Wintertempo

Harz

Dick liegt der Schnee, sogar Kamine
sich zeigen jetzt mit weißen Mützen,
der Rauch steigt auf in zarten Linien,
flieht hoch bis zu des Kirchturms Spitze.

Gedämpft die Schritte, langsam fahren
die Autos auf gestreuter Spur.
Was unlängst flotte Flitzer waren,
entpuppen sich als Kriechtier’ nur.

Der Winter zwingt zum Innehalten,
verordnet uns der Stille Zeit.
Mal einen Gang herunter schalten,
den Tag nun musisch zu gestalten,
dazu ist mancher auch bereit.

Ingrid Herta Drewing

Winters Rückkehr

Wimau

Der Winter ist zurückgekommen,

die Wärme er verwehrt

Wer schon den Frühlingsruf vernommen,

wird nun recht kühl belehrt.

Am Fenster malt er filigran

aus Eis hauchzarte Blüten.

Der Straße Bild als Schlitterbahn

muss Streusalz jetzt verhüten.

Wir hüllen uns in Pelze wieder

für ein paar klamme Wochen

und träumen von des Frühlings Liedern.

Er kommt doch, wie versprochen!

Ingrid Herta Drewing

Netzliebe

Internettes Lächeln,

Herztwitter

In der virtuellen Umarmung

wächst Mut

zur Liebe,

bis

der PC abstürzt.

Ingrid Herta Drewing

Frühjahr

Schnöckchen

Die Sonne streichelt

das kahle Haupt des Winters.

Eiszapfen weinen.

Erste Schneeglöckchen

dort im Vorgarten läuten

zart den Frühling ein.

Ingrid Herta Drewing

Spatzenlied

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Es sucht Frau Spatz den schönen Platz
zum Nisten und zum Brüten.
Doch Kisten hier und Tüten
sind kein Ersatz, drum geht die Hatz
dorthin, wo Bäume blühten.

Im letzten Frühling, Anfang März,
traf sie Herrn Spatz, es flog ihr Herz
ihm zu, und sie sich mühten
bald um die liebe Kinderschar.
So ist das Paar jetzt wieder da,
und sie sich nicht verfrühten

Die Nachbarn sind schon etabliert.
und mancher schwelgt, hat Zaster,
ein Swimmingpool; ganz arriviert,
thront protzend auf dem Ast er.

Die Spätzin, neidvoll angetan,
möcht’ wie der Nachbar leben
und ab und zu ’ne kleine Bahn
so übers Pool hin schweben.

Spatz sagt zu ihr:“ Sieh diese Dose,
die reicht uns doch zum Bade!“
„ Dir fehlt ein Knopf an deiner Hose!
Ich bin doch keine Made.
Bevor ich in die Brühe hüpfe,
ich in das Nest zu Meisi schlüpfe!“

Und da Herr Spatz so knapp bei Kasse,
hat sie ihn dann links fliegen lassen.

Ingrid Herta Drewing

(Inspiriert von

Ingmar Drewings

„Neighbours“, Nightly Sketch 84

20. Januar 2010,  http://www.drewing.de)

Reimneigung

Es fließt aus mir der Reime Schwall,

kann mich fast nicht erwehren,

und dennoch les’ ich überall

sollt’ ohne sie gebären

der Worte Dichte, Chiffren, Bilder.

Jedoch der Reim, er stimmt mich milder.

Er ist bewegt auf Partnersuche

will lieber zweisam bleiben,

geht auch gekreuzt, umfasst zu Buche,

drängt mich, ich soll ihn schreiben

als Endreim einer schönen Zeile,

damit er versfroh nun verweile.

Sagt mir, warum sollt’ ich ihn nur

aus dem Gedicht verbannen!

Ich folge gern des Klanges Spur,

der taktvoll zieht von dannen.

Doch Bilderdichte, wenn sie glückt,

mich dann dabei noch mehr entzückt.

Ingrid Herta Drewing

Phönix

Kapuzi

Im Winternest hast du dich tief verkrochen,
entfliehst der Kälte für geraume Zeit
und hältst dich dennoch jederzeit bereit,
da du dein Wort gegeben, Licht versprochen.

Sobald der Sonne Gold die Auen streift,
wagt sich dein heller Blick sanft über Hügel,
du streckst und spreizt die wintermüden Flügel
zum Flug, der in die blauen Höhen greift.

Und landest leicht sodann nach langem Schweifen.
Erblühend rötet sich nach zartem Kuss
im Blütenkleid für dich die Zaubernuss
und lässt die sanften Frühjahrsträume reifen.

Im Frühlingsfeuer hält dein Flammenkleid
des Lebens Liebe strahlend schön bereit.

Ingrid Herta Drewing

Tauwettter

Den Schnee, der neulich in der Nacht
in Fülle war gefallen
in seiner weißen, weichen Pracht,
hat nun mit seiner klaren Macht
der Regen fast ganz weggebracht,
und dies missfällt uns allen.

Vereinzelt grüßen weiße Inseln
im grauen Matsch der Gassen,
als habe eines Malers Pinsel,
beeindruckt durch des Schnees Gewinsel,
neben dem dunklen Farbgerinnsel
sie in dem Bilde noch belassen.

Da tröstet kaum der milde Wind,
der heute aus Südwesten weht.
Und traurig sieht so manches Kind
den Schlitten an im Keller-Spind
und seine Ski, die auch dort sind.
Wie schnell des Winters Freud’ vergeht!

Ingrid Herta Drewing

Schnupfengespenst

Foto4

Der Schnupfengeist, der geht jetzt um,
spukt grässlich in den Gassen.
Wenn du ihn hörst, dreh dich nicht um,
sonst wird er dich erfassen!

Er wandert mit dem Virensack
sehr gern in Nebels Kühle.
Doch trägt er ihn auch huckepack
herum bei müder Schwüle.

Zwar ruft er manchmal zart „Pittschüü!“
Doch lass’ dich nicht bestechen!
Wenn er dich fängt, entkommst du nie
und musst ihm dann entsprechen.

Fast vierzehn Tage lässt er dich
dann niesen,deine Nase
verstopft er, rot glänzt sie für sich,
du wirst ein kranker Hase.

Drum achte auf den Schnupfengeist,
der umgeht in den Gassen.
Ich sag’ es dir, damit du’s weißt,
kannst dich darauf verlassen.

Ingrid Herta Drewing

Verheißung

Es wächst die Einsamkeit

hoch in den Sternenmond,

die fahle Efeuranke an der Mauer

im Staub der müden Zeit,

die allem innewohnt.

Im Wald verloren trägt das Leben Trauer.

Die Blätter jener Bäume,

die im zarten Grünen,

jäh unterbrochen, auf die Erde fielen,

und alle Hoffnungsträume,

die dahin mit ihnen,

nun in des Kosmos’ großem Kreislauf spielen.

Da sei ein Wiederkehren

in anderer Gestalt,

erzählt die Mär. Das dunkle Raunen

verheißt dies Licht, das hehre.

Es möge scheinen bald,

wovon der Weise spricht mit  Staunen.

Ingrid Herta Drewing