Vergeblich

Karl Anton froh erwartet Gäste,
Verwandte, die ihm selten blüh’n,
die heuer sich zum Weihnachtsfeste
zu ihm aus Übersee bemüh’n.

Drum hat er schon vor ein paar Tagen
sein Haus mit Lichtern hell geschmückt,
ohn‘ nach der Stromrechnung zu fragen,
die ihn zum neuen Jahr beglückt.

Schmückt auch das Treppenhaus-Geländer
mit Tannen und mit Sternen klein,
nun fehlt nur noch der Christbaum-Ständer,
damit der Weihnachtsbaum steht fein.

Den will er aus dem Keller holen.
Jedoch, wo er auch sucht vor Ort,
er findet nichts als Holz und Bohlen;
drum fährt mit dem Auto fort.

Um einen neuen zu besorgen,
der Nordmann-Tanne dien‘ als Halt,
damit er sie noch schmück‘ vor Morgen,
denn seine Gäste kommen bald.

Ja, er hat Glück und kauft sich einen,
begibt sich auf den Weg nach Haus.
Doch dann am Berg, da will ihm scheinen,
sein Motor streikt, Qualm quillt heraus.

Karl wartet‘ dort zwei gute Stunden,
bis ihn der gelbe Engel fand
Der hilft und rügt ihn unumwunden:
„ Man prüft doch den Kühlmittelstand!“

Der Helfer geht, Karl will nun fahren,
doch ohne Ketten wird ’s zum Graus,
bei Glatteis kann er sich das sparen,
lässt ’s Auto stehen, läuft nach Haus.

Als er dort endlich angekommen,
ist es schon dunkel, zehn nach acht;
und Punsch nebst Pause sind willkommen,
Adventskranz-Kerzen leuchten sacht.

Danach beeilt er sich mit Schmücken,
bereitet das Menü schon vor,
um die Verwandten zu beglücken,
im Radio singt ein Knabenchor.

Doch plötzlich läutet ’s Telefon,
das wundert ihn, es ist schon spät.
Es meldet sich sein Schwiegersohn,
sagt, alles sei nun obsolet.

Sie seien all in Quarantäne,
Corona habe sie bezwung‘.
Karl Anton unterdrückt die Träne
und wünscht noch gute Besserung.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,  24.11.20


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