Weltfremd


Jetzt reibt man sich verdutzt die Augenlider,
empfindet seine Welt als fremden Stern.
War hier nicht jüngst noch alles brav und bieder,
als froh man sang des Friedens helle Lieder?
Auch Angst und Terror wähnten wir doch fern.

Von jenem Schmetterling, dem Flügelschlag,
der vieles wandelt, in Bewegung setzt,
war uns bekannt, dass so auch unser Tag
sich kann verändern, und nur Mühe, Plag
entwirren Fäden, die so fest vernetzt.

War man doch gar so sicher eingesponnen,
Kokon, der trägt und trügt; Geborgenheit
wird nicht geschenkt, nicht untätig gewonnen.
Was heut noch hält, ist morgen schon zerronnen.
Den Durchblick gilt’s zu finden, sehen weit!

Da reicht es nicht, nun alles auszusitzen,
von Fall zu Fall taktierend, wenn im Licht
der Meinungsmacher neue Feuer blitzen,
und polternd falsche Herren Hass ausschwitzen,
Es braucht Visionen, und Vernunft ist Pflicht!

©  Text: Ingrid Herta Drewing,

Foto: Pixabay

Naturgeschenk

Geschützt durch die Zypresse vor den Winden
gedeiht am Zaun fast heimlich roter Mohn,
bestäubt von Hummeln, die der Nektar-Lohn
dort einlädt, sich hier häufig einzufinden.

Sie schmausen, gut getarnt, sind kaum zu sehen;
willkommen sind der Blume sie als Gast,
erträgt sie wohl als eine süße Last,
die ihr verhilft, hier weiter zu bestehen.

Und mich erstaunt der Anblick immer wieder,
wie die Natur das Leben weiter bringt,
vielfältig blühend, reift, in Schönheit schwingt.

Die Luft erfüllt mit Düften, ihre Lieder
erklingen lässt im hellen Sonnenlicht
und uns den Hauch des Ewigen verspricht.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Im Garten,2025

Mohnblüten-Leuchten
lädt die Hummeln ein zum Schmaus;
Gäste, gut getarnt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Erster Juni

Der Juni bringt den lang ersehnten Regen.
Frühsommer schenkt der Landschaft Wärme, Licht;
es sprießt und wächst und grünt, ein Blumensegen
erblüht in Park und Garten, ein Gedicht.

Als sei ’s ein Wunder, das hier über Nacht
die kleine Welt trägt in ein neues Leben;
was vormals welk erschien, ist hell erwacht,
darf mannigfaltig sich in grünem Glanz erheben.

Auch du vernimmst die Lebensmelodie,
die zärtlich dir in Herz und Seele klingt,
der Hoffnung Zauber, Zuversicht-Magie
lässt dich erwarten, was der Tag noch bringt.

Was dich bewegt, beginnst du froh zu tun,
vorbei sind Missmut, tatenloses Ruh’n.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Nach dem Regen

Grauer Maimorgen,
vom Dauerregen zerrupft
Pfingstrosenblüten.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Viola

Hier steht ihr so, als schautet ihr mich an,
mit euren kleinen, zarten Blüh-Gesichtern.
Stiefmütterchen, wer hat euch so benannt?
Den Namen gab euch ganz bestimmt kein Dichter!

Viola, dieser Name ist Musik
und passt zu euren farbenfrohen Blüten,
wenn ihr im Frühling, Sommer, Herbst euch wiegt
bei Wind und Wetter in der Schönheit Güte.

Beglückt bin ich, wenn ich euch wachsen sehe.
Seid ihr mir doch seit Jahren sehr vertraut,
in Blumenbeeten dort im Park erschaut,
wo ich versonnen oft spazieren gehe.

Ihr zeigt mir artig Hoffnung, Zuversicht
wie dort an Baches Ranft Vergissmeinnicht.

© Foto und Text: Ingrid Herta Drewing

Vogelstimmen

Es sitzt die Ringeltaube
sehr gern hier auf der Laube,
hat vieles dort im Blick.

Die Elstern, oft auch Krähen
sind auf dem Dach und spähen
nach ihrem Futter-Glück.

Die Amseln und auch Meisen
flugs in die Wipfel reisen
und fliegen auch zurück.

Ich hör der Elstern Keckern,
es klingt für mich wie Meckern
ein Tönen voll Kritik.

Der Ringeltaube Gurren
wie gutturales Schnurren,
schickt Grüße ins Gebück.

Jedoch der Amsel Singen
erfreut durch lieblich’ Klingen
und Melodien-Schick.

© Fotos u. Text: Ingrid Herta Drewing

Ha-Hö und die Freiheit des Meeres

Hans Höffel, kurz Ha-Hö genannt,
geriet beim Blick aufs Meer ins Schwärmen
von Freiheit bis zum Horizont
und Weite fern von üblem Lärmen.

Ihm waren Wind und Sturm Musik,
wollt Wassern in der Brandung lauschen,
andächtig stand er dort still, schwieg
und hörte, wie die Nixen plauschen.

Er, der wohl vielen galt als Freak
schien ein Mysterium zu ahnen,
wollt’ fortan in der Republik
anarchisch hissen Freiheits-Fahnen.

Ein Kofferwort, das Agitprop,
es reizte, konnt’ ihn animieren,
dazu Ideen ohne stop
zu illustrieren, plakatieren.

Für Freiheit nur zu demonstrieren,
das reichte ihm bald nicht mehr aus,
er wollte es mit Macht riskieren,
Gewalt erschien ihm nicht als Graus.

So hat er selber dann verraten
den Traum von Freiheit, Anarchie
durch Anmaßung und Herrschaftstaten,
auch fehlte ihm die Empathie.

Recht und Gesetz, die doch geboten,
von ihm in seinem Wahn verkannt,
floh er und lebt auf den Lofoten
einsam am kleinen Insel-Strand.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Ewiges Licht

Noch immer leuchtet hell aus dunklen Fernen
das Licht von Sternen, die schon lang verglüht,
wie eine Blume, deren Bild schön blüht,
erinnernd an die Rose, liebend’ Lernen.

Im Wechselspiel von Tag und Nacht schenkt Leben
uns vieles, das sich wandelnd offenbart
auf liebliche, auch bittersüße Art,
lässt uns als Gäste irdisch hier verweben.

Als sei der Tod kein Ende, und das Sein
es dauere und sei vergessen nicht
in einem immer währenden Verzicht.

Ein Hoffen auch, dass der Gestirne Schein
uns gebe die Gewissheit, Zuversicht,
die Kraft der Liebe durch das ew’ge Licht.

© Text: Ingrid Herta Drewing

Foto: Pixabay

Im Garten

Pfingstrosen blühen üppig im Garten,
neigen zur Sonne ihr Blumengesicht,
die Blätterhände, grün glänzend im Licht,
müssen nicht erst noch den Festtag abwarten.

Sie schenken sich hin in lieblichen Düften;
Immen besuchen dies gastlich Revier,
stimmen sich ein auf die blühende Zier
hier nun in des Maien mild warmen Lüften.

Auch Dreimaster-Blumen darf ich erblicken,
einst aus Amerikas Süden bestellt;
ihr königsblau’ Leuchten den Tag hier erhellt.

Von Floras Schönheit lass ich mich beglücken,
stehe, bestaune, was mir so gefällt,
und danke Gott für das Leben der Welt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing