Archive for the Category Natur

 
 

Herbstgeschenk

Sanft fliegen Fäden; die silbernen Weben
erstrahlen in weißhellem Mittagslicht.
Wie zart sie hier frei durch die Lüfte schweben,
von Ort zu Ort in ein anderes Leben,
wie lind und leicht ist ihr Spinnwebgewicht!

Der Himmel glänzt blau, kein Wölkchen zu sehen!
Heut’ schenkt uns der Herbst ein Spätsommerleben,
er lockt uns, hinaus ins Freie zu gehen.
Dem Reiz kann und will ich nicht widerstehen
und werde mich bald in den Park begeben

zu genießen die üppige Herbstespracht,
das Potpourri der leuchtenden Farben,
das hier zum Finale ein Feuer entfacht,
bevor der November mit nebliger Macht
uns nötigt, still im Grauen zu darben.

Ingrid Herta Drewing

Wetterbilanz

Grau wie das Schieferdach hängt hier der Himmel,

die Wolken haben heuer Konjunktur

und halten sich dort oben dicht wie Schimmel,

verwaist in Trübsal ist die Sonnenuhr.

Sogar die Zeit scheint hier nun still zu stehen.

Nur wenn die Nacht kommt, wird dir vielleicht klar,

dass dieser Pseudotag zu End’ mag gehen,

du siehst, auch Mond und Sterne sind nicht da.

In Uniform geht es einher, dies’ Jahr

mit militanten Stürmen, Regengüssen,

kaum Frühling, Sommer, Herbst, nur Nebelschar

beherrscht das Land und auch den Lauf der Flüsse.

Der Winter könnte es in Weiß noch krönen,

doch kommt auch er uns meist im Einheitsgrau.

So bleibt nur Sehnen nach der Sonnenschöne

und einem lichten, klaren Himmelsblau.

Ingrid Herta Drewing

Nebel

Jetzt schlafen selbst die Träume,
ein stilles Lied der See;
wo jüngst noch Flammenbäume
im Herbst die Ufer säumten,
weilt nass die Nebelfee.

Durch ihre Schleierhüllen
dringt matt der Sonne Strahl.
Diffus mag sie erfüllen
hier einen warmen Willen
im Jahreszeiten-Tal.

Verstummt die frohen Klänge,
des Sommers süße Geigen.
In diesen grauen Fängen,
der dichten Nebelenge
liegt nur noch müdes Schweigen.

Ingrid Herta Drewing

Frühherbstmittag

Der Mittag glänzt in goldner Stille
und Herbst hält sanft die Uhren an;
zu feiern seiner Farben Fülle,
als Maler  zeigt er sich sodann.

Der Amberbaum strahlt feuerrot,
steht wie ein Wachsoldat im Garten,
und Wilder Wein das Haus umloht,
davor goldgelb die Birken warten.

So lässt er glühend Leben singen,
hält letzte Früchte reif bereit,
bevor auch ihn die Nebel zwingen,
zu münden in die dunkle Zeit.

Ingrid Herta Drewing

Hummelbesuch

Und Abend ist ’s, die Hummel, gar nicht müde,

umschwirrt noch suchend den Lavendelbusch,

obwohl sich schließen schon die blauen Blüten,

bemüht sie sich doch emsig, fliegt und huscht.

Nun sinkt die Sonne in den Wolkenhügel.

Das Hummelchen verlässt sein Blütenglück,

setzt in Bewegung seine zarten Flügel

und fliegt, so scheint’s, nach Hause flugs zurück.

Es naht der Fledermäuse Dämmerstunde.

Sie folgen flott jetzt dem Insektenfang.

Ich hoffe, Hummelchen hat heim gefunden,

ist sicher in der Erde Höhlengang.

Ich schließe auch die Tür, kühl wird die Nacht.

Da tut die Wärme gut; in hellen Räumen

werd’ ich gemütlich sitzen, und ganz sacht,

Musik genießen, hören, Schönes träumen.

Von Rimskij – Korsakov der „Hummelflug“,

der passt mir wirklich nun so recht ins Bild;

noch basteln am Gedicht, dann ist ’s genug,

dann ist der Hummel-Blick für heut’ gestillt.

Ingrid Herta Drewing

Sommerrolle

Der Herbst souffliert der Erde schon den Text.
Sie spielt die Sommerrolle hier beklommen;
an manchen Tagen, neblig, grau, verschwommen,
erscheint ihr fast das Bühnenbild verhext.

Sie müht sich tapfer, weiß der Vorhang fällt
noch nicht so bald; so gilt es, gut zu spielen.
Das Publikum, dem sonst das Stück gefällt,
sieht sie jedoch als Ahnungslose schielen.

Wie kann sie nur des Sommers Part vergessen?
Er lautet: Himmel blau und Sonnenschein.
Dies liegt zwar auch im herbstlichen Ermessen,
doch viel mehr Wärme und Gefühl muss sein.

Ich hoff’, ihr Schwächeln wird vorüber gehen,
sodass wir sie hier noch brillieren sehen.

Ingrid Herta Drewing

Herbstnähe

Noch steht nicht Herbst auf dem Kalender.

–     Analphabet ist die Natur –

sie folgt deshalb schon im September,

benebelt, seiner kühlen Spur.

Als könne sie es nicht erwarten,

in letzter Reife  zu bestehen,

um dann beim Erntefest im Garten

mit Herbst den Feuerstanz zu drehen.

Wenn flammend glüht der Bäume Kleid,

das Weinlaub rötet die Fassaden,

und Körbe, für die Frucht bereit,

zur Ernte locken, uns einladen,

dann wird uns auch der Herbst erfreuen,

und Sommers Abschied wird verschmerzt.

Die Jahreszeit lässt nichts bereuen,

und Drachen fliegen himmelwärts.

Ingrid Herta Drewing

Fühherbstmorgen

Es malt das Morgenlicht im Nebel Streifen,

bevor der junge Tag im Gold erwacht,

und Sonnenglanz wird wärmend, sanft ergreifen,

was kühl und bleich verließ die lange Nacht.

Und munter wird allmählich auch das Leben.

Die Bienen fliegen auf die Blüten zu,

die nun im Frühherbst zärtlich noch erbeben

und strahlend leuchten vor der langen Ruh.

Ich steh’ und seh’ den Tau an Gräsern funkeln

und fühle, dass hier bald der Abschied naht.

Die Tage werden kürzer als das Dunkel

und Spätherbst nimmt sie auf, die graue Fahrt.

Jedoch noch lacht uns helle Lebensfülle,

bevor Natur sie birgt in dunkler Hülle.

Ingrid Herta Drewing

Spätsommerwunsch

Im Blau des Himmels Cirruswolken schweben,

als hätte sie ein Maler hingetupft,

so licht und weiß wie Spinnenweben

und Federflaum, frisch aus dem Nest gelupft.

Kein Daunenleser war ’s, kein Malersmann.

Des Nordwinds Spiel ist ’s; in den kühlen Höhen

lässt er bizarre Bilder schön entstehen.

Doch kündigt er damit auch Regen an.

Dem Frühherbst wird er nun den Weg bereiten,

schon folgt auf kühlen Tag die kalte Nacht.

Der Sonne scheint die Kraft nun zu entgleiten,

da sie nur noch in Mittagsstunden lacht.

Ich wünscht’, der Sommer sei noch nicht gewesen,

jedoch der Wind kann meinen Wunsch nicht lesen

Ingrid Herta Drewing

Hoffnung

Ein Regenvorhang rinnt hernieder,
grau ist es und kein Vogel singt.
Vorbei die Zeit der Sommerlieder,
ist’s das, was der August noch bringt?

Ich hoff’, der Sommer macht nur Pause
und kehrt zurück mit neuer Kraft;
die Sonnenblumen vor dem Hause
stehn noch erwartungsvoll im Saft.

Ingrid Herta Drewing