopf zu zeigen.

Als eines Tages Schicksals Hand
die beiden plötzlich führt’ zusammen,
erglühte Hans im Liebesbrand,
und lodert’ auf für seine Flamme.

„Das sei nur eine schwache Lieb’.“,
sagt Liz, die an das Flämmchen denkt.
Dabei hat Hans doch, was ihm blieb,
sich überlassend, ihr geschenkt.

So ist das häufig: Trotz Entflammen
bleiben manche nicht zusammen.

Ingrid Herta Drewing

Winterbild

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Der Himmel blau; die Sonne lässt
das Schnee bedeckte Land erstrahlen.
So glänzend weiß, dies Winterfest!
Festhalten möcht’ ich es und malen.

Und tief saug’ ich es in mich ein,
dies Bild der Weite, sanften Stille,
ein Augenblick zum Glücklichsein.
Hier treffen sich Natur und Wille.

Ingrid Herta Drewing

Gedichte für Kinder

Puste

Pusteblume

Ich pflück mir eine Pusteblume,

die pust’ ich an ganz doll.

Und viele Schirmchen fliegen dann

hoch in die Luft.

Das find’ ich toll!

Schmetterling

Ich male einen Schmetterling,

hellblau mit einem gelben Fleck.

Und wenn ich ihm ein Küsschen geb’,

macht’s pling, verzaubert fliegt er weg.

Sandburg

’ne Sandburg hatten wir gebaut,

der Sven, ich und der Peter.

Als wir sie dann so angeschaut,

kommt doch so  ’n doofer Köter

und pieselt in den Wassergraben.

Das Wasser wollten wir nicht haben.

Ingrid Herta Drewing