Sterne

Wie klar die Sterne,

in den Nächten funkeln

in ihrem silberhellen Licht,

aus weiter Ferne

finden aus dem Dunkel,

das tief das All nimmt in die Pflicht.

galaUnd viele Sterne

schon vor langer Zeit verglüht,

verkünden uns im Glitzertanz,

wir sehn es gerne,

dass längst Verlorenes erblüht

am andern Ort in neuem Glanz.

Ingrid Herta Drewing

Herbstbild

rotbla1

Noch blühen Rosen,

doch der Sonnenblumensterne

erstarrter Blick zeigt leere Augen.

Der Vögel Kosen

galt den prallen Früchtekernen,

herausgepickt, als Mahlzeit taugend.


Des Nebels Hände

feucht nach zarten Blüten greifend,

verschenkten gnädig Perlentau.

Und im Gelände,

wo noch späte Äpfel reifen,

liest auf das Fallobst eine Frau.


Auch unser Leben

wird einmal zur Erde fallen

wie diese Äpfel, Licht gereift,

sich nun ergeben.

Doch hoffe ich, dass uns dann alle

so gütig Gottes Hand ergreift.

Ingrid Drewing

Herbstkirschen

dsci0004-kopiekirgros

Dort, wo im Juni süße Kirschen reiften,

erglüht der Baum in feuerrotem Kleid.

Die Dohlen, die als Diebe ihn oft streiften,

besuchen ihn in Scharen auch zur Zeit.


Als träumten sie vom Sommer, seinen Gaben,

erinnert durch die rote Blätterpracht,

wie wir uns gern noch in Gedanken laben

an Sonnenglut und wilden Meeres Macht.


Doch mag es sein, sie spüren, dass das Leben

im Farbenrausch des Herbstes sich versprüht,

bevor die Kälte nach den Nebelweben

todähnlich alles Schöne überzieht.

Ingrid Herta Drewing

Malerin

Mutter Natur, du Malerin in Tönen,

des Lichts Gesang, auch im Vergehen,

lässt du hier täglich neu entstehen,

den Herbsttag zu verschönen.

dsci00065

Und zauberst so nuancenreich

die Fülle deiner Farbpalette,

von dunklem Grün bis Rosa, weich,

von Feuerrot bis Nebelbleich ,

und goldnen Glanz an Deiner Stätte.

Ingrid Herta Drewing

Musik

Es nimmt ein Lied mich zart gefangen,

entführt in Klänge, Harmonien,

so schwebend leicht wie Wolken ziehen.

Mein Herz, zuvor im Weh befangen,

fühlt sich beschwingt, im Licht erblühend.


Musik mit ihren Zauberhänden

vermag, was sonst nur Liebe kann,

uns zu ergreifen tief, den Bann

zu lösen, Lebensmut zu spenden,

denn sie rührt unsre Seele an.

Ingrid Herta Drewing

Katz und Maus

Dem Mäuschen war ein Coup gelungen,

war’s doch dem Kater Schnurr entsprungen,

bevor er es mit scharfer Tatze

gekrallt fürs Bio-Mahl der Katze.


Als Held fühlt sich das kleine Wesen,

denkt bald, so schlimm sei’s nicht gewesen

und überlegt voll Übermut,

wie’s foppen könnt’ den Kater gut.


Da Schnurr am Tische liegend ruht,

schiebt doch der kleine Tunichtgut

ein Teelicht ihm zur Schnauze ran,

zündet daran den Schnurrbart an.


Der Kater, der den Rauch erschnüffelt,

fühlt, dass er selbst so brandig müffelt,

stürzt in den Goldfischteich hinein,

löscht so das Feuer schnell allein.


Kaum ist er aus dem Teich entstiegen,

sieht Frauchen Fische tot dort liegen

und ruft erbost:“ Na, warte nur,

du Kater, das ist deine Spur!“


Die Maus das schadenfroh belacht,

dem Schnurr noch heimlich Fratzen macht.

Das bringt den Kater recht in Rage,

er folgt der Maus bis zur Stellage,

wo Frauchens Gläser aufgereiht,

damit zur Party sie bereit.


Und Schnurr, in seinem Zorn gefangen,

um an das Mäuschen zu gelangen,

springt aufs Regal mit einem Satz

und wirft die Gläser so vom Platz.


Das führt zu Scherben nach dem Klirren;

jetzt lässt sich Frauchen nicht beirren.

Zur Strafe muss der Kater nun

gefangen in der Kammer ruh’n,

in der nur Schrubber, Lappen, Besen

und Putzzeug, das nicht auserlesen

im Dunkeln weggeschlossen werden,

weil sonst ihr Anblick stört auf Erden.


Die Zeit will langsam nur verstreichen.

Zwei Stunden braucht’s ,um zu erreichen,

dass , nach elendem Miauen,

Frauchen kommt, um nachzuschauen.


Den Kater kümmert dieser Graus,

doch endlich lässt ihn Frauchen raus,

ermahnt ihn, fortan brav zu sein

und nennt ihn wieder Schnurrilein.


So kann es dir im Leben gehen,

Menschen glauben, was sie sehen.

Darum, bevor du Mausen gehst,

bedenk, ob du es auch verstehst!


Ingrid H. Drewing

Kraniche

zugvo1

Es zogen Kraniche nach Süden,

und träumend folgtest du dem Zug

mit einem Blick, der nimmermüde

viel Fernweh, Sehnsucht in sich trug.


Du sahst vor dir die Palmenhaine,

den wilden Fels’ am blauen Meer

und auch am Hang versteckt das kleine,

weiß strahlend’, schöne Haus, so hehr.


Zu gerne wärst du mitgezogen,

wärst du nur wie ein Vogel frei.

Bist in Gedanken fort geflogen,

entflohst kurz grauem Einerlei.

Ingrid  Herta Drewing

Herbstmorgen

dsci0027

Ein klarer Morgen in mein Fenster schaut

mit blauen Himmelsaugen.

Der Herbsttag, sonnig und vertraut,

mag zum Spaziergang taugen.


Die frische Luft in Feld und Wald

belebt mir meine Sinne,

auch wenn der Wind ein wenig kalt,

halt ich begeistert inne.


Erschau den Glanz, die Farbenpracht,

das Feuer goldner Töne.

Im Zauberkleid wirkt nach der Nacht

die Landschaft nun noch schöner.

Ingrid Herta Drewing

Fremde Schuhe

In fremden Schuhen viel zu lang gelaufen,

gefolgt dem, der voran dir schritt;

den Kopf verwirrt, Gedanken sorglos kaufend,

schwammst du in jeder Welle mit.


Besinne dich auf deine eignen Gaben!

Es gibt den Weg, der zu dir passt.

Vergiss, was andre dir befohlen haben,

sie sind auf Erden auch nur Gast.


Geschenkt ist dir dies eine, ja dein Leben,

und frei bist du, ein Kind in Gottes Hand.

Sein Segen liegt auf deinem guten Streben,

drum wag es, nimm dein Leben in die Hand!

Ingrid  Herta Drewing

Windworte

gart1

„ Kommt, tanzt mit mir!“, säuselt der Wind,

greift wirbelnd in die Bäume.

„ Erfüll euch jeden Wunsch geschwind,

wir tanzen durch die Räume.


Ihr müsst euch lösen, dieser Baum

darf nicht mehr fest euch halten;

er ist zu schwach, er kann ja kaum

euch noch am Aste halten!“


Die Blätter, untreu, bleiben nicht,

verführt vom wilden Werben,

ziehn mit dem Herbstwind, diesem Wicht,

ins Totentanzverderben.

Ingrid  H. Drewing