Ersatz

Die IFA, jedes Jahr ein Hit,
zeigt, dass die Technik hier ist fit,
beglückt Besucher mit Finesse,
medial erweckt sie Interesse,
regt Kauflust an, verlockt die Kunden
mit Neuem, was man hat erfunden.

Vom Publikum , dort reich umringt,
befragt, was Zukunft mit sich bringt,
verkündet ein Professor stolz,
Objekte lieben, dieses soll’s
in Kürze ganz alltäglich geben,
Gefühl mit Robotern erleben.

Statt menschlicher Geselligkeit
sei elektronisch stets bereit
zum Knutschen, Knuddeln,
weich im Wuscheln,
ein künstlich Wesen,
schön zum Kuscheln.
Ein Knopfdruck, in Sekundenzeit
sei man befreit von Einsamkeit.

Er sprach dies mit Verheißungsblick,
als läge darin größtes Glück.
Ich sah und hört es mit Entsetzen;
wie kann man daran sich ergötzen,
anstatt sich menschlich zu begegnen,
ein Surrogat so abzusegnen !

Was wäre das für eine Welt,
in der der Mensch sich so verhält,
wenn er, dem Leben fern, allein,
verstrickt im Automatensein,
ohne Gefühl und ohne Liebe
nur ein Modul im Schaltkreis bliebe?

Ingrid Drewing ,2008

Tagesbeginn

Sonnenaufgang

rotgolden strahlend.

Über dem Fluss

grüßt die alte Brücke

Lächeln

Lächeln,

lieber Blick,

ein herzlicher Gruß

am Morgen im Bus,

Sonnenaufgang

Ingrid Drewing

Septembermorgen

Der Erde zarte Nebelhülle

entschleiert lind des Tages Licht;

vom Tau geküsst, sanft in der Stille,

erwacht ihr liebliches Gesicht.


Ein Strahlenspiel, unzähl’ger Perlen

Geschmeide ihre Wiesen schmückt,

und überm Schattenriss der Erlen

glänzt golden Sonne und beglückt .

Ingrid Drewing

Spätsommerliebe

Des Sommers Feuer schwelen,

der Tag entwächst dem Licht,

doch zwei verliebte Seelen

sehn Sonnenwende nicht.


Berauscht von ihrem Glücke

sie tief versunken stehn ,

in ihrem Liebesblicke

erblüht die Welt so schön.


Und selbst im Regengusse

verlieren sie sich nicht,

weil doch bei jedem Kusse

zärtlich ein Lächeln spricht.


Von Hoffnung, Liebe, Treue,

Geborgenheit zu zweit,

ein Frühlingstraum auf’s Neue

zwei Menschen Flügel leiht.

Ingrid Drewing

Herbstbeginn

Nun schließt der Sommer bald die hellen Augen

und bettet sich für lange Zeit zur Ruh’.

Der junge Herbst will als Ersatz uns taugen,

beeilt sich und läuft lachend auf uns zu.

.

Er ist bekannt als lustiger Geselle.

Den Kindern trägt er Drachen in den Wind.

Auch in den Gärten ist er gern zur Stelle,

küsst Astern wach, macht Früchte reif geschwind.


Lässt Sonnenlicht noch pralle Trauben herzen,

damit sie Süße bringen in den Wein;

ist heiter, aufgelegt zu flotten Scherzen,

ruft schalkhaft: “Fangt die Hüte wieder ein!“


In frischer Luft und hehr im Golde strahlend

zeigt er uns üppig seiner Blätter Pracht,

bevor er sie, mit roten Tönen malend,

zum Flammenkleid der Wirbelwinde macht.


Lasst gönnen uns dem Sommer diese Pause,

begrüßen wir die nächste Jahreszeit!

Wer froh nach vorn schaut, fühlt sich wohl zu Hause,

wenn auch einmal ein wildes Wetter graut.

Ingrid Drewing

Wetterlaune

Wolkenschafe, wild
stieben über den Himmel,
vom Windhund gehetzt.

Ingrid Drewing

Unverhofft

Weißgrüner Brautstrauß,
in hohem Bogen fliegt er
dem Mädchen ans Herz.

Ingrid Drewing

Herbstnähe

Der Herbst streckt schon die Arme aus

und rüttelt an den Bäumen.

Wir folgen Ernteträumen

und tragen Frucht um Frucht nach Haus’.


Auch viele aus der Vögel Schar

sind südwärts fortgezogen;

wär’ gerne mit geflogen

in blaue Himmel, hell und klar.

Ingrid Drewing

Mittag

Stille des Mittags,

der Tag hält den Atem an,

da klirren Teller.

Ingrid Drewing

Du

Du, ist das,
was mir sagt, dass ich bin,
das mich lehrt, wer ich bin
und mich liebt, wie ich bin.

Ingrid Drewing